Erstellt am 28. Januar 2015, 10:20

von Elisabeth Kirchmeir

Erntehelfer: „Er brüllte mit jedem“. Fortgesetzt wurde in der Vorwoche der Prozess wegen angeblich menschenunwürdiger Behandlung von Erntehelfern. Schlussendlich musste Prozess aber vertagt werden.

 |  NOEN, ROBERT PARIGGER (APA (Archiv/Parigger))
Wie berichtet, müssen sich der Inhaber, der Vorarbeiter und eine Mitarbeiterin eines Gemüseanbaubetriebes vor Gericht verantworten, weil im Sommer 2013 Erntehelfer aus Ungarn und Rumänien menschenunwürdig behandelt, ausgebeutet und beschimpft worden sein sollen.



Alle drei Angeklagten hatten sich zu Beginn der Vorwoche nicht schuldig bekannt. Am zweiten Verhandlungstag wurden ehemalige Erntehelfer befragt.

Keine Chance auf in Aussicht gestellten Lohn

Eine Ungarin berichtete, sie habe oft zwölf bis 14, einmal sogar 23 Stunden lang gearbeitet. Sie sei damit beschäftigt gewesen, Frühlingszwiebeln zu bündeln. Jedoch seien oft viele der vom Feld gelieferten Zwiebeln faulig gewesen, sodass die Arbeiter kaum die ihnen gesteckten Ziele erreichen konnten.

Sie seien nach Menge bezahlt worden, dabei sei es unmöglich gewesen, auf den in Aussicht gestellten Lohn von 1000 bis 1200 Euro monatlich zu kommen, so die Ungarin. Es habe für Männer und Frauen keine getrennten Unterkünfte und Waschräume gegeben, von den Duschen habe nur eine ordentlich funktioniert, die Toiletten seien schmutzig gewesen.

Zudem habe der Vorarbeiter sehr oft gebrüllt. „Er kam in der Früh schon brüllend herein, brüllte mit jedem“, berichtete sie. Schrecklich sei die Arbeit in dem Betrieb aufgrund des geringen Lohnes, der stinkenden faulenden Zwiebel und der Stresssituation durch die täglichen Streitigkeiten gewesen.

„Mussten Kosten für Vertrag und Zimmer tragen“

Ein Zeuge aus Rumänien sagte aus, er habe täglich zwischen 14 und 17 Stunden gearbeitet. Auch am Sonntag sei bis nachmittags gearbeitet worden. Für ein Messer seien ihm 45 Euro vom Lohn abgezogen worden.

Auch er habe Angst vor dem Vorarbeiter gehabt. Der Lohn sei nicht zum vereinbarten Zeitpunkt ausbezahlt worden; am Ende der vereinbarten Arbeitszeit habe er noch eine Summe von 450 Euro eingefordert, aber der Vorarbeiter habe ihm die Auszahlung verweigert.

„Ich weiß nicht, wie viele Messer mir abgezogen wurden, auch Kosten für Vertrag und die Zimmer mussten wir tragen“, so der Rumäne. Er sei sogar zur Polizei gegangen, um seine Ansprüche durchzusetzen.

Der Prozess wurde vertagt.