Erstellt am 10. Juli 2014, 10:15

von Carina Ganster

Petition soll Schulen retten. Ein Direktor für mehrer Schulen / Zahlreiche Eltern, Lehrer und Gemeindevertreter fordern die Rücknahme der Schulverwaltungsreform, die mit 1. September in Kraft tritt.

Neuhaus am Klausenbach. Bürgermeister Helmut Sampt und Vize Reinhard Mund wollen um die Neue Mittelschule kämpfen.  |  NOEN, zVg

Auch zwei Wochen nach bekannt werden der Schulverwaltungsreform (ab 1. September sollen landesweit 22 Direktoren 30 weitere Schulstandorte mitleiten) reißt die Aufregung bei Ortschefs, Lehrern, Direktoren und Eltern nicht ab. Auch die Koalition unterzieht sich in der laufenden Regierungsperiode wohl ihrer größten Belastungsprobe (siehe Seite 3).

Betroffen von den meisten Zusammenlegungen sind vor allem Gemeinden in den Bezirken Güssing und Jennersdorf und genau dort ist die Aufregung am größten. In Jennersdorf, der kleinsten Bezirkshauptstadt des Landes, sollen gleich fünf Schulen (die Volksschulen Jennersdorf, Henndorf, Grieselstein, Maria Bild sowie das Sonderpädagogische Zentrum) unter die Leitung einer Direktorin gestellt werden. Die Elternvertreter der jeweiligen Schulen haben eine Petition zum Erhalt der einzelnen Direktorenposten verfasst, auch der Stadtrat aus Jennersdorf schließt sich dieser an.

„Wir fürchten durch diesen Anschlag auf die Bildung der Kinder eine Aushöhlung des ländlichen Raumes. Bei uns, in den kleinen Ortschaften des Landes, steht und fällt ein Dorf mit den kleinen Bildungsinseln“, ist Ortschef Willi Thomas erzürnt. „Ich hoffe, dass diese Entscheidung überdacht wird und im besten Fall zurückgenommen wird“, meint Thomas weiter.

Petiton: Lehrer fordern Rücknahme

Ebenso angespannt und mit den gleichen Zielen richten sich die Verfasser einer Petition im Bezirk Güssing an die Landesregierung und den Landesschulrat. Hannes Hofbauer, Lehrer der Volksschule Deutsch Tschantschendorf, die ab September unter die Führung der Volksschule St. Michael gestellt werden soll, hat eine Online-Petition zur Rücknahme der Zusammenlegungen initiiert, die in den ersten Tagen 400 Unterstützer gefunden habe. Auch die Gemeindevertretung setzt sich für den Erhalt des bisherigen Systems ein. Tobajs Bürgermeister Manfred Kertelics ist seit Montag in seiner Gemeinde von Haus zu Haus unterwegs, um die Bevölkerung zur Unterschrift der Petition anzuregen. Bei 1.400 Einwohnern rechne er mit einer Zustimmung von mindestens 1.000 Unterschriften. Bei der Radtour von Landeshauptmann Hans Niessl, die am 14. Juli, in der Gemeinde Halt macht, wollen die Gemeindevertreter die Unterschriftenlisten übergeben.

Für Kertelics kommt es nämlich „nicht in Frage“, dass seine Schule von einem außenstehenden Direktor geleitet wird. „Mit einem Schulerhalter geht man so nicht um“, spricht Kertelics die Übermittlung der Botschaft an. „Wir haben vor einigen Jahren die Volksschulen in den Ortsteilen Tobaj und Punitz geschlossen, um als Reform-Vorreiter neue Wege zu gehen. Die Schule und den Hort in Deutsch Tschantschendorf haben wir um 400.000 Euro ausgebaut und jetzt nimmt man uns auch noch den Direktor weg“, ärgert sich Kertelics.

Neuhaus/Klausenbach bangt um NMS

Auch betroffen von den Zusammenlegungen der Direktionen ist die Gemeinde Neuhaus am Klausenbach. Dort ist der Ärger über die Schulreform nicht so groß, wie die Angst davor, dass die Neue Mittelschule in der Gemeinde zugesperrt wird, denn das neue Pflichtschulgesetz sieht vor, dass Schulen die unter 80 Schüler haben, ab dem Schuljahr 2016/17 geschlossen werden.

„Eine Schulschließung habe eine Folgewirkung auf die gesamte Region. Die Kinder werden zu Pendlern gemacht, wenn sie in Jennersdorf in die Schule gehen müssten. Eltern werden gezielt verunsichert, mit der Folge, dass viele Kinder bereits im nächsten Schuljahr an einer anderen Schule angemeldet werden könnten, wäre das eine Katastrophe“, will Bürgermeister Helmut Sampt (ÖVP) um den Erhalt seiner Schule kämpfen.

„Als zusätzlicher Sicherheitsanker für Schulen, die nach dem Stichtag nicht über eine ausreichende Zahl von SchülerInnen verfügen, wurde eine Expositur-Lösung gesetzlich ermöglicht. Das bedeutet, dass ein kleinerer Standort erhalten bleibt, wenn er sich mit einer größeren Schule auf eine Zusammenarbeit einigt“, versucht SPÖ-Landtagsabgeordneter Ewald Schnecker die Situation in Neuhaus zu entschärfen.