Rudersdorf

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:41

von Carina Ganster

Wirbel um Gemeinde-Finanzen. Gemeinde ist bei Zahlungen an Wasser- und Abwasserverbände säumig und muss Verzugszinsen zahlen. Vizebürgermeister Ewald Schnecker ortet Misswirtschaft.

Schnecker gegen Tauss: In Rudersdorf herrscht Aufregung um die Finanzen.  |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Nicht weitergeleitete Gebühren sorgen im Gemeindeamt derzeit für rabenschwarze Luft. Vizebürgermeister Ewald Schnecker (SPÖ) ortet einen besonderen Fall von Misswirtschaft.

Sein Vorwurf: Bürgermeister und Amtsleiter Franz E. Tauss (ÖVP) habe offenbar die von den Bürgern bezahlten Gebühren für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung seit 2012 nicht oder nur unvollständig an den Wasserverband Unteres Lafnitztal und den Abwasserverband Jennersdorf weitergeleitet.

Schnecker kritisiert „‚Loch auf-Loch zu‘-Manier“

Die BVZ berichtete bereits im Feber dieses Jahres über die Außenstände der Gemeinde Rudersdorf. „Die Gelder wurden offenbar in einer ‚Loch auf-Loch zu‘-Manier für andere Gemeindezwecke verwendet, der Schaden durch die angelaufenen Verzugszinsen ist enorm“, kritisiert Schnecker.

Konfrontiert mit den Vorwürfen spricht Tauss von Unwahrheiten, die Schnecker verbreitet und ortet eine parteipolitisch motivierte Aktion, auch im Hinblick auf die bevorstehende Gemeinderatswahl 2017, bei der Tauss voraussichtlich nicht mehr kandidieren wird.

„Die eingehobenen Gebühren sind immer an die Verbände weitergeleitet worden“, erklärt Tauss, der aber auch klarstellt, dass die eingehobenen Gebühren in den vergangenen Jahren nicht ausgereicht haben. „Die Differenz mussten wir aus dem Budget begleichen und ja, hier sind wir zeitweise säumig“, gibt der Ortschef zu.

Mehr als 100.000 Euro nur an Verzugszinsen

Mit Stichtag 31. März 2016 betrug der Rückstand beim Abwasserverband Jennersdorf 247.500 Euro, die Verzugszinsen beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 67.600 Euro, belegt Schnecker.

Ähnlich stelle sich die Situation beim Wasserverband Unteres Lafnitztal dar. Mit Schreiben vom 24. Feber dieses Jahres wurden die Außenstände bei den Wassergebühren mit 310.000 Euro beziffert.

Die Verzugszinsen beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 56.000 Euro. Bei diesem Verband sind zu diesem Zeitpunkt Zahlungsvorschreibungen aus dem Jahr 2012 nicht vollständig beglichen. Schnecker forderte nun volle Aufklärung und sieht einen Kontrollnotstand in der Gemeinde.

Diese könnte eine Gemeindeprüfung bringen, deren Ergebnis dem Ortschef bereits vorliegt. Einblicke will er noch nicht geben, nur „jetzt haben wir einen Auftrag“, war Tauss zu entlocken. Der Bericht wird dem Gemeinderat voraussichtlich am 11. August vorgelegt.