Erstellt am 04. März 2015, 07:00

von Carina Ganster

Uhudler: Behörde stellt Rodungsbescheid aus. Nach anonymer Anzeige wegen Neuauspflanzungen müssen sieben Uhudlerbauern ihre Flächen bis 30. Juni roden. Alle Betroffenen haben Einspruch erhoben.

Aushängeschild Uhudler. In Heiligenbrunn wird jedes Jahr die Uhudlerprinzessin gewählt. Sowohl Christina Stukits als auch Carina Schils repräsentieren den Uhudler als Botschafterin bei Messen, Festen und diversen Anlässen. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv
Wie Wien ohne Stephansdom, so wäre das Südburgenland wohl ohne sein „Kulturgut“, den Uhudler. Was eigentlich nicht vorstellbar ist, könnte aber schon bald traurige Wahrheit werden. Und das nicht nur, weil der Uhudler laut Verordnung der Europäischen Union nur bis 2030 genehmigt ist, die BVZ berichtete.

„Die Lage hat sich im vergangenen halben Jahr zugespitzt.
Wer hinter den Anzeigen steht, wissen wir nicht,
es gibt nicht einmal eine Vermutung.“
Obmann Harald Kaiser

Konkret geht es darum, dass sieben Uhudlerbauern aus dem Bezirk Güssing im vergangenen Jahr angeblich Teile ihrer Gärten neu ausgepflanzt haben. Daraufhin wurden sie anonym angezeigt und nun von der Bezirkshauptmannschaft Güssing aufgefordert, die Bestände zu roden.

Gesetzlich basiert dieser Bescheid auf einer Entscheidung aus dem Jahr 2003, die besagt, dass keine Neuauspflanzungen vorgenommen werden dürfen.

Die sieben Winzer haben den Bescheid Ende Jänner zugestellt bekommen und erheben laut Harald Kaiser, Obmann des Vereins Uhudler, alle Einspruch dagegen. Würden sie dies nicht tun, müssten sie ihre Bestände bis 30. Juni roden.

Liegenfeld will Studie in Auftrag geben

„Die Lage hat sich im vergangenen halben Jahr zugespitzt. Wer hinter den Anzeigen steht, wissen wir nicht, es gibt nicht einmal eine Vermutung. Was jetzt weiterhin passiert, ist ebenfalls noch nicht klar“, zeigt sich Kaiser, samt seiner Winzerkollegen verzweifelt.

Auch im Bezirk Jennersdorf gibt es Anzeigen, allerdings noch keine Rodungsbescheide. „Die Verfahren stehen vor dem Abschluss, eine Entscheidung gibt es in Kürze“, erklärt Bezirkshauptmann Hermann Prem, der aufgrund des laufenden Verfahrens keine genaueren Auskünfte geben will.

Der zuständige Landesrat Andreas Liegenfeld will sich zur Causa „Anzeigen“ nicht äußern und verweist auf die zuständigen Bezirksbehörden, bei denen die Verwaltungsverfahren anhängig sind. Für den Fortbestand des Uhudlers will er sich natürlich weiterhin einsetzen.

„Wir werden eine Studie beauftragen, die die Situation des Uhudlers im Detail erhebt. Entwicklungen und Möglichkeiten sollen weinbautechnisch, rechtlich und wirtschaftlich erhoben und ausgewertet werden. Der Uhudler muss bleiben“, spricht sich Liegenfeld aus, der diese Woche mit den Uhudlerweinbauern zu einem Arbeitsgespräch zusammenkommt.

Initiative Kellerviertel hat sich gegründet

Während die Winzer um den Forbestand ihrer Weingärten bangen müssen, hat sich in Heiligenbrunn der Verein „Initiative Kellerviertel Heiligenbrunn“ gegründet, dessen Ziel die Förderung des historischen Ensembles „Kellergasse Heiligenbrunn“ - sowie der Erhalt des Uhudler ist.

Der Verein bezweckt die Erhaltung des Kulturgutes durch die Errichtung eines Kompetenzzentrums. Weiters ist die Errichtung eines Uhudler-Kultur-Lehrpfades geplant.

Über den Uhudler:

Auf Basis des Österreichischen Weingesetzes von 1992 darf der Uhudler heute in acht burgenländischen Gemeinden verkauft werden. Diese Regelung gilt vorerst bis 2030 und soll dann durch ein neues Weingesetz ersetzt werden, in dem die Direktträgersorten neu zu beurteilen sein werden.

Von 1985 bis 1992 wurde er aus dem Weingesetz genommen und verboten, 1992 wieder aufgenommen. Seit 1995 sind nur vier Rebsorten, befristet bis 31. Dezember 2030, zugelassen. Seit 2003 dürfen keine Neuauspflanzungen vorgenommen werden.

Quelle: Wikipedia