Erstellt am 13. Mai 2015, 12:05

Von Paris nach Limbach. Ring am Fuß eines Rotkehlchens verriet die Nationalität: Es war ein Franzose und Teil eines Forschungsprojekts.

Die Inschrift »Museum Paris« ließ sich nur unter der Lupe entziffern. Dort erhielt das gestorbene Rotkehlchen seinen Ring am rechten Fuß.  |  NOEN, Pekovics/BVZ
Den letzten Winter und das Jahr davor verfütterten Annette und Ingolf Hofmann täglich eine Handvoll Haferflocken direkt vor ihrer Küchentür, im Innenhof von Hofried 5, in Limbach. Das Futter teilten sich - nicht ohne Streit - eine Amsel und ein Rotkehlchen.

Beide Vögel legten in dieser Zeit weitgehend ihre Scheu ab. So war zu sehen, dass das Rotkehlchen einen winzigen Metallring am rechten Fuß trug.

Fund mit Aussage über Wanderbewegung

Vor einigen Tagen lag auf der Wiese ein totes Rotkehlchen. Es war unversehrt und ist wahrscheinlich eines natürlichen Todes gestorben. Am Fuß steckte ein Alu-Ring mit einer Zahlen-Buchstaben-Kombination.

Hilfe brachte das Internet unter den Suchbegriffen: „Rotkehlchen“, „Singvogel“, „beringt“, „gefunden“: Unter „Euring Web Recoveries“ gibt es ein Formblatt „Reporting a Ring“.

Dabei handelt es sich um eine europäische Zusammenarbeit, die Wanderbewegungen von Zugvögeln erforscht. Beteiligt sind Universitäten und Forschungsinstitute, von Portugal bis Ukraine, von Litauen bis Malta. Die Ringe erhalten die Jungvögel bereits im Nest. Werden die Vögel irgendwann gefunden, lässt sich einiges über die Wanderbewegung der betreffenden Vogelart und deren Lebenserwartung aussagen.

Tier war quer durch Mitteleuropa gezogen

Die Inschrift auf dem Limbacher Rotkehlchen war: „Museum Paris“ und eine Nummer. Auf dem Formblatt „Reporting a Ring“ wird unter anderem auch nach den Koordinaten des Fundortes gefragt und nach Todesursache des Vogels.

Nur unter der Lupe ließ sich die Inschrift auf dem Ring entziffern. An diese Adresse „Museum Paris“ abgeschickt, kam nach einer Weile ein „Merci“ und die Adresse: Case Postale 51, 55 rue Buffon, 75005 Paris, France, bagues@mnhn.fr. Es handelt sich dabei um ein Museum für Vogelkunde in Paris.

Beim aktuellen Fall ist das Rotkehlchen in Frankreich aufgewachsen und dann quer durch Mitteleuropa gezogen. Offenbar ist es dann im Winter in Limbach geblieben.

Rotkehlchen zählen normalerweise zu den Standvögeln. Sie bleiben das ganze Jahr in ihrem Revier, zumal täglich Haferflocken auf dem Teller lagen. Wird es aber im Winter zu kalt, und gibt es vor Ort nichts mehr zu fressen, weichen sie aus. Sie ziehen dann ein Stück nach Süden. In Skandinavien ist das Rotkehlchen grundsätzlich ein Zugvogel. Dort ist es im Winter einfach zu kalt.