VON DIETMAR BAURECHT
Es ist ein Kunststück gelungen. Mit Don Giovanni auf der Ruffinibühne wurde Mozarts Dramma giocoso sehr gut für ein breites Publikum aufbereitet: Ein stimmiges junges Orchester (unter der Leitung von Johannes Wildner), sehr gute Sänger sowie die gute und auch gegen das Libretto inszenierte Interaktion auf der Bühne mit perfektem Einbezug des dynamischen Bühnenbildes von Paul Zoller mit seinen verschiebbaren barocken Häuserfronten gefielen.
Da kann man über so manchen Lapsus bei der Premiere (etwa die Tonanlage) hinwegsehen, denn es wird auch wenn so mancher Regie-Einfall schon mehr als die Sahne ist, die sich Don Giovanni vor seinem Ende in den Rachen schiebt sehr schlüssig und für das Publikum nachvollziehbar inszeniert.
Don Giovanni (Josef Wagner) dringt in dieser Inszenierung unter der Regie von Thilo Reinhardt in eine totalitär vom mächtigen uniformierten Komtur (Dirk Aleschus) beherrschte Stadt ein und bringt diesen nach seinem wilden Tête-à-tête mit dessen Tochter Donna Anna um die Ecke.
Sie ist nicht die erste Frau, die Giovanni erobert hat. Es sind mehre Tausende, die sein buckliger Diener Leporello (Thorsten Grümbel) der an den weiß geschminkten Joker aus Batman erinnert Donna Elvira, einer weiteren Liebschaft Giovannis, aufzählt. Donna Elvira hervorragend und witzig von Cristina Baggio gegeben wurde kurzerhand von Giovanni vor dem Traualtar stehen gelassen und ist nun hartnäckig auf den Fersen des Wüstlings.
Giovanni verfolgt nach dem Komtur-Mord weiterhin sein ganz demokratisches Auswahlverfahren: Dünn, dick, schön, schiach und vom ersten bis zum dritten Stande dürfen die Eroberungen sein.
Don Giovanni: Der Teufel holt ihn mit Feuer und Flammen
So auch Bäuerin Zerlina (Anna Virovlansky), die er kurz vor seiner Hochzeit mit Masetto, gesungen von Selcuk Cara ein wenig in ein emotionales Korsett gedrückt , abschleppen möchte. Giovanni stört es wenig, dass er so manche Frau ins Verderben gestürzt hat. Die nun vaterlose Donna Anna, herrschend dargestellt von Mandy Fredrich, stößt ihren Zukünftigen, den schreibtischtäterhaft unterwegs gewesenen Don Ottavio (Benjamin Bruns), zur Rache und Ermordung von Don Giovanni.
Josef Wagner (Giovanni) stößt gehetzt die sogenannte Champagnerarie von sich und flüchtet weiter, bis er schließlich in die Rolle seines Dieners Leporello mit weiß geschminktem Gesicht schlüpft und überheblich den toten, verwesenden Komtur zum Essen einlädt.
Wenn schließlich die Werwölfe zu heulen beginnen und sich Leporello an Menschenfleisch vergeht, sprühen die Regie-Einfälle allzu flott dahin. Getrieben von seinen weiblichen, blutleeren Opfern, wird Giovanni schließlich vom Komtur in die Hölle verwiesen. Die Erde spaltet sich, der Schein der Lava tritt am Felsen aus und Giovannis flammende, riesige Todeskutsche fährt aus der Szenerie. Dann wird es still, und es bleiben an der Bühnenfront die Paare Donna Anna, Don Ottavio, Zerlina und Masetto allein zurück und besingen unphrenetisch den Sieg über Giovanni und ihr Glück gemeinsam mit Donna Elvira und Leporello, der sich nun einen neuen Job suchen muss.MEHR AB SEITE 75







