VON ALEXANDRA HALOUSKA
KLOSTERNEUBURG / Seit mehreren Monaten ist der geplante Golfplatz auf dem Gelände der AUVA vorrangiges Gesprächsthema der Klosterneuburger Politik und Bevölkerung.
Nachdem die NÖN über die Positionen von Golfplatzgegnern und Golfplatzbetreiber ausführlich berichtet hat, wollen nun auch die betroffenen Bauern zu Wort kommen.
Bei einer kürzlich abgehaltenen „Krisenversammlung“ verfassten die Landwirte ein gemeinsames Manifest gegen den Golfplatz. Ihre Botschaft ist eindeutig und unverblümt: „Wir Bauern wehren uns gegen den Golfplatz“, legt Obmann des Ortsbauernbundes und Weinbauernbundes Kritzendorf Walter Vitovec den Standpunkt der Bauern stellvertretend dar.
„Wir Landwirte verlieren immer mehr Flächen“
Schon bald könnte der Gemeinderat die notwendige Fläche in „Grünland Sport“ umwidmen. Eine Fläche, die laut Vitovec für die Absicherung der Bauernbetriebe von großer Bedeutung ist: „Die Landwirte verlieren laufend Flächen und können bald nicht mehr rentabel wirtschaften. Ist es in Maria Gugging das Institute of Science Technology Austria, so ist es in Kritzendorf die fortschreitende Verbauung. Teilweise wird schon jetzt landwirtschaftliche Nutzfläche für die Freizeitgestaltung und Sportausübung geopfert. Reitstallungen, Koppeln, Modellautobahnen oder Hundeabrichte-plätze sind nur ein paar Beispiele dafür.“
„Wasserqualität wird unter Golfplatz leiden“
Und nicht nur die eingeschränkten Nutzflächen bereiten Klosterneuburgs Landwirten großes Kopfzerbrechen: Sie befürchten auch einen massiven Einschnitt in den Wasserhaushalt des ganzen Gebietes. Weinbauernbundobmann Walter Vitovec ist selbst von dem Golfplatz betroffen. Er bewirtschaftet als Anrainer zweieinhalb Hektar Obstbau und fünf Hektar Weinbau, die in extrem trockenen Sommern bewässert werden müssen. Vitovec kaufte drei Grundstücke mit Quellfassungen (Wasserversorgungsanlagen).
Das Einzugsgebiet dieser Quellen soll genau unter dem größten Teil des Golfplatzes liegen. „Auf dieser Fläche sind ein Clubhaus, eine Driving Range, ein 4-Loch mit Greens und Teich geplant. Was das für die Wasserqualität und die Wasserführung bedeutet, muss man nicht länger erklären. Bekanntlich ist der Wasserbedarf eines Golfplatzes besonders hoch. Wir sprechen hier von rund 50 Litern pro Quadratmeter wöchentlich“, ist Vitovec skeptisch.
Tullner Stiermastbetreiber bot doppelten Pachtpreis
Aussagen der Betreiber, die Klosterneuburger Landwirte wären auf die Golfplatzfläche nicht angewiesen, weist der Weinbauernbundobmann entschieden zurück.
Die Geschichte dazu: Als der Pächter des Weißen Hofs im Jahr 2002 in Pension ging, wurden die landwirtschaftlichen Flächen zur Verpachtung ausgeschrieben. Fünf Bauern aus Klosterneuburg sollen sich an diesem Bieterverfahren beteiligt haben. „Der Pachtpreis war für Klosterneuburg überdurchschnittlich hoch. Ein Stiermastbetreiber aus Tulln bot einen doppelt so hohen Pachtzins, als die Klosterneuburger Bauern boten. Er bekam den Zuschlag. Die Äcker wurden jedoch durch die große Entfernung der Betriebsstätte sehr vernachlässigt“, erzählt Vitovec.
„Golfplatz braucht dreifache Menge an Dünger“
Bezug nehmend auf die Aussage von Landschaftsarchitekt DI Stefan Schmidt, „ein Golfplatz wird nicht mehr gedüngt als bei Anbau von Feldgemüse“ (NÖN Woche 01/2011), entgegnet Vitovec: „Bei einem Golfplatz beträgt die Düngemenge 250 Kilogramm Reinnitrat. Das ist die dreifache Menge, die auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht werden darf. Auf den angrenzenden Wiesen herrscht außerdem Düngeverbot. Ob der grüne Rasen des Golfplatzes ohne Dünger auskommt, möchten wir bezweifeln.“
„Profitdenken ist hier fehl am Platz“
Der Pachtzins für den Golfplatz bringt 1.400 Euro pro Hektar ein (insgesamt 70.000 Euro), der Pachtzins der Bauern nur 220 Euro pro Hektar. Profitdenken sei laut Vitovec aber fehl am Platz. Seine Begründung: Jeder Österreicher hat Unfallversicherungsbeiträge eingezahlt. Von den Beiträgen aller sind diese Grundstücke mitfinanziert worden. Und nun verlieren wir ein wertvolles Naherholungsgebiet für ungefähr 600 Golfspieler.“
„Golfplatz bedeutet weniger landwirtschaftliche Betriebe“
Die letzten Zeilen des Manifests: „Wir Bauern wehren uns gegen den Golfplatz. Wird er gebaut, gibt es sicher einige landwirtschaftliche Betriebe weniger. Betriebe, die schon immer auf eine schonende Bewirtschaftung unserer Umwelt Wert legten, die Wiesen pflegten, die Rinder und Schafe auf den Weiden hielten. Dann gibt es in Kierling vielleicht keinen Almabtrieb mehr, oder in Kritzendorf kein Obstblüten- und Riedenfest. Sind 18 Löcher das wirklich wert?“







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