Erstellt am 08. Januar 2014, 15:05

1,1 Mio. abgezweigt: 3,5 Jahre Haft für Ex-Bankerin. Weil sie in 33 Jahren in ihrer Bank insgesamt rund 1,1 Millionen Euro abgezweigt haben soll, ist am Mittwoch in Eisenstadt eine 58-jährige frühere Bankangestellte zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka
Die Anklage warf der Frau aus dem Bezirk Mattersburg Untreue und Urkundenfälschung vor. Mit ihr stand ihr Mann vor Gericht. Der Prozess gegen den 62-Jährigen, dem Geldwäsche vorgeworfen wird, wurde vertagt.

Seit 1979 Geld aus Kassa, von Konten und Sparbüchern abgezweigt

Das Urteil gegen die Frau ist nicht rechtskräftig. Die 58-Jährige, die sich laut Anklägerin Patricia Lendzian nach dem Auffliegen der Malversationen "von Anfang an umfassend geständig" gezeigt habe, hatte sich von der Schaltermitarbeiterin in einer Filiale bis zur Verantwortlichen fürs Rechnungswesen in der Bezirksbank hochgearbeitet und sei auch für die Jahresabschlüsse zuständig gewesen.

Sie soll beginnend im Jahr 1979 bis 2012 Bargeld zunächst aus der Kassa der Bank entnommen sowie später Beträge von Kundenkonten und Sparbüchern abgezweigt haben. "Hier geht es um ein Delikt, das über 30 Jahre begangen worden ist. Der Schaden ist immens hoch", so die Staatsanwältin.

Vor knapp einem Jahr aus Furcht vor Entlarvung kurz untergetaucht

Im Detail wurde ein Fehlbetrag von 1,119.000 Euro festgestellt. Die geschädigte Bank schloss sich mit der Forderung von 1,054.000 Euro dem Verfahren an.

Im Herbst 2012 wurde die Frau pensioniert. Im Frühjahr 2013 habe die Angeklagte geglaubt, dass man ihr draufgekommen sei ( ), was aber nicht stimmte, führte die Staatsanwältin aus.

Die 58-Jährige verschwand und nahm 10.000 Euro mit, ehe sie nach zwei Tagen wieder zurückkehrte. Aus Sorge hatte ihr Mann inzwischen die Polizei eingeschaltet und sie als vermisst gemeldet. So kam der Fall ins Rollen.

Größtes Anliegen? "Dass die Unschuld meines Gatten bewiesen wird"

Die Frau, die bereits zehn Monate in U-Haft verbracht hat, gestand vor Gericht ihre Schuld ein und erklärte, sie bereue zutiefst: "Mein größtes Anliegen ist, dass die Unschuld meines Gatten bewiesen wird." Ihrem Mann warf die Anklage vor, von dem fremden Geld gewusst zu haben, welches das Familienbudget - über die Jahre umgerechnet um 3.000 Euro pro Monat - aufgebessert haben soll.

"Ich habe jahrelang sein Vertrauen missbraucht. Er hat sich auf mich verlassen in finanziellen Dingen", nahm die Frau, die während der Befragung mehrmals den Tränen nahe war, sämtliche Verantwortung auf sich.

Dass Autos des 62-Jährigen - darunter zwei VW Touareg, ein VW Phaeton und ein BMW - mit Geld aus Malversationen gekauft worden seien, bestritt der Angeklagte, unterstützt von beiden Anwälten des Paares. Für die Autokäufe seien teilweise Kredite aufgenommen und Bausparverträge aufgelöst worden. Zudem habe der Mann auch über Jahre hinweg Einkünfte aus Pfusch erzielt.

Schöffensenat fällt Schuldspruch, Angeklagte nahm das Urteil an

"Das Finanzielle hat meine Frau gemacht", gab der Ehemann zu Protokoll. Er habe sich da ganz auf sie verlassen. "Man hat den Eindruck, dass sie sich für Finanzen schon interessiert haben", sagte der Vorsitzende. "Ja, für meine", gab der Mann zur Antwort.

Der Schöffensenat sprach die 58-Jährige im Sinne der Anklage schuldig. Der Lebensstandard sei durch die Malversationen über lange Zeit mit fremdem Geld angehoben worden. Das erfordere ein beträchtliches Maß an krimineller Energie, so der Richter. Als mildernd wurde unter anderem das reumütige Geständnis berücksichtigt.

Die 58-Jährige nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Der Prozess gegen den Ehemann wurde vertagt, um Kontoöffnungen durchführen und die Geldflüsse in der Famile genau zu durchleuchten.