Erstellt am 07. Mai 2013, 12:36

Angeklagter zurechnungsfähig. Am Dienstag ist in Eisenstadt der Mordprozess um eine 73-jährige Pensionistin fortgesetzt worden, die vor knapp sieben Jahren in ihrem Haus in Pöttsching (Bezirk Mattersburg) getötet worden ist.

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Ein 43-jähriger Türke wird verdächtigt, der Frau die Kehle durchgeschnitten zu haben. Am zweiten Verhandlungstag wurden mehrere Zeugen einvernommen, auch Gerichtspsychiater Reinhard Haller trug sein Gutachten vor und erklärte: "Wenn er der Täter wäre, bestünde kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit." Der Angeklagte bestreitet die Tat.

Einer der Zeugen, ein Gärtner und ehemaliger Chef des 43-jährigen Angeklagten, belastete den Beschuldigten in einem Punkt schwer: Nachdem der verdächtige Türke am ersten Prozesstag meinte, "Ich war nie drinnen in diesem Haus", erklärte sein Chef vor dem Geschworenensenat (Vorsitz: Karin Knöchl), dass das Mordopfer die Arbeiter zum Essen eingeladen hatte und dieses im Haus eingenommen wurde - auch vom Angeklagten.

Der 43-Jährige meinte am Dienstag erneut, er wäre nicht im Haus gewesen, an dem Essen habe er nicht teilgenommen. Auf die Frage, weshalb DNA-Spuren an der Leiche entdeckt wurden, die zu seinem Profil passten, antwortete er: "Ich bin mir sicher, dass ich dort nicht war (zum Tatzeitpunkt, Anm.) und dass ich das nicht getan habe. Ich habe auch keine Erklärung, wie die Spuren dorthin gekommen sind."

Im Jahr 2005 sollen der Chef und der Angeklagte Fertigrasen und Steine im Garten des Opfers verlegt haben. Danach habe man auch den Rasen gemäht, schilderte der ehemalige Arbeitgeber. Wie oft und ob das gemeinsam bzw. mit anderen Kollegen gemacht wurde, dazu machten der Chef und sein damaliger nun angeklagte Mitarbeiter unterschiedliche Angaben.

Der Beschuldigte sei laut Haller vom Charakter her auffallend, impulsiv, könne Aggressionen nicht kontrollieren. Wenn er der Täter war, dann wären die Motive nicht im psychiatrischen Bereich, sondern würden eher auf eine kriminelle Energie zurückzuführen sein, erläuterte er. Der 43-jährige Mann sei "nicht behindert, ein durchschnittlich bis knapp intelligenter Mensch und nicht bewusstseinsgestört."

Weshalb dem Verdächtigen offenbar nun eingefallen sei, wo er sich am Tattag befunden hat, er es jedoch zwei Tage nach der Tat nicht wirklich gewusst hätte, wunderte den beisitzenden Richter Wolfgang Rauter: "Sie haben ein umgekehrt proportionales Gedächtnis als die anderen."

Die Verhandlung wird am 27. Mai fortgesetzt - unter anderem wird Kriminalpsychologe Thomas Müller erwartet. Dann dürfte auch ein Urteil fallen. Zur Festnahme war es erst im vergangenen Jahr gekommen, da erst durch spätere Ermittlungsmethoden die DNA-Spuren, auf die sich jetzt auch die Anklage stützt, ausgewertet werden konnten.