Erstellt am 20. Juni 2012, 00:00

Bank, Trafik, McDonalds ausgeraubt: Haftstrafen. JUNGE TÄTER /  Mit Spielzeugpistolen und Softguns in der Hand forderten die beiden Räuber Geld. Ein Freund war der Chauffeur.

er 20-jährige Haupttäter, hier kurz nach seiner Verhaftung, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. FRANZ BALDAUF  |  NOEN
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BEZIRK MATTERSBURG, WIENER NEUSTADT, MÖDLING /  „Die beiden Spielzeugpistolen hatten wir am Abend davor beim Toys’r’us gekauft“, erzählte der 20-jährige Angeklagte aus Mattersburg beim Raubprozess, der vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt stattfand. Ein Schicksalsschlag hat ihn, so sein Anwalt Farid Rifaat, aus der Bahn geworfen.

„Als mein Bruder 13 Jahre alt war, stellte man bei ihm einen Gehirntumor fest“, sagte der Angeklagte. „Ich begann damals zu kiffen. Mir war alles wurscht.“

Seither nahm er durchgehend Drogen, bevorzugt Kokain. Das war teuer, der Mattersburger brauchte dringend Geld. Auch für seinen Kumpel, einen 18-jährigen Lehrling aus dem Bezirk Mattersburg, stand das „Dilemma der Geldbeschaffung“ im Raum. Der Drittangeklagte, ein 19-jähriger Mattersburger, der kurz vor dem Lehrabschluss steht, hatte den geringsten Anteil an den Straftaten: Er lenkte in zwei Fällen das Fluchtauto.

Die erste Straftat hatten die beiden Erstangeklagten bereits im Sommer 2011 begangen. Der 18-Jährige stahl bei seinem Arbeitgeber Platin, sein Freund verkaufte dieses um insgesamt 6.400 Euro an einen Juwelier.

Im Dezember war das Geld schon wieder knapp, die beiden Freunde begannen, über einen Raubüberfall nachzudenken. Schließlich wählten sie die Raiffeisenbank in Theresienfeld aus. Vermummt betraten sie die Bank und riefen: „Hände hoch! Überfall! Geld her!“

28.000 Euro Beute beim  Überfall auf die Raika

Während der 20-Jährige den Filialleiter aufforderte, das Geld einzupacken, zwang sein jüngerer Kumpel die Bankangestellte und einen Kunden, sich auf den Boden zu legen. Die Beute betrug 28.000 Euro.

Damit kamen die Angeklagten nur bis Anfang März 2012 aus. Mit einer Softgun, die er sich zuvor besorgt hatte, betrat am 2. März 2012 der 18-Jährige eine Trafik in Wiener Neustadt und kassierte von der Angestellten 600 Euro. Nur vier Tage später kam es zum nächsten Raubüberfall.

Mit einer Softgun und einem Billa-Sackerl für die Beute in den Händen betrat der 20-Jährige den McDonalds beim Fischapark in Wiener Neustadt. „Als sie die Pistole sahen, schrien alle“, erinnerte sich der Angeklagte.

Im Büro bedrohte er eine Angestellte. Sie musste 15.000 Euro aus dem Tresor entnehmen. Die Softguns warfen sie einige Tage später in die Donau, dafür kauften sie sich je eine Gaspistole. Am 22. März 2012 überredeten sie ihren Freund, sie zu einem Überfall beim McDonalds in Brunn/Gebirge zu bringen.

Gegen ein Uhr nachts drängte der 20-Jährige den McDonalds-Angestellten ins Büro und zwang ihn, die Tresore zu öffnen. Als der Mann den zweiten Tresor nicht gleich aufschloss, drohte der Räuber: „Aufmachen! Sonst schieße ich!“ Dabei lud er die Gaspistole durch und hielt ihm die Waffe an den Kopf.

„Ein Raub ist kein  Lercherl...“

„Ein Raub ist aus der Sicht des Opfers kein Lercherl“, hatte Verteidiger Farid Rifaat schon zu Beginn des Prozesses festgestellt. Der McDonalds-Mitarbeiter leidet noch heute unter Schlafstörungen und Angstzuständen. Beim letzten Raubüberfall erbeuteten die jungen Leute 6.000 Euro. Kurze Zeit später wurden sie verhaftet.

Vor Gericht gaben sich die Angeklagten geständig und schuldeinsichtig. Der 20-Jährige wurde wegen schweren Raubes zu vier Jahren Haft, der 18-Jährige zu drei Jahren Haft und der „Chauffeur“ als Mittäter zu 18 Monaten Haft, davon sechs Monate unbedingt verurteilt. Alle drei nahmen das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab - das Urteil ist nicht rechtskräftig.