Erstellt am 26. Januar 2011, 00:00

Baumrodungen sorgen für Unmut in Pöttelsdorf. AUFREGER / Entlang der Wulka werden zurzeit Bäume gerodet. Diese Aktion dient der Sicherheit und dem Hochwasserschutz.

ÖVP-Bürgermeister Rainer Schuber: »Lieber Rodungen, als es fällt jemandem ein Baum auf den Kopf.«  |  NOEN
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VON MARTIN PLATTENSTEINER

PÖTTELSDORF / Einige Anrainer trauten ihren Augen nicht, als Mitarbeiter der Fernwärme Sieggraben in der Vorwoche mit den Schlägerungen entlang der Wulka starteten.

Hinter diesen Arbeiten stecken notwendige Maßnahmen. Davon ist auf jeden Fall ÖVP-Ortschef Rainer Schuber überzeugt. In Zusammenarbeit mit Peter Kollmann vom Wasserbauamt der Landesregierung wurden zunächst alle Bäume, die eine Gefährdung bedeuten, gekennzeichnet. „Mir ist lieber, dass die Bäume gefällt werden, als dass sie jemandem auf den Kopf fallen,“ so Schuber weiter. Laut Kollmann sind zahlreiche der rund 40 Jahre alten Akazien, Weiden und Erlen innen hohl. Hauptsächlich stellen sie aber bei Hochwässern eine Gefahr dar, da es rasch zu Verklausungen im Bachbett kommen kann. „Die Rodungen waren schon sehr dringlich“, erläutert Kollmann. „Diesbezüglich gibt es immer Pro- und Kontrameinungen“, nimmt der Fachmann die Meldungen empörter Umweltschützer gelassen auf. „Es gibt auch zahlreiche Leute, die uns gratulieren.“

Der Grund und Boden, welchen die Wulka durchfließt, gehört der Republik Österreich. „Hier handelt es sich um öffentliches Wassergut“, erläutert Peter Kollmann. In Pöttelsdorf handle es sich um einen - im Fachjargon so bezeichneten „alten Bachbegleitbewuchs“. In Trausdorf und in Wulkaprodersdorf seien in den vergangenen Jahren ähnliche Rodungen vorgenommen worden. Laut Kollmann solle die „Begleitgewässervegetation“ verjüngt werden. „Natürlich werden auch wieder Bäume nachgepflanzt.“

Rodungsprojekt kostet in  Summe 30.000 Euro

Bürgermeister Schuber selber geht davon aus, dass „in den letzten 40, 50 Jahren“ entlang der Wulka keine derartigen Maßnahmen getroffen wurden, die vor Hochwasser schützen können. „Weiden und Akazien treiben wieder aus und wachsen nach.“ Rund 30.000 Euro kostet das Projekt, welches zu je einem Drittel von Bund, Land und Gemeinde finanziert wird. Den Auftrag für die Arbeiten vergab die Gemeinde an die Sieggrabener Fernwärme. Dort wird aus den Hackschnitzeln Energie erzeugt.

„Es ist nur unfassbar, dass hier mit so einer Brutalität vorgegangen wurde,“ ärgert sich hingegen die Grün-Politikerin Sonja Sieber. „Nichts ist dagegen einzuwenden, wenn alte, kranke Bäume, die in den Bach fallen könnten, entfernt werden, aber – warum wird bei diesen Bach-Säuberungsaktionen beinahe der gesamte Pflanzenbestand entfernt?“

Ihre Kritik trifft auch die mit den Rodungsarbeiten beauftragte Firma. „Die sind nicht von Fach“, so Sieber weiter. „So wie hier geschlägert wurde, wächst sicher kein Baum mehr nach - höchstens ein hässlicher Busch.“

Sieber versucht, die Meinung verärgerter Anrainer, die sich bei der Grünen Bezirkssprecherin meldeten, auf einen Nenner zu bringen: „Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld.“ Sieber fordert in Zukunft „Gewässermanager“, die sowohl bei der Rodung als auch bei der Restaurierung vor Ort sind.