Erstellt am 30. Oktober 2013, 07:46

Bettler als Räuber. Brutal / Auf ihrer Betteltour sollen ein Mann und eine Frau aus Rumänien in Zemendorf eine betagte Frau beraubt haben.

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Von Elisabeth Kirchmeir

Brutal / Als rumänische Hochwasseropfer gab sich eine Gruppe von Bettlern aus, die immer wieder durch die Ortschaften zog. Das Zertifikat, mit dem sie sich auswiesen, war jedoch gefälscht.

Zwei Mitglieder der Bettlergruppe, eine 23-jährige Mutter von zwei Kindern und ihr Schwager, ein 26-jähriger Gelegenheitsarbeiter, standen gemeinsam mit dem Lenker des Fluchtautos, einem 50-jährigen rumänischen Juristen, vorige Woche vor Gericht.

Gewalttätig: 86-Jährige bestohlen

Sie sollen sich nicht mit dem Erbetteln von Almosen begnügt haben, sondern am 7. Juli 2013 einer 86-jährigen Frau in Zemendorf unter Anwendung von Gewalt 230 Euro gestohlen haben.

Die Hauptangeklagte hatte, teilweise begleitet von einem Kind, vor allem an die Türen älterer Menschen geklopft und um Trinkwasser oder Essen gebeten. Immer wieder erhielten sie und andere Mitglieder der rumänischen Bettlergruppe Wasser, Lebensmittel oder kleinere Geldbeträge.

Auch die betagte Frau in Zemendorf soll bereits 2012 von den Bettlern aufgesucht worden sei. Sie ließ damals die Hauptangeklagte in ihr Haus und entnahm einem Geldversteck fünf Euro, um ihr das Geld zu übergeben.

Mit Kind unterwegs - alte Frau bestohlen

Einige Wochen später soll die Rumänin - diesmal in Begleitung eines Kindes und eines Mannes - wieder aufgetaucht sein. Diesmal soll es ihr gelungen sein, die Hausbewohnerin abzulenken und 200 Euro aus dem Geldversteck zu nehmen.

Am 7. Juli 2013 besuchte sie mit dem Gelegenheitsarbeiter neuerlich Zemendorf. „Wir kamen nach Österreich, weil wir nichts mehr zu essen hatten“, sagte der Mann.

Bettlerin drückte Gartentor auf

Die Bettlerin klopfte bei der 86-jährigen Frau an, diese glaubte zunächst, ihr Urenkerl stehe vor der Tür. Als sie die Bettlerin sah, versuchte sie das Tor wieder zuzudrücken. Doch der Bettlerin gelang es, das Tor aufzuschieben, ihr Komplize soll über einen Lattenzaun geklettert sein.

Beide folgten der Frau ins Haus. „Ich sah, dass unter einer Plastikdecke ein Zehn-Euro-Schein hervorschaute. Ich habe das Geld genommen. Wir sind dann einfach gegangen“, gab der Gelegenheitsarbeiter vor Gericht an.

Anders schilderte die betagte Frau den Vorfall. Sie habe bemerkt, dass sich der Bettler dem Geldversteck näherte, wollte dazwischentreten und sei dabei weggestoßen worden.

Täter schnappten 230 Euro und rasten davon 

Danach sollen die Bettler mit ihrer Beute - 230 Euro - die Flucht ergriffen haben. Der Jurist, der am Steuer des Autos wartete, soll mit quietschenden Reifen davongefahren sein, während das Opfer vor die Türe eilte und „Hilfe! Polizei!“ rief.

Der Prozess gegen die weiterhin in U-Haft befindlichen Bettler wurde vertagt. Der Jurist, der von dem Raub nichts mitbekommen haben will, wurde wegen Begünstigung und Hehlerei zu einer siebenmonatigen Haftstrafe verurteilt, davon zwei Monate unbedingt, und nach dem Prozess enthaftet.