Erstellt am 09. Februar 2011, 00:00

Das Ende für das Bahnhofsrestaurant?. REPORTAGE / In Mattersburg (ohne Ortsteil Walbersdorf) gibt es fünf Gasthäuser. Ob das Bahnhofsrestaurant weiter bestehen bleibt, wird sich kommenden März weisen.

Gibt es am Mattersburger Bahnhof bald kein Gulasch mehr? Ob die „Bahnhofsgastwirtschaft Familie Gerdenitsch“ weiter macht, ist noch offen.fBILDERBOX  |  NOEN
x  |  NOEN

VON RICHARD VOGLER

MATTERSBURG /  In der Bezirkshauptstadt - ohne Ortsteil Walbersdorf - gibt es fünf Wirtshäuser: Den Florianihof, die Martini-Schenke, das Badrestaurant „Moni`s Salettl“, die „Bahnhofsgastwirtschaft Familie Gerdenitsch“ und das Gasthaus Senft im Kulturzentrum. Vier werden den Betrieb weiterführen, ob das Bahnhofsrestaurant weiter offen hat, wird die Zukunft weisen.

Der Mattersburger Florianihof wurde vor mehr als einem Jahrhundert als Gemeindegasthof gegründet. 1957 erwarben Florian und Theresia Morawitz die Gaststätte und ließen sie vollständig abreißen und neu aufbauen. Josefine „Pepi“ Hödl, die Tochter des Hauses, übernahm 1976 gemeinsam mit Gatten Johann Hödl den Betrieb.

25 Mitarbeiter  beim Florianihof

Seit 1998 führt Alfred Bandat als Geschäftsführer die Geschicke des Florianihofs. „Es war mir 1998 ein großes Anliegen, dass alle Mitarbeiter weitermachen. Sie haben den Florianihof immer getragen.“ Das Urgestein schlechthin ist Gitti Gludovatz, die beim Florianihof seit 1974 beschäftigt ist. Die Florianihof-Crew zählt aktuell 25 Mann, diverse Vereine trifft man wöchentlich oder monatlich im Gasthaus an. Der Schachverein jeden Freitag, die „Oidn Biffü“ jeden zweiten Freitag im Monat und die Wild Line Dancers kommen in regelmäßigen Abständen. Das Mittagsbuffet hat sich mittlerweile etabliert. „Wir haben es vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Im Schnitt haben wir von Montag bis Samstag rund hundert Personen“, so Bandat.

Ob es das klassische Wirtshausgeschehen noch gibt? „Es ist ein allgemeiner Trend, den es nicht nur in Mattersburg gibt. Unsere Wirtshauskultur stirbt schön langsam aus“, hält Bandat fest. „Die Schnapserrunden und das klassische ‚Budlstehen‘ gibt es immer weniger. Dass es quasi zum guten Ton gehört, dass man nach der Kirche ins Wirtshaus geht, ist schon lange nicht mehr der Fall.“ Eine Partie stemmt sich diesem Trend jedoch entgegen. „Montag für Montag trifft sich eine Stammrunde“, so Bandat. Die Gründe für das Aussterben der Wirtshauskultur? „Die Älteren gehen nicht mehr so fort wie früher und die Jungen gehen nicht mehr ins Gasthaus. Die Zeit ist schnelllebiger geworden, das Fast Food boomt.“

Martini-Schenke wurde  1981 als Heuriger eröffnet

Die Martini-Schenke war ursprünglich ein altes Marhofhaus, beim Kauf durch Norbert Zach war das Gebäude 120 Jahre alt. Die „Schenke“, wie sie in Mattersburg genannt wird, wurde 1981 von Norbert Zach als Chef und Stefan Zach als Geschäftsführer als Heuriger eröffnet. Drei Jahre später wurde das Angebot erweitert. Es kamen warme Speisen hinzu und Flaschenbier wurde angeboten. Seit 1987 ist das Chef-Duo Stefan und Helga Zach, 1990 startete man mit dem Angebot an ausgesuchten Weinen. „Wir waren in Sachen Weinkultur Vorreiter. In weiterer Folge wurden auch Weinseminare angeboten“, erzählt Chef Stefan Zach.

Der ehemalige Innenhof wurde 1996 zu jenem Raum, den nun ein Glasdach bedeckt, umgebaut und eine Vinothek kam hinzu. In der Martini-Schenke gibt es zahlreiche Ausstellungen. und die „Kultur-Schenke“ ist auf zwei Jahre ausgebucht. Alle zwei Monate gibt es neue Werke zu bewundern, Im Juli und August gibt es eine Sommerpause.

Seit rund sechs Jahren gibt es die „Musikanten im Wirtshaus“, wenn Blasmusik aufgespielt wird. „Es kamen immer weniger Pensionisten am Sonntagnachmittag. Gerhard Jagschitz hat die Aktion in die Wege geleitet.“ Dass die Schenke zusperren wird, ist nicht richtig. „Wir machen natürlich weiter. Diese Gerüchte gibt es immer wieder.“ Eine Änderung gibt es seit dem heurigen Jahr dennoch - im Bereich der Öffnungszeiten. Montag, Mittwoch und Donnerstag ist zwischen 15 und 17.30 Uhr geschlossen (geöffnet ab elf Uhr, Schluss ist um 24 Uhr). Dienstag ist Ruhetag, Freitag und Samstag ist von elf bis 24 Uhr und Sonntag von 9 bis 22 Uhr offen. „Es rendiert sich einfach nicht, in diesem Zeitraum geöffnet zu haben. Will ein Gast jedoch länger bleiben, wird natürlich nicht gleich Punkt 15 Uhr zugesperrt. Wenn sich Runden für diesen Zeitraum anmelden, sperren wir selbstverständlich auch auf“, hält Stefan Zach fest.

Auch in der Martini-Schenke hat die geänderte Wirtshauskultur Einzug genommen. „Das Wirtshauspublikum stirbt aus. Die Jugend glüht zu Hause vor. Früher sind die Arbeiter nach dem Job im Wirtshaus auf ein paar Runden gegangen. Das gibt es nicht mehr. Früher hat es drei bis vier Schnapserpartien, die sich regelmäßig getroffen haben, gegeben. Das ist nicht mehr der Fall. Zum Teil wird präferanzt oder ‚gezensalt‘“, merkt Stefan Zach an. In die Schenke kommen viele Vereine wie die Union Kicker am Montag, die Skifahrer, die zuvor ihr Trockentraining absolvieren, die Jagdhornbläser, die Damenturnvereine oder die Kneipp-Damen. Ein Verein hält an einer alten Tradition fest: Der Mattersburger Basketballverein „Rocks“. „Was früher bei vielen Runden noch der Fall war, machen nur mehr die Rocks - das Stiefeltrinken. Wir mussten für sie einen zweiten Stiefel organisieren. Das war sehr schwierig, ich habe den Stiefel nur übers Internet bekommen“, lacht Stefan Zach.

Altbürgermeister Edi Sieber  initiierte das Badrestaurant

Das Mattersburger Badrestaurant gibt es seit den späten 80er-Jahren. „Der damalige Bürgermeister, Edi Sieber ist an mich herangetreten und hat angefragt, ob ich nicht die Kantine für den Eislaufplatz und das Restaurant übernehmen will“, erzählt Christa Lehner. Gesagt, getan und am 1. November 1987 - mit der Eröffnung des neuen Eislaufplatzes in Mattersburg - wurde die dazugehörige Kantine von Lehner betrieben. Das Badrestaurant steckte noch mitten im Bau, eröffnet wurde es am 20. April 1988. „Es war eine schöne Zeit, 1999 bin ich dann in Pension gegangen“, berichtet Lehner. Von 1999 bis 2004 führte der mittlerweile verstorbene Robert Lederer den Betrieb, sein Nachfolger „Sini“ Nikolic war bis 2009 Badrestaurant-Chef.

Ein Umbau mit Neugestaltung vom Besitzer, der Stadtgmeinde folgte, seit eineinhalb Jahren führt Monika Harrer das „Moni‘s Salettl“. Dass der Umsatz im Sommer aufgrund der Badesaison höher ist, liegt in der Natur der Sache. Dennoch: „Ich kann nicht klagen, das Geschäft läuft gut“, berichtet Harrer. Die Chefin kocht selber und hat zwei Beschäftigte.

Gasthaus Senft nur ein  „Veranstaltungsgasthaus“

Das Bahnhofsrestaurant wird von „Motz“ und Maria Gerdenitsch bereits lange Jahre geführt und es verdichten sich in letzter Zeit die Gerüchte, dass das Lokal den Betrieb einstellt. „Es ist uns lieber, wenn über unser Restaurant nichts geschrieben wird“, so „Motz“ Gerdenitsch. Ob das Restaurant weiter bestehen bleibt, ist noch offen: „Ob wir weitermachen, wissen wir nicht. Es wird sich im März entscheiden, ob wir den Betrieb weiterführen“, hält „Motz“ Gedenitsch fest.

Das fünfte Restaurant ist das Gasthaus Senft, geführt von Bruno und Anita Senft, im Kulturzentrum. „Wir sind kein klassisches Wirtshaus, eigentlich ein Veranstaltungsgasthaus“, so Bruno Senft. Was auch stimmt - das Lokal ist an den Wochenenden nur für Veranstaltungen oder diverse Geburtstagsfeiernoder Hochzeiten geöffnet.