Erstellt am 05. September 2012, 00:00

Dreister Grabräuber im Sigleßer Kloaschitzwald. PIETÄTLOS / Ausgrabungsstätte wurde geplündert, ein Schädelfund zertrümmert sowie Perlen und ein Ohrring entwendet.

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VON MARTIN PLATTENSTEINER

SIGLESS / Die Archäologin Dorothea Talaa ist heuer bereits zum sechsten Mal im Kloaschitzwald am Graben. Bis heute hat sie mit ihrem Team rund 80 Gräber aus der Zeit der Awaren (800 bis 840 nach Christus) freigelegt. Ihre Arbeit sowie ihre Funde dürfen sich nun auch bei einigen „schwarzen Schafen“ der Branche herumgesprochen haben, die sich auf das Entwenden von archäologischen Funden spezialisiert haben.

Verdächtiger Motorradfahrer  machte wieder kehrt

Am Freitagvormittag stellte Talaa beim Eintreffen ihres Trupps im Wald fest, dass eines der Gräber verunstaltet worden war. „Es fehlen Perlen einer Kette sowie ein Silberring mit einer Kreuzdarstellung“, erklärt die Archäologin.

Sie geht davon aus, dass ein Grabräuber mit Fachkenntnissen am Werk gewesen sein muss. „Ein Laie findet diese Schmuckstücke nicht.“

Im Zug seines Beutezugs hat der Grabräuber auch den Schädel eines Skeletts zerstört. „Da ist jemand einfach darauf gestiegen“, so Talaa empört. Talaa und ihr Mann Ingomar legten sich tags darauf ab den frühen Morgenstunden auf die Lauer. „Tatsächlich kam ein Motorrad - es hatte ein EU-Kennzeichen - in Richtung Wald gefahren“, erzählt die Archäologin. „Als der Fahrer unseren PKW sah, drehte er aber rasch wieder um.“

Natürlich wurde das örtliche Gemeindeamt von diesem Vorfall informiert. Seither patroulliert die Polizei verstärkt um die Ausgrabungsstätten.

Bei den heurigen Grabungen - sie dauern seit Mitte Juli an - wurden bisher 14 Gräber freigelegt. Talaa geht davon aus, dass im Kloaschitzwald (damals gab es ebendort aber noch keine Bewaldung) der aristokratische Adel der Awaren, einem Reitervolk, bestattet worden war.

Interessant wird vor allem die Auswertung der Funde und Interpretation der Daten. „Was damals wirklich geschah, ist wichtig um die Kultur des heutigen Europas besser zu verstehen“, ist sich Talaa sicher, dass die Funde in Sigleß von „großer geschichtlicher Bedeutung“ sind.

Gemeinde verdoppelte den  Grabungsaufwand

Seit heuer zahlt die Gemeinde jährlich 20.000 Euro für die Arbeit des Archäologenteams. Von 2007 bis 2011 waren es pro Jahr 10.000 Euro. „Frau Talaa benötigt mehr Personal, um perfekt arbeiten zu können“, erklärt SP-Vize Joesi Kutrovatz.

Die Gemeinde stattet diesbezüglich einige Saisonarbeiter, die Talaa bei den Grabungen benötigt, mit befristeten Verträgen aus, die in den Sommermonaten im Kloaschitzwald mit Schaufel und Sieb im Einsatz sind.

Bei einem der Skelette wurden Grabbeigaben wie lilafarbene Ametistperlen gefunden. Im Kloaschitzwald wurde der awarische Adel bestattet.

PLATTINI