Erstellt am 04. März 2016, 11:23

von APA Red

Entführung aus Kinderdorf: Sechs Monate Haft!. Fast zwei Monate lang soll ein 57-jähriger Burgenländer seinen Sohn und dessen Freund, nachdem er die beiden aus dem Kinderdorf abgeholt hatte, bei sich versteckt haben. Am Freitag musste er sich deshalb u.a. wegen Kindesentführung vor Gericht verantworten.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at
Der Mann erschien allerdings nicht. Er wurde in Abwesenheit zu 18 Monaten Freiheitsstrafe - sechs Monate davon unbedingt -verurteilt.

Vor Gericht kam heraus: Kinder waren verwahrlost

Im September 2015 bat die Polizei via Medien um Mithilfe, da zwei Burschen im Alter von zwölf und 14 Jahren aus dem Kinderdorf in Pöttsching (Bezirk Mattersburg) verschwunden waren. Etwa zwei Monate später kehrten sie "wohlbehalten", wie es damals hieß, wieder zurück. Zum Verbleib wurden keine Angaben gemacht.

Nun stellte sich vor Gericht heraus, dass die Kinder keineswegs wohlbehalten, sondern verwahrlost waren. Vorangegangen war die Scheidung des 57-Jährigen, die bis zum heutigen Tag nicht rechtskräftig ist.

Der 14-jährige Sohn des Angeklagten wollte mit einem Freund aus dem Kinderdorf ausreißen und rief seinen Vater an. Der meinte zwar zunächst, dass es für ihn "blöd ausgehen" könnte, wenn er sie abholen würde, stieg jedoch ins Auto und holte die Burschen.

Nach einer Nacht bei der Oma, brachte er sie zu sich ins Haus im Bezirk Oberpullendorf, wo die Buben die ganze Zeit über täglich die gleiche Kleidung trugen, die laut dem 14-Jährigen nie gewaschen wurde. Die Kinder vertrieben sich mit Fernschauen und Computerspielen die Zeit.

Zwölfjähriger musste ins Spital und gebadet werden

"Es war meine Idee, dass wir abgehauen sind", meinte der Sohn des Angeklagten. Der Papa habe ihm gesagt, wenn er wolle, dass er nach Hause (zum Vater, Anm.) komme, "soll ich länger versteckt bleiben". Außerdem habe er ihm gesagt, "dass ich der Mama schreiben soll, dass ich erst dann zurückkomme, wenn sie sich nicht scheiden lässt".

Weiters soll der 57-Jährige dem Buben gesagt haben, er solle seiner Mutter schreiben, "dass sie dich sofort rausholen soll, sonst bringst du dich um", trug Richter Wolfgang Rauter vor.

Trotz mehrmaliger Kontrollen der Polizei wurden die Burschen erst Mitte November "durch reinen Zufall" aufgegriffen. Wenn die Beamten vor der Tür standen, "haben wir uns versteckt oder uns ruhig verhalten", schilderten die beiden Ausreißer.

Der Zustand des Zwölfjährigen sei so schlimm gewesen, dass er danach ins Spital musste. "Dort wurde er zunächst einmal gebadet. Das Auto hat noch Tage wegen der ungewaschenen Kleidung, die er trug, gestunken", berichtete die Kinderdorf-Leiterin.

Laut Staatsanwältin wollte der Vater nur Druck ausüben, damit es nicht zur Scheidung komme. Richter Rauter sprach in seiner Urteilsbegründung von einem "besonders krassen Ausmaß" an vernachlässigter Obsorge. "So handelt ein liebevoller Vater, der aus Sorge die Kinder mitnimmt, nicht."

Dem 57-Jährigen sei aus seiner Sicht, das Schicksal seiner Kinder "relativ wurscht". Die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel, dem Angeklagten wird das nicht rechtskräftige Urteil schriftlich zugestellt.

BVZ.at hatte über den Fall berichtet: