Erstellt am 04. Mai 2016, 12:38

von Judith Jandrinitsch und Helga Ostermayer

Erdbeeren kaputt: „Bauern sollen sich rasch melden“. Jahrhundertfrost der vorigen Woche zerstörte 95 Prozent der Erdbeerkulturen und schädigte auch Obst- und Weinbau.

Der bräunliche Farbton der Kirschen verrät: auch sie sind von der andauernden Kälte geschädigt.  |  NOEN, zvg

Hannelore Habeler vom Sonnenhof Habeler zieht traurige Bilanz: „95 Prozent unserer Erdbeerpflanzen sind zerstört. Überlebt haben nur Pflanzen im Folientunnel, und das haben wir heuer erstmalig ausprobiert.“ Im Februar war die Freude in der Familie noch groß gewesen, als ihr Betrieb zum Burgenländischen Landessieger gekürt worden war. Jetzt hat die Natur grausam zurückgeschlagen, die Arbeit eines ganzen Jahres ist auf jeden Fall zerstört.

Hannelore Habeler bringt das Dilemma auf den Punkt: „Das Telefon klingelt pausenlos. Viele Kunden rufen an und wollen wissen, wann es die ersten Erdbeeren zu kaufen gibt. Doch was sollen wir verkaufen, wenn es nichts zu ernten gibt?“

„Kaputt ist ein milder Ausdruck“

Auch bei den Obstkulturen schaut es nicht viel besser aus. Obstbaumeister Josef Koch, der seine Bauern auch im Vorstand des burgenländischen Obstbauverbandes vertritt, drückt es mit den Worten des Lieben Augustins aus: „Alles ist hin“. Und: „Kaputt ist ein milder Ausdruck. Die ersten Tage haben die Früchte noch ausgehalten. Doch es war einfach viel zu lange viel zu kalt. Und Steinobstfrüchte sind überhaupt heikel“, macht Koch seiner niedergeschlagenen Stimmung Luft. „Wir müssen schauen und abwarten“. Teilweise haben die Marillen und Kirschen schon Früchte angesetzt, „die hat es richtig zusammengezogen“, berichtet der Profi.

Die Wetterkapriolen der letzten Jahre machen den Obst-, Gemüse-, und Weinbauern zunehmend das Leben schwer. „Der Februar und der März waren viel zu warm. Was wir jetzt erlebt haben, war eigentlich ein richtiger Wintereinbruch“, ist Koch überzeugt. Für seine betroffenen Produzenten hofft er auf entsprechende Entschädigungen aus dem Katastrophenfond, zumal es für Frostschäden – im Gegensatz zu Hagelschäden – keine Versicherung gibt. „Ich habe mit vielen meiner Kollegen gesprochen. Die Bauern sind emotional geladen. Viele sind verzweifelt, weil der Frost heuer so extrem war“, erzählt der rührige Obstbaumeister, der das selbe Problem hat wie alle Produzenten: „Wir erzeugen selber Apfelsaft und Marillenbrand - wo nehmen wir die Früchte her, um zu produzieren?“

Der Forchtensteiner Thomas Hofleitner verkauft seine Kirschen auf dem Wiener Yppenmarkt. Ob es heuer so weit kommen wird, weiß er nicht. „Die Blütenknospen sind abgefroren. Da ist nichts mehr zu retten.“ Ob er Wünsche an die Politik habe? Hofleitner lacht. „Wenn uns der Handel höhere, faire Preise zahlen würde, könnten wir solche Jahre auch überstehen.“

Mit hohen Verlusten ist zu rechnen

So wie bei den Erdbeer- und den Obstbauern haben auch die Weinbauern mit hohen Verlusten zu rechnen. Hannes Steiger, vom gleichnamigen Neudörfler Weingut, das 12 Hektar Rebflächen bewirtschaftet, weiß: „Die Lagen in Neudörfl, Pöttsching und Pöttelsdorf sind sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Zum Teil muss hier mit 100-prozentigem Ausfall gerechnet werden.“ Er hofft auf viel Sonne, dann könnten die Trauben, wenn die Rebe nicht zu sehr beschädigt ist, wieder nachwachsen.

„Die Burgenländische Landwirtschaftskammer ist mit der Erhebung der frostgeschädigten Gemüsebauflächen beauftragt. Die geschädigten Gemüsebauern werden daher noch vor Umbruch und Neuauspflanzung der Flächen ersucht, sich umgehend im Landwirtschaftlichen Bezirksreferat zu melden, damit eine genaue Schadensfeststellung vor Ort raschest erfolgen kann.“ Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, Matthias Leitgeb.


UPDATE: Frostschadenserhebung im Erdbeeranbau

Die Landwirtschaftskammer wurde laut einer Aussendung vom Mittwoch mit der Erhebung der frostgeschädigten Erdbeerflächen beauftragt.

Sie ersucht die geschädigten Erdbeerbauern daher noch vor einem eventuellen Umbruch der Flächen, sich sofort im zuständigen Landwirtschaftlichen Bezirksreferat zu melden, damit eine genaue Schadensfeststellung vor Ort rasch erfolgen kann.
 
Im Gegensatz zu anderen geschädigten Obstkulturen sei im Erdbeeranbau eine unmittelbare Schadensfeststellung notwendig.
 
Die Vorgangsweise bei anderen Obstkulturen, aber auch die eventuelle Entschädigung und mögliche Antragstellung, werde laut Aussendung erst nach den notwendigen politischen Verhandlungen sowie Zusagen und den daraus resultierenden Richtlinien möglich sein. Die Kammer wird die Landwirte danach entsprechend informieren.
 


MEINUNGEN ZUM THEMA

„Der gesamte Weinbau im Land, das sind 13.000 Hektar, ist von den Frostschäden betroffen. Es gibt im Weinbau eine Hagel-Frost-Kombiversicherung, bei der rund ein Drittel versichert ist.“ Christian Zechmeister, Weinbau Burgenland

„70 Prozent der Obstkulturen sowie einiger Spezialkulturen (Grünspargel, Zuckermais, Fisolen, Paprika, Frühkartoffel) sind geschädigt.“ Wolf Reheis, Leiter Pflanzenbau an der Landwirtschaftskammer

„Die Burgenländische Landwirtschaftskammer ist mit der Erhebung der frostgeschädigten Gemüsebauflächen beauftragt. Die geschädigten Gemüsebauern werden daher noch vor Umbruch und Neuauspflanzung der Flächen ersucht, sich umgehend im Landwirtschaftlichen Bezirksreferat zu melden, damit eine genaue Schadensfeststellung vor Ort raschest erfolgen kann.“ Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, Matthias Leitgeb

„Der gesamte Weinbau im Land, das sind 13.000 Hektar, ist von den Frostschäden betroffen. Es gibt im Weinbau eine Hagel-Frost-Kombiversicherung, bei der rund ein Drittel versichert ist.“ Christian Zechmeister, Weinbau Burgenland

„70 Prozent der Obstkulturen sowie einiger Spezialkulturen (Grünspargel, Zuckermais, Fisolen, Paprika, Frühkartoffel) sind geschädigt.“ Wolf Reheis, Leiter Pflanzenbau an der Landwirtschaftskammer