Erstellt am 02. September 2015, 08:53

von Michael Kremser

Pöttsching will helfen. Gemeinde Pöttsching möchte die ehemalige Polizeistation adaptieren – in Wiesen zeigen sich laut Pfarre Privatpersonen bereit, Flüchtlinge aufzunehmen.

Pöttschings Bürgermeister hat um eine Unterbringung in der ehemaligen örtlichen Polizeiinspektion angesucht.  |  NOEN, Kremser

Vielerorts wird diskutiert, ob – und vor allem in welchem Ausmaß – Asylwerber in der Gemeinde aufgenommen werden können.

Gelbmann: "Noch keine Reaktion vom Ministerium"

Aus dem gleichen Horn tönt es auch in der Nachbargemeinde Pöttsching. „Es haben bereits einige Privatpersonen ihre Hilfe zugesichert“, so Bürgermeister Herbert Gelbmann. Die Gemeinde selbst möchte aber auch eigenes Engagement zeigen. „Wir haben ein Schreiben an das zuständige Landesreferat gerichtet, in dem wir unsere Unterstützung bei der Aufnahme von Asylwerbern bekunden“, berichtet Gelbmann.

Als Unterkunftsstätte habe er die ehemalige Polizeiinspektion vorgeschlagen. Diese wurde erst 2007 fertiggestellt und im Zuge der bundesweiten Schließungen beziehungsweise Zusammenlegungen der Exekutivstationen im Vorjahr aufgelassen und steht seitdem leer – gepachtet wurde das Gebäude vom Innenministerium allerdings bis 2017.

„Wir haben unser Anliegen, Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, bereits vor über drei Wochen dargebracht, aber bislang keine nennenswerte Reaktion vom Ministerium erhalten“, ärgert sich Gelbmann über den Bürokratiedschungel.

Knapp 150 m2 stehen für Familie bereit

„Die Inspektion bietet eine Nutzfläche von knapp 150 m2, da könnten wir mehr als nur eine Familie unterbringen, und auch die sanitären Gegebenheiten wären in dem Gebäude durchaus geschaffen, ohne dass man großartige Adaptierungsarbeiten vornehmen müsse und Miete wird ohnehin bis 2017 für die leerstehenden Räumlichkeiten vom Bund bezahlt“, führt der Bürgermeister weiter aus. Vom Ministerium selbst kam bis Redaktionsschluss am Dienstagvormittag keine Stellungnahme.

Die Flüchtlingssituation aktuell ist ein Thema, das polarisiert und vor einigen Wochen bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Marktgemeinde Wiesen auch verbal eskalierte, wodurch die Gemeinde medial nicht sehr sozial wegkam. Ein Punkt, der Bürgermeister Matthias Weghofer schon damals sauer aufstoßen ließ, denn so sieht es in der lauschigen Erdbeergemeinde, die vor allem für die „Wiesener Ananas“ und die Festivals in der „Ottakringer-Arena“, bekannt ist, gar nicht aus, wie ein Lokalaugenschein zeigte.

Weghofer selbst betonte immer wieder, „dass die Gemeinde gerne bereit ist, einzelne, asylwerbende Familien aufzunehmen und unterzubringen“. Ein Vorhaben, dass sich allerdings als nicht ganz einfach herausstellt, wie Josef Pogatsch, Mitarbeiter der Pfarre erzählt: „Wir haben bei uns im Pfarrheim nicht die Möglichkeit, jemanden unterzubringen, da die mögliche Adaptierung der Räume, die finanziellen Gegebenheiten übersteigen würden“.

Die Bemühungen zu helfen, erliegen allerdings nicht vollkommen. „Viele Familien aus der Gemeinde sagten bereits ihre Unterstützung zu und meinten, dass sie bereit sind, einzelne Asylwerber in ihren Privathäusern unterzubringen“, so Pogatsch.