Erstellt am 10. Juli 2014, 06:01

von Elisabeth Kirchmeir

Freispruch für Gatten. Mann jener Raika-Mitarbeiterin, die 1,19 Millionen Euro veruntreut hat, wurde vom Vorwurf der Geldwäsche freigesprochen.

Der Mann jener Ex-Bankbeamtin, die sechs Jahre bekam, wurde vom Vorwurf der Geldwäsche freigesprochen.  |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Erst kürzlich hat das Oberlandesgericht Wien die Haftstrafe gegen jene Ex-Bankbeamtin, die bei einer Raiffeisenbank im Bezirk Mattersburg 1,19 Millionen Euro veruntreut hat, von 3,5 auf sechs Jahre hinaufgesetzt. Durch die mehr als 30 Jahre lang systematisch praktizierte Veruntreuung hatte sich die Frau ein Zusatzeinkommen von rund 2.800 Euro monatlich verschafft.

Verdächtig: Teure Autos trotz geringen Einkommens

Vorige Woche stand nun ihr 62-jähriger Ehegatte wegen des Vorwurfs der Geldwäsche vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, von den Malversationen seiner Frau gewusst und davon profitiert zu haben.

Auffällig war, dass sich der gelernte Tischler mit seinem bescheidenen Einkommen auffällige und teure Autos leisten konnte - darunter ein VW Touareg im Wert von 58.000 Euro und ein Phaeton um 64.000 Euro. Der Angeklagte hatte ausgesagt, er habe sich durch Pfuschertätigkeiten ein Nebeneinkommen von insgesamt 50.000 bis 60.000 Euro verschafft.

Diese Aussage hatte dem Mann übrigens eine Anzeige beim Finanzamt eingebracht, das ihn aufforderte, die Schwarzeinnahmen zu versteuern.

„Mein Mann wusste nichts von meinem Vergehen“ 

Befragt wurde vorige Woche auch die rechtskräftig verurteilte Gattin des Angeklagten. „Ich möchte bekräftigen, dass mein Mann nichts über mein Vergehen wusste“, sagte sie. Es sei ihr erst während der U-Haft bewusst geworden, was sie ihrer Familie „Schlimmes angetan“ habe. Zuvor habe sie die Straftaten verdrängt.

Die Finanzierung der Autos sei für ihren Mann immer plausibel gewesen, es seien z. B. für den Touareg Bausparverträge, Erspartes und ein Kredit verwendet worden. Über Finanzielles sei nie geredet worden, weil sie selbst diesbezüglich ein so schlechtes Gewissen gehabt habe.

Freispruch sei „kein Grund, in Jubel auszubrechen“

„Nehmen Sie nicht alle Schuld auf sich?“, fragte Richter Wolfgang Rauter die Frau. „Nein. Ich bereue es wirklich und stehe dazu. Ich würde es seelisch nicht verkraften, wenn er unschuldig verurteilt wird“, antwortete sie. Mit einem Teil des Geldes habe sie ihre Töchter und andere Familienmitglieder unterstützt. „Ich sagte ihnen, dass ich Provisionen oder Bonuszahlungen erhalten hätte“, erklärte die Ex-Bankbeamtin.

Ihr Ehegatte wurde schließlich im Zweifel vom Vorwurf der Geldwäsche freigesprochen. „Die Schwierigkeit war zu verifizieren, wann er die Wissentlichkeit gehabt hätte, dass es um Gelder ging, die nicht legal zustande gekommen waren“, erklärte der Richter. Dennoch sei der Freispruch „kein Grund, in Jubel auszubrechen“. Die Verdachtsmomente seien massiv gewesen, jedoch sei der Vorwurf schwer zu beweisen gewesen.

Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab - nicht rechtskräftig.