Erstellt am 18. November 2011, 13:10

Freisprüche nach Karussell-Unfall. Bei einem Unfall mit einem "Power Surge", einem ringelspielähnlichen Gerät, ist im Oktober des Vorjahres im Bezirk Mattersburg ein zwölfjähriges Mädchen schwer verletzt worden. Am Freitag standen der Bediener des Geräts, die Betreiberin und der laut Anklage "de facto-Geschäftsführer" in Eisenstadt vor Gericht.

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Die Anklage lautete auf fahrlässige schwere Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Richterin Birgit Falb sprach die Drei vom Vorwurf der Gefährdung der körperlichen Sicherheit frei. Die Angeklagten erklärten sich bereit, im Rahmen einer Diversion jeweils 400 Euro zu zahlen.

Das Unglück hatte sich am 3. Oktober 2010 beim Kirtag in Schattendorf (Bezirk Mattersburg) ereignet: Als das Mädchen in das Ringelspiel einstieg, setzte sich dieses plötzlich ungewollt in Bewegung. Die Zwölfjährige fiel aus etwa vier Metern Höhe zu Boden und erlitt unter anderen eine Unterarmfraktur und Rissquetschwunden.

In die Anlage waren 2005 nachträglich ein Joystick sowie ein Schalter eingebaut worden. Die Anklägerin argumentierte, dass damit Sicherheitsstandards nicht beachtet worden seien. Zudem sei der Umbau nicht von einer unabhängigen Prüfstelle geprüft und freigegeben worden.

Breiten Raum nahm im Prozess die Erörterung der technischen Details ein: Zwei Sachverständige für Maschinenbau und Elektrotechnik zeigten mehrere Varianten auf, wie es zu dem Zwischenfall gekommen sein könnte: Die Möglichkeiten reichten dabei von einem Bedienfehler über das versehentliche Einschalten des Geräts durch unabsichtliches Berühren des Joysticks bis zu einem Fehler in der Steuerung der Anlage.

Zeugen hatten ausgesagt, dass die Gondel, in die das Mädchen einsteigen wollte, mit einem Ruck rasch beschleunigte. Dies deute laut einem der Experten darauf hin, dass sich der Motor in Bewegung gesetzt habe. "Der Umbau wäre der Behörde zu melden gewesen", so Falb. Zudem hätten übergeordnete Sicherheitseinrichtungen gefehlt, um einen etwaigen Fehler der Steuerung auszugleichen.

Sie sei aufgrund der Beweisaufnahme der Meinung, dass keine besonders gefährlichen Verhältnisse vorlägen, stellte die Richterin fest und sprach die Angeklagten deshalb auch vom Vorwurf der Gefährdung der körperlichen Sicherheit frei. Für den verbleibenden Anklagepunkt, die fahrlässige schwere Körperverletzung, nahmen die Angeklagten das Angebot zur Diversion an. Das Verfahren wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Wird die Geldbuße bezahlt, wird es eingestellt.

Die Angeklagten erklärten sich im Gegenzug bereit, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. "Es tut ihnen wirklich leid, es ist ja wer verletzt worden", sagte ihr Verteidiger.