Erstellt am 11. Mai 2016, 05:14

von Melanie Windbüchler, Peter Wagentristl und Helga Ostermayer

Frostschäden: "Es ist ein Trauerspiel". Das Ausmaß der Frostschäden kommt langsam ans Licht: Die Weinbauern rechnen mit bis zu 90 Prozent Ernteausfällen.

Kampfansage. Einige Weinbauern im Bezirk versuchten mit der altbewährten Methode, dem Anzünden von Stroh, die Reben vor Frost zu schützen. Foto: Johnny Saunderson  |  NOEN, Johnny Saunderson

"Die Weinreben hat es schlimmer erwischt, als erwartet" ziehen viele Winzer aus dem Bezirk traurige Bilanz. Der Frost habe, neben dem Kern- und Steinobst, auch die Weintrauben – zugehörig zum Beerenobst – stark angeschlagen. Von 90 prozentigen Ausfällen ist die Rede: „Wir ernten durchschnittlich 900.000 Kilo im Jahr. Wir können froh sein, wenn wir heuer 90.000 Kilo ernten können“, erzählt Sabine Schandl von der Winzer-Domaine Pöttelsdorf.

Blaufränkisch ist am stärksten betroffen

Auf dem Weinbaugebiet, „Großlage Rosalia“ wird der größte Teil der Anbaufläche für die Rebsorte „Blaufränkisch“ genutzt. Daher ist diese Sorte am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. „Wir nutzen 80 Prozent der Fläche für diese Sorte“, erzählt der Neudörfler Winzer Anton Piribauer.

Auch der Winzer Hans Waldherr, ebenfalls aus Neudörfl, zeigt sich erschüttert: „Es ist ein Trauerspiel. In Neudörfl ist alles braun. Bei uns ist quer durch die Bank vieles kaputt, genau können wir es aber noch nicht sagen. In den letzten Jahren haben wir uns international einen Namen gemacht und etwas geschaffen. Wir exportieren auch nach Holland und Deutschland. Die möchten Wein von einem österreichischen Biobetrieb wie wir einer sind, was aber nächstes Jahr nicht möglich sein wird.“

„Das kommende Jahr wird problematisch“

Große Kunden können die Winzer nur mehr mit lagernden Beständen beliefern, erzählt Waldherr: „Das kommende Jahr wird problematisch werden.“ Besonders frustrierend ist für den Winzer, dass ein Mehraufwand entsteht: „Eineinhalb Jahre umsonst Zeit und Mühen zu investieren, und mit den Reben mehr Arbeit, aber keinen Verdienst zu haben, ist schlimm.“

Herbert Lassl, vom Siglesser Weingut Lassl, sagt bedrückt, dass die Junganlagen zu 100 Prozent kaputt seien. „Wir sind gerade am Erheben und können es noch nicht genau einschätzen. Vom gesamten Anbau sind aber auf jeden Fall 50 bis 60 Prozent kaputt. Den Blaufränkisch an der Top-Lage, wo wir eigentlich nicht mit Ausfällen gerechnet haben, hat es am schlimmsten erwischt. Der Osthang blieb dafür überraschenderweise unbeschädigt.“

Hans Bauer, der 2,5 Hektar Weinberge in Pöttelsdorf bewirtschaftet, klagt ebenfalls, dass ihm ein Schaden von gut 90 Prozent entstanden sei: „Die Top-Lagen werden von viel Sonne beschienen, gerade die sind alle vernichtet. Die Lagen, die eher im Schatten sind, sind weniger beschädigt worden.“

Der Winzer erklärt, dass der meiste Schaden durch das schnelle Auftauen in der Morgensonne entstanden ist. „Für mich schaut es heuer schlecht aus, denn ich habe keine Versicherung und so werde ich auch vom Katastrophenfond nichts bekommen“, fürchtet er.

„Noch nie so enormer Schadensfall wie heuer“

Der Obstbauberater der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, Tibor Vertes, weiß: „Im Bezirk schaut es so aus, wie im ganzen Burgenland. Das Kern-, Stein- und Beerenobst ist zwischen 50 und 100 Prozent vernichtet. Hier genaue Zahlen zu nennen, ist noch zu früh. Bei den Erdbeeren wird der Schaden gerade erhoben, bei den Obstkulturen weiß man es noch nicht genau. So ein enorm großer und flächendeckender Schadensfall wie heuer war aber noch nie da“, erklärt der Obstbauberater abschließend.