Erstellt am 12. September 2015, 08:27

von Michael Kremser

„Großes soziales Engagement“. Zahlreiche freiwillige Helfer helfen bei der Versorgung in der Ottakringer Arena.

 |  NOEN, Richard Vogler

Mitte der Woche wurde bekannt, dass in der Wiesener „Ottakringer-Arena“, wo im Sommer in der Regel zahlreiche Festivals stattfinden, ein Aufnahmezentrum für Flüchtlinge entstehen soll – die BVZ berichtete online. Rund 600 Asylsuchenden fanden dort Donnerstag eine erste Anlaufstelle auf ihren Fluchtweg – sprich Nahrung, sanitäre Einrichtungen, medizinische Versorgung und einen Platz zu rasten beziehungsweise zu schlafen.

Es handelt sich bei der provisorischen Flüchtlingseinrichtung keineswegs um ein dauerhaftes Asylheim, da die meisten Flüchtlinge sich nur auf der Durchreise nach Deutschland und Nordeuropa befinden, und nach einer kurzen Stärkung beziehungsweise Rast sich wieder auf den Weg machen – es wurden eigens Busse hierfür organisiert, die die Menschen vom Bahnhof in das Aufnahmezentrum und auch wieder zurück zum Bahnhof Wiesen-Sigleß bringen. Einigen Asylwerbern geht dies allerdings nicht zu schnell, weshalb sie zu Fuß den Weg zum nächsten Verkehrsknotenpunkt suchen. Aus diesem Grund wurde sicherheitshalber eine temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung vom Bahnhof kommend Richtung Ortseinfahrt eingeführt.

Versorgt werden die Notleidenden durch zahlreiche Spenden der heimischen Bevölkerung – bereits Freitagnachmittag konnten keine Sachspenden mehr entgegengenommen werden, „dar die Hilfsbereitschaft der Burgenländer keine Grenzen kennt“, wie ein Mitarbeiter des Samariterbundes, der gemeinsam mit anderen Organisationen und freiwilligen Helfern die Aktion koordiniert berichtet. Ins selbe Horn tönt Mattersburgs Stadträtin und Volksschuldirektorin Rafaela Strauß, die als Freiwillige ebenfalls mithilft: „Das Engagement der Bevölkerung ist sehr groß, sei es nun um Spenden als auch um die Mitwirkung der Betreuung der Flüchtlinge.“

Auch Gemeinde sieht sich unter Zugzwang 

Nachdem bereits vor Wochen die geplante Unterbringung von Asylwerbern im Zentrum der Gemeinde nach heftiger Diskussion gescheitert ist (die BVZ berichtete), wurde am Freitagnachmittag, nach dem ersten Ankommen von Flüchtlingen sowie angesichts der aktuellen Vorkommnisse in der Marktgemeinde eiligst eine Sitzung der Gemeindevorstände einberufen. Ergebnis klar: Helfen wo es nur geht!

„Wir waren schon immer bereit, einzelne Familien gegebenenfalls in der innerhalb der Gemeinde dauerfristig unterzubringen. Dass sich die Familie Bogner nun für ein Aufnahmezentrum engagiert, unterstützen wir in jeder Form, und Seitens jeder Fraktionen der Gemeinde“, so Bürgermeister Matthias Weghofer, der sich samt Gemeindevorstand, welcher auch einstimmig den Beistand an der Hilfsaktion zusagte, Freitag selbst ein Bild vor Ort machte.

Kein Verständnis


Gemeindeamtsleiter, Erwin Giefing, musste sich Freitagvormittags jedoch mit anderen Problemen herumschlagen: „Immer wieder gingen Beschwerdeanrufe ein.“ Ein Verhalten, dass der Gemeindebedienstete beim Lokalaugenschein nicht versteht.

„Schon bei der Diskussion vor einigen Wochen, gab es viele Gegenstimmen bezüglich des Asylheimes, aber ich denke mir, alle, die etwas gegen Heimsuchenden haben, sollten einmal einen Besuch hierher oder in andere Flüchtlingsstätten machen, um sich selbst ein Bild davon zu verschaffen, das würde die Meinung manch Eines ändern.“ Die Gemeinde selbst sorgte bereits für eine Unterbringung von Hygiene- und Lebensmittel im Feuerwehrhaus, damit die Lagerkapazität am Festivalgelände entlastet wird.