Erstellt am 08. Dezember 2010, 09:06

„Haben 40.000 Euro in den Wind geschossen“. UNWIRTSCHAFTLICH / Bahnfrachtverkehr soll mit 7. Februar eingestellt werden. Unternehmen reagieren mit Unverständnis.

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VON HELGA OSTERMAYER

UND KATHARINA TSCHÜRTZ

MATTERSBURG / Die Einstellung des Frachtverkehrs am Mattersburger Bahnhof mit 7. Februar ruft bei betroffenen Firmen wie dem Lagerhaus, dem Betonwerk Koch, der Felix Austria oder dem Sigleßer Getreidehändler Obradovits Unverständnis beziehungsweise Bedauern hervor.

„Ich habe bis jetzt noch keine Informationen, dass der ÖBB-Frachtverkehr bis 7. Februar verlängert werden soll, meine Infos sind noch auf dem alten Stand“, sagt Christian Lunzer, Leiter des Mattersburger Lagerhauses. „Das Frachtaufkommen per Bahn war bei uns in den letzten Jahren stark rückläufig. Wenn jetzt die Option Bahnverladung ganz wegfällt, werden wir einige Kunden, die das wünschen, nicht mehr bedienen können. Wir haben gehofft, dass die Bahn an Terrain gewinnt und wir wären auch bereit gewesen, dafür etwas zu tun“, so der Lagerhaus-Chef.

„Eine regionalpolitische  Katastrophe“

Das Betonwerk Koch betrachtet die Vorgehensweise der Bahn als unüberlegten Hüftschuss. Das Unternehmen, das im heurigen Jahr für die Instandhaltung seiner rund 800 Meter Anschlussgeleise 40.000 Euro berappt - diese seien wortwörtlich „in den Wind geschossen“ - ist davon überzeugt, dass die Einstellung des Frachtverkehrs eine regionalpolitische Katastrophe darstelle. Erst hätte man sich bemüht, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, und jetzt bedeute dies, dass alles wieder auf die Straße müsse. Auch für die Firma Felix Austria ist die Sache unangenehm. Laut Geschäftsführer Bernd Berghofer vor allem deshalb, „weil wir den Bahn-Zubringer, der ja uns gehört, erst vor kurzem saniert haben“. Heinz Stricker, Geschäftsfüher der Sigleßer Getreidefirma Obradovits, befürchtet, dass die Firma auf gewisse Aufträge verzichten wird müssen. Sowohl Landeshauptmann Hans Niessl, als auch die Wirtschaftskammer nahmen daraufhin mit der Rail Cargo Gespräche auf. Harald Schermann, der Pressesprecher der Wirtschaftskammer Burgenland, berichtet: „Einige Betriebe sind an uns herangetreten und haben gemeint es würde sie schwer treffen. Daraufhin haben wir den Geschäftsführer der Rail Cargo damit konfrontiert, dass es innerhalb eines so kurzen Zeitraumes so nicht sein kann.“ Die ÖBB habe den Fall geprüft und die Frist verlängert. Ein Außendienstmitarbeiter der Rail Cargo werde nun mit den betroffenen Unternehmen eine logistische Strategie ausarbeiten.

Zur Vorgeschichte: Mattersburger Firmen erhielten am 30. November ein Schreiben der ÖBB-Güterverkehrstocher Rail Cargo Austria RCA, in dem zu lesen war, dass der Frachtverkehr am Bahnhof Mattersburg mit 12. Dezember dieses Jahres wegen Unrentabilität eingestellt werde und die Abfertigungsstelle bis 10. Dezember zu räumen sei. Dieser Termin wurde nach Intervention auf den 7. Februar verlegt.