Erstellt am 12. Juni 2013, 00:00

‚Ihr könnt’s ihn treten!‘. Gewalt /  In der Schule war ein 14-Jähriger gefürchtet: Mit Stahlrute und Schlagstock ausgerüstet, bedrohte er Mitschüler.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
Von Elisabeth Kirchmeir

BEZIRK MATTERSBURG /  „Ich bin sprachlos“, wunderte sich die im Gerichtssaal anwesende Mutter. „Zu Hause ist er ganz anders.“

Auf der Anklagebank saß ihr Sohn, ein 14-jähriger österreichischer Staatsbürger mit türkischen Wurzeln. In früher Schulzeit war er selbst auf seine Herkunft bezogenen Hänseleien ausgesetzt gewesen, als er älter und stärker wurde, wollte er den Spieß umdrehen.

Bei einem Schulwechsel innerhalb des Bezirkes Mattersburg sei dem Burschen der Ruf vorausgeeilt, er habe jemandem den Arm gebrochen.

Um sich „Respekt zu erzwingen“, wie der 14-Jährige sagte, habe er die zwei stärksten Schüler an der neuen Schule mit den Worten „Ich schlag euch nieder“ bedroht. „Dann sagten sie: Okay, jetzt bist du der Stärkste!“, berichtete der Jugendliche. „Das ist der Moment für meine Moralpredigt!“, ermahnte Richterin Mag. Birgit Falb den Angeklagten: „Was soll das? Sie sind 14 Jahre alt, unterliegen dem Strafgesetz. Wenn Sie nicht wollen, dass Sie das ganze Leben im Gefängnis sitzen, dann müssen Sie Ihre Art ganz schnell ändern.“

„Den Schlagstock hatte er in der Schultasche“ 

Im Februar 2013 hatte der Angeklagte einen Schüler in der Garderobe aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. „Der Angeklagte sagte: Wennst aufstehst, schlag ich dich. Den Schlagstock hatte er in der Schultasche“, so das Opfer dieser Aktion.

„Später stiegen die anderen Kinder drüber. Der Angeklagte sagte, ihr könnt’s ihn treten für einen Euro.“ Zwei Mitschüler traten tatsächlich zu. Einem anderen Schüler soll der 14-Jährige seine Stahlrute, eine gesetzlich verbotene Waffe, gezeigt und von ihm drei Euro erpresst haben. „Das sollte eine Strafe sein“, so der Angeklagte.

Nach einem neuerlichen Schulwechsel gehe es ihm „viel, viel besser“, beteuerte der Schüler vor Richterin Mag. Falb.

„Zu Hause ist er höflich und freundlich“, erklärte die Mutter. „Er muss lernen, sich an gewisse Spielregeln zu halten“, sagte die Richterin.

Zusätzlich zu den Gewalttaten beging der Bursche Diebstähle rund um Silvester 2012: Aus einem Container stahl er – gemeinsam mit anderen – Feuerwerksraketen.

Der Prozess endete mit einer Diversion: Der Jugendliche muss gemeinnützige Leistungen im Ausmaß von 80 Stunden erbringen, dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.