Erstellt am 08. März 2016, 09:49

von Bettina Eder

Ingrid Salamon: „Ausrede der Männer“. Mattersburgs Bürgermeisterin Ingrid Salamon über Frauenpolitik, Polit-Machos und Quotenregelung.

Starke Frau. Ingrid Salamon hat den Stift in der Gemeinde fest in ihrer Hand.  |  NOEN, Bettina Eder

BVZ: Fünfzig Jahre Emanzipationsbewegung  – und doch zeigen die harten Fakten, dass es nach wie vor  auf vielen Ebenen - egal ob Wirtschaft oder Politik - ein erhebliches Missverhältnis zwischen Männern und Frauen gibt.  Die „Stimme der Poltik“ ist nach wie vor männlich. Etwa sind Sie eine von lediglich drei Bürgermeisterinnen  - allesamt SPÖ im Burgenland. Was läuft schief?
Salamon: Es ist nach wie vor für Frauen nicht einfach, Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bringen, obwohl auch immer mehr Männer in Karenz gehen. Es fällt Frauen manchmal auch schwer, sich für Beruf und Karriere zu entscheiden.

Gerade in der Politik hört man von vielen  Ihrer - zumeist männlichen – Kollegen, dass es so wenig Frauen in der Politik gibt, weil sich Frauen für politische Funktionen nicht zur Verfügung stellen wollen. Es läge also an den Frauen selbst. Sehen Sie das genauso?
Ich sehe das nicht so. Außerdem ist das eine Ausrede mancher Männer: Es gibt sehr wohl Frauen, die sich politisch engagieren wollen, nur sind die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht optimal für Frauen.
 
Wie wertvoll sind Quoten für die Sache der Frau?
Sehr wertvoll: Es wäre gut, die Quotenregelung auch umzusetzen. Damit wären mehr Frauen in der Politik. Viele Frauen scheitern in den Gremien, bei den Abstimmungen. Ich war damals sicher keine Quotenfrau, bin aber mittlerweile für eine Quotenregelung.

Es gibt den Satz, dass Frauen keine Frauen wählen würden. Gibt es hier einen Zusammenhalt oder sind Frauen selbst ihre stärksten Gegner?
Bei Frauen gibt es sicher genauso ein Konkurrenzdenken wie bei Männern. Das ist bei uns nicht anders. Ich würde aber nicht so weit gehen und behaupten, dass Frauen keine Frauen wählen.

Frauen sind besser qualifiziert denn je, sie gelten als fleißig und diszipliniert. Trotzdem sind sie auf den Chefetagen immer noch deutlich untervertreten. Was braucht es, um an die Spitze eines Unternehmens/einer Gemeinde zu kommen und sich dort zu behaupten?
Vor allem Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen. Als PolitikerIn sollte man die Menschen mögen- eine Eigenschaft, die auch in der Wirtschaft nicht schaden kann.

Die amerikanische Spitzendiplomatin Susan Rice appellierte an die Frauen via Medien, sie müssten wieder vermehrt ihren Charme einsetzen, wenn sie die Karriereleiter erklimmen wollen. Geben Sie ihr Recht?
Davon halte davon gar nichts, es wäre ein Rückschritt für die Frauen, sich nur auf ihren Charme zu verlassen.

Wenn Frauen sich männlicher Verhaltensmuster bedienen, gelten sie meist als hart, karrieregeil oder verbissen. Zu viel Weiblichkeit gilt wiederum als Schwäche. Kann es überhaupt einen Ausweg aus dem Dilemma geben?
Schwer zu beantworten: Es gibt eben gewisse Anforderungen an Führungspersonen, egal ob an männliche oder weibliche.

Sie sind seit 17 Jahren Bürgermeisterin, was empfinden Sie an Ihrer Führung als weiblich?
Ich denke prinzipiell nicht in solchen Kategorien. Ich höre gerne zu und höre oft auch auf gute Ratschläge. Wenn sie wollen, kann man das als weiblich bezeichnen.

Sieht Mattersburg jetzt anders aus?  Oder anders gefragt, was am Mattersburg wird nach der Ära Salamon weiblicher sein?
Ich denke noch nicht an das Ende der Ära Salamon. Wenn es einmal soweit ist, hoffe ich, dass meine Arbeit nachhaltig gut und sinnvoll für die Stadt und die Bevölkerung war.

Wie sieht der Frauenanteil in Ihrer Dienststelle aus? Wie viele Frauen davon sind in Führungspositionen?
Im Rathaus sind von 14 MitarbeiterInnen 9 weiblich. Im Gemeinderat 10 von 25, im Stadtrat 3 von 7. Bauabteilung, Meldeamt und Standesamt sind bei uns vorwiegend weiblich besetzt.

Wie sieht Ihre Frauenpolitik in der Stadtgemeinde aus?
Es ist mir wichtig, das viele Frauen bei uns in den Gremien vertreten sind. Die oben genannten Zahlen belegen auch , dass sich in Mattersburg viele Frauen politisch engagieren.

Was war ihre größte Herausforderung auf dem Weg zur Bürgermeisterin?
Die erste Gemeinderatswahl 1999. Als erste weibliche Kandidatin gegen zwei männlich Kandidaten.

Wie gehen Sie mit Polit-Machos um?
Ich hab diesbezüglich keine negativen Erfahrungen. Auf dumme oder beleidigende Bemerkungen reagiere ich dementsprechend.

Arbeiten Sie persönlich lieber mit Männern oder Frauen?
Das es mir egal. Ich arbeite sachorientiert und bewerte Menschen nach ihren Fähigkeiten, nicht nach ihrem Geschlecht.

Wie haben Sie Ihre zwei Töchter erzogen? Welche Regeln, was eine Frau darf und was nicht, haben Sie ihnen mitgegeben?
Ich glaube, ich habe sie zu selbstständigen Menschen erzogen, die auch auf andere Menschen schauen und sozial integriert sind.


Ingrid Salamon im Wordrap:

  • Frauenquote – wichtig

  • Binnen-I – zu akzeptieren

  • Halbe/Halbe – soll so sein

  • Typisch Frau – kompromissbereit

  • Typisch Mann – nach außen hin emotionslos

  • Einkommensschere – schlecht

  • Radikalfeminismus – nicht gut