Erstellt am 10. Dezember 2015, 10:19

von Richard Vogler

KUZ: Kritik reißt nicht ab. Die Architektenkammer distanziert sich von der Ausschreibung der Generalplanung.

Zankapfel. Rund um das KUZ gibt es schon länger Diskussionen.  |  NOEN, VOGLER

Die Diskussionen rund um den Neubau des KUZ Mattersburg reißen nicht ab: Der Mattersburger Altbürgermeister Edi Sieber richtete sich vor Kurzem mit einem offenen Brief an Kulturlandesrat Helmut Bieler, die Architektenkammer distanziert sich von der Ausschreibung und Grüne sowie die LZM (Liste Zukunft Mattersburg) wettern mit Presseaussendungen gegen die Vorgangsweise. Aktuell befindet man sich in der Ausschreibungsphase für die Generalplanung.

Die Architektenkammer distanzierte sich deutlich davon und Michael Anhammer, Vorsitzender des Ausschusses von Wettbewerben der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, nimmt klar Stellung dazu: „Wir sind nicht einmal zum Inhalt gekommen, das ganze ist absolut keine gute Lösung. Es gibt in der Ausschreibung einen Mix von vorgegebenen Kosten und Wünschen, so etwas ist nicht zielführend.“

Altbürgermeister Edi Sieber, Mitglied der Plattform „Rettet das KUZ“ fordert nun Kulturlandesrat Helmut Bieler in einem offenen Brief auf, den Architektenwettbewerb zu stoppen (siehe unten). Geht es nach Sieber, so werden die Grundzüge des KUZ – eben die Kernforderung der Plattform – nicht erhalten bleiben.

Sonja Sieber, Bezirkssprecherin der Grünen und ebenso wie Edi Sieber Mitglied der Plattform, fordert ebenso in einer Presseaussendung, zurück an den Start zu kehren. „Wir stehen in Mattersburg kurz davor, einen architektonischen Schatz abzureißen.“ Peter Pregl von der LZM fordert in einer Presseaussendung unter anderem mehr Transparenz und die Meinung der Bevölkerung zu hören.

„Die Ausschreibung wird rechtlich begleitet, weiters sind zwei Architekten und Sachpreisrichter involviert“, wird aus dem Büro von Landesrat Bieler berichtet, um darauf hinzuweisen, dass „wir die Kosten vom Regierungsbeschluss einhalten müssen. Aus diesem Grund sind diese dort beinhaltet.“
 


Infos:

Nachdem bekannt gegeben wurde, dass das Kulturzentrum Mattersburg abgerissen. und neu gebaut werden soll, wurde diese Pläne wieder fallen gelassen und ein Umbau beschlossen.

Große Rolle spielte dabei die Plattform „Rettet das KUZ“. Diese trat gegen den Abriss auf und setzte sich dafür ein, die Grundzüge des Baues zu erhalten. Dies sei laut Plattform nicht mehr gewährleistet  – aus diesem Grund zog diese sich aus dem Entscheidungsprozess zurück.

Lesen Sie auf Seite 2 den offenen Brief des ehemaligen Bürgermeisters Edi Sieber an den Landesrat:

Sehr geehrter Herr Landesrat!

Wie Sie sicher vernommen haben, ist das KUZ Mattersburg unter die gefährdeten Bauten des „Brutalismus“ eingestuft worden. Es wird darauf hingewiesen, dass dasKUZ Mattersburg nicht nur als Bauwerk von hervorragender Qualität ist, sondern auch ein Denkmal einer einmaligen Entwicklung des Burgenlandes, die von Bundeskanzler Sinowatz und Landesrat Mader betrieben wurde, die in die burgenländischen Kleinstädte ein wenig von der sogenannte Bürgerlichen Kultur bringen sollte. Es hat sich daher vor der Landtagswahl ein Komitee gegründet, das den Abbruch des Kulturzentrums zu verhindern suchte. Leider ist dieses Anliegen von 2000 MattersburgerInnen, die eine Petition gegen den Abriss unterschrieben haben, ignoriert worden, und es ist eine Ausschreibung für einen Umbau des KUZ erfolgt, die die Zerstörung dieses einmaligen Baus zur Folge haben wird. Ich ersuche Sie im Namen der Mattersburger – nicht nur der 2000, die unterschrieben haben – den Architektenwettbewerb zu stoppen und eine Sanierung des bestehenden Baus vorzunehmen, sodass es Ihnen in ein paar Jahren nicht leid tun wird, diesen in seiner Architektur und in seiner kulturellen Bedeutung so einmaligen Bau vernichtet zu haben. Ich hoffe, unter den gegebenen Umständen, meine Bitte nicht vergeblich vorgetragen zu haben!

Edi Sieber,

ehemaliger Bürgermeister

von Mattersburg