Erstellt am 30. Oktober 2015, 04:17

von Michael Kremser

Lehrling musste jeden Sonntag arbeiten. Ein Lehrling musste regelmäßig am Wochenende arbeiten – zudem war Dienstverhältnis nicht eindeutig geklärt.

Martin Giefing als Jugendreferent der Arbeiterkammer Burgenland setzt sich für die Anliegen der Burgenländischen Lehrlinge ein.  |  NOEN, BVZ

Auszubildende Lehrlinge genießen in unserem Land besonderen Schutz, deshalb ist auch Sonntagsarbeit für eben diese prinzipiell verboten – Ausnahmen gibt es in der Gastronomie.

Aber auch hier dürfen die angehenden KöchInnen und KellnerInnen beziehungsweise Gastronomiefachmänner/frauen nur jeden zweiten Sonntag des Monats arbeiten. Wie nun vor Kurzem durch eine Anzeige bei der Arbeiterkammer Burgenland bekannt wurde, hielt sich ein Reptilienzoo in Forchtenstein nicht an diese Regelung.

Giefing: „Das geht überhaupt nicht!“

Ein Lehrling musste jeden Sonntag im Betrieb schuften – zudem kommt noch, dass im Lehrvertrag nicht einmal explizit definiert wurde, für welchen Beruf der junge Mann im Betrieb ausgebildet wird. Festgelegt wurde allerdings, dass jeder Samstag und Sonntag Teil der Arbeitswoche während der Lehrausbildung ist – was auch dem tatsächlichen Arbeitsalltag des Lehrlings entsprach, so der Vorwurf gegen den Betrieb.

„Das geht überhaupt nicht! Dies stellt eine grobe Pflichtverletzung des Unternehmens gegenüber dem Lehrling dar“, ärgert sich AK-Jugendreferent Martin Giefing, der noch dazu in einer offiziellen Presseaussendung der Arbeiterkammer kritisiert, dass der Auszubildende auch Arbeiten, wie beispielsweise Kellerputzen, verrichten musste, die mit seiner eigentlichen Lehre nichts zu tun gehabt haben.

„Lehrlinge sind keine Hilfskraft“

„Ein Lehrling soll in der Lehre etwas lernen und nicht als billige Hilfskraft missbraucht werden. Unternehmen wie jenes, die auf den Lehrlingsschutz pfeifen, sollte man die Lehrberechtigung entziehen“, so Giefing. Die Wirtschaftskammer hat im Landesberufsausbildungsbeirat einen Antrag auf Aberkennung der Lehrberechtigung allerdings abgelehnt.

Für Bernhard Ozlsberger, Sprecher der AK Burgenland, nicht verständlich: „Sicherlich mit einer der Gründe für die Ablehnung des Antrags, war die fehlende Definition, für welchen Lehrberuf der Jugendliche in besagtem Betrieb ausgebildet werden sollte – dies muss nun ein Schiedsgericht entscheiden, dann kann der Betroffene in Berufung gehen.“

Der Auszubildende hat seine Ausbildung übrigens abgeschlossen und arbeitet mittlerweile nicht mehr in dem Reptilienzoo. Die Verantwortlichen des Ausbildungsbetriebes waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.