Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

Leihgaben verschwunden. DUBIOS? / Vor drei Jahren sollen Fundstücke, welche Archäologin Talaa ausgrub, nicht mehr zurückgegeben worden sein.

Archäologin Dorothea Talaa: »Ich frage mich schon, wer verantwortlich ist.«  |  NOEN

VON MARTIN PLATTENSTEINER

SIGLESS / Wenn Dorothea Talaa am Freitag, 18. November, im Rahmen einer Bürgerversammlung im Sitzungssaal der Gemeinde den aktuellen Stand ihrer Ausgrabungen und Funde im Kloaschitzwald der Öffentlichkeit präsentiert, wird die Archäologin wohl immer noch eine gewisse Portion Groll mit sich herumschleppen. Der Grund? Laut Talaa erhielt das Land Burgenland für seine Landesausstellung 2008 „die Bernsteinstraße“ einige ihrer Funde, die „Leihgaben“.

Aus zwei Gräbern sollen  Beigaben verschwunden sein

Im Nachhinein fehlten aber einige der Ausgrabungen. „Das Inventar eines kompletten Grabes ist komplett verschwunden“, meint die Archäologin. „Aus einem zweiten Grab fehlen unter anderem ein Messer und Ohrringe.“ Den Verantwortlichen in dieser Causa sieht Talaa im Landesarchäologen Hannes Herdits. Dieser hält die „Geschichte für geklärt“ und verweist auf die Tatsache, dass er „nur Archäologe“ sei. Ein Museum funktioniert - so Herdits - anders. „Es gibt einen Ausstellungsapparat und einen wissenschaftlichen Apparat.“ Herdits selber geht davon aus, dass „historische Funde öffentlich zugänglich“ sein sollen. „Manche Kollegen haben hier ein gesundes Weltbild“, stellt er zudem fest, ohne sich weiter aus der Reserve locken zu lassen. Doch wo sind die - vermeintlich abhanden gekommenen - Fundstücke geblieben? Wer trägt die Verantwortung? Die provisorische Leiterin der Stabstelle Verfassungsdienst in der Landesregierung, Monika Lämmermayer, verweist weiter auf den Chef der Kulturabteilung, Josef Tiefenbach. Letzterer geht von einer „Versicherungssache“ aus. „Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, das ist schon erledigt.“ In der Gemeinde Sigleß (sie sollte Nutznießer einer etwaigen Versicherungssumme sein) ist aber noch kein Schreiben (oder Geld) eingetrudelt. Aus der Gemeindestube hört man, dass das Land Burgenland im Jahr 2010 eine Generalinventarisierung gestartet habe, um etwaige verschwundene Funde festzustellen - oder auch nicht. Diesbezüglich gab es bis dato keine Rückmeldung.

Talaa selber lässt sich nicht aus der Fassung bringen. „Die Katalogisierung und Restaurierung der heuer geborgenen Exponate benötigt sehr viel Zeit und Geduld“, erklärt die Archäologin. Keinesfalls möchte sie im November mit leeren Händen da- stehen, sondern die neuesten Funde im optimalen Licht präsentieren.