Erstellt am 16. Juli 2014, 11:02

von Richard Vogler

„KUZ soll unbedingt erhalten bleiben“. Ansage / Landeskurator Peter Adam spricht sich für eine Sanierung aus. Dass dies kommen wird, ist jedoch nicht beschlossene Sache.

Wohin führt der Weg? Das Mattersburger Kulturzentrum war das erste im Burgenland. Ob es einen Neubau oder eine Sanierung des Gebäudes geben soll, darüber wird heftigst diskutiert.  |  NOEN, Richard Vogler

Die Entscheidung, was mit dem Kulturzentrum geschehen soll (ein Neubau oder eine Sanierung soll durchgeführt werden), ist noch offen - seit Wochen gibt es darüber heftige Diskussionen.

Peter Adam: „Abriss für mich kein Thema“ 

Kurz nach Bekanntwerden des ursprünglichen Plans, das Gebäude abzureißen, wurde das Denkmalschutzamt kontaktiert. Landeskurator Peter Adam untersucht seitdem das Gebäude in geschichtlicher, kultureller und künstlerischer Sicht. Nach einigen Wochen Recherche ist die Tendenz Adams klar: „Für mich ist das kein Thema. Es ist ein architektonisch immens wichtiges Objekt. Das Gebäude oder zumindest ein Teil davon soll auf jeden Fall erhalten bleiben.“

Dass das Gebäude somit unter Denkmalschutz gestellt wird, ist jedoch noch nicht beschlossene Sache - die rechtlichen und baulichen Gegebenheiten werden bei der endgültigen Entscheidung, ob es unter Denkmalschutz bestellt wird, nicht außen vor gelassen. „Mann muss dabei natürlich auch die Bausubstanz des Gebäudes und die Auflagen der Bezirkshauptmannschaft miteinbeziehen“, erläutert Adam. Geht es nach Adam, so wird es kommende Woche ein Treffen mit Kulturzentren-Geschäftsführer Wolfgang Kuzmits geben.

Amtlich ist hingegen, dass mit September das Kulturzentrum geschlossen werden muss, da es einen Bescheid von Seiten der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg mit Datum 27. September 2011 gibt. Dieser weist 48 Punkte aus, den es umzusetzen gilt.

Pellets-Heizung  um 150.000 Euro

Die zu behebenden Mängel sind also bereits länger bekannt, im vergangenen Jahr wurde jedoch eine Pellets-Heizung gebaut und in Betrieb genommen - Kostenpunkt 150.000 Euro. „Man ist nicht darum herum gekommen, eine neue Heizung zu bauen. Die Gäste hätten die Vorstellungen in einem kalten KUZ sehen müssen“, berichtet Claudia Priber aus dem Büro von Kulturlandesrat Helmut Bieler, um weiter auszuführen: „Ob Neubau oder Sanierung, die neue Heizanlage wird wieder verwendet.“

1.400 Unterschriften  gegen Abriss

Kurz nach Bekanntwerden des ursprünglichen Plans, das Kulturzentrum abzureißen, bildete sich eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Rettet das Kulturzentrum Mattersburg“ - neben anderen gehört auch Altbürgermeister Edi Sieber der Initiative an.

„Die Petition läuft seit dem 2. Juni, mittlerweile wurden über 1.400 Unterschriften gesammelt und bis 2. August kann man sich noch gegen den Abriss des Gebäudes aussprechen“, berichtet der Sprecher der Initiative, der Mattersburger Johann Gallis, der weiters erläutert, dass „die gesammelten Unterschriften dann den Verantwortlichen vorgelegt werden.“

Auszüge der Auflagen und von Meldungen auf der Facebook-Seite der Petition lesen Sie auf Seite 2 und 3.

Auszug der Auflagen von Seiten der BH

Die Bezirkshauptmannschaft Mattersburg erließ am 27. September 2011 an die Burgenländischen Kulturzentren einen Bescheid, worin 48 Punkte an baulichen Änderungen durchzuführen sind.
Auszüge der Mängel:

  • Die Anlagenteile der Heizung sind überaltert und entsprechen nicht mehr dem Stand Stand der Technik.

  • Die „Zuluft Mehrzwecksaal“ ist nicht funktionstüchtig. Da die Regelung nicht mehr fachgerecht funktioniert, ist ein Betrieb nur mit händischer Manipulation möglich. Die vorhandene Lüftungsanlage kann gesamtheitlich als unzureichend bezeichnet werden und entspricht nicht mehr dem heutigen Stand.

  • Im Bereich der Sanitäranlagen muss aufgrund der veralteten Rohrleitungen und der dadurch entstehenden Verfärbungen des Wassers die gesamte Verrohrung des Kalt- und Warmwassers im Gebäude neu hergestellt werden.

  • Die Barrierefreiheit erfüllt nicht die geforderten Kriterien.

  • Die Steuerung/Regelung im Bereich der Haus-/Elektrotechnik ist überaltert oder funktioniert nicht mehr und ist nur mehr mit händischer Manipulation bedienbar. Sämtliche Anlagenteile, Schaltschrank und Peripheriegeräte sind nicht mehr verwendbar.

  • Bei der Elektroinstallation ist die Hauptverteilung nicht mehr normgerecht. Ebenso die Unterverteiler, da noch immer veraltete Fi-Schutzschalter eingebaut sind. Durch die fehlenden bzw. falschen Beschriftungen an den Verteilern ist eine Zuordnung der Sicherungsbereiche schwierig.

  • Die derzeitigen Fluchtwege sind nicht entsprechend den Richtungsänderungen laut Norm ausgeführt.

  • Die Erdungs- und Blitzschutzanlage ist nicht mehr funktionsfähig.

  • In der Küche des Restaurants muss eine Fettscheideranlage eingebaut werden.


DEN GESAMTEN BESCHEID MIT DEN 48 PUNKTEN FINDEN SIE AUF

bgld-kulturzentren.at/uploads/contenteditor/Bescheid_gewerberechtliche_Genehmigung.pdf
 

Auszüge von Meldungen auf der Facebook-Seite der Petition

„Es tut mir leid, aber ich verstehe nicht, was am KUZ wertvoll sein soll. Gut, ich habe dort viele schöne Stunden verbracht, na und? Warum sollte ein Neues weniger gut sein? Das ist meine Meinung, wenn Ihr wollt, belehrt mich eines Besseren.“ Lajos Andor Abraham

„Da steht aber nix von Einsturzgefahr und statischen Problemen, das sind nur Anpassungen der Auflagen für den Brandschutz übliche Sicherheitsauflagen und ein vorgeschriebener Ölabscheider! Diese Auflagen gelten für alle Wirte oder Gewerbebetriebe in ganz Burgenland. Der Bescheid stammt aus 2011, damit hätte das Land Zeit genug gehabt sich zu entscheiden, ein Konzept vorzulegen.“ Gabriele Schandl zu den von der BH erteilten Auflagen

„Ein Wahnsinn, was da wieder passiert. Da heißt es immer, Kulturgut gehört erhalten und geschützt.“ Herbert Potzmann

"Also, was braucht ein neues KUZ? Eine supermoderne Bühnentechnik? Die kann ich im bestehenden Gebäude auch einplanen und bauen, und sind wir uns ehrlich,........ Millionen Euro für modernste Technik, die nach ein paar Jahren Schnee von gestern ist." Michael Dobrovits