Erstellt am 20. Oktober 2010, 00:00

Mattersburger in Ungarn: „Kratzen in meinem Hals“. SCHLAMMOPFER Mitarbeiter der Mattersburger Stadtgemeinde waren in Devecser, um 200 Säcke Sachspenden zu übergeben.

VON RICHARD VOGLER

MATTERSBURG / Für die Opfer der Umweltkatastrophe im ungarischen Devecser wurden in ganz Österreich Hilfsaktionen gestartet - so auch in Mattersburg. In der Bezirkshauptstadt hat Ildiko Dorfmeister die Aktion in die Wege geleitet. Der Bezug von Dorfmeister zu Stadt Devecser? „Vier ehemalige Schulkollegen leben nicht mehr dort, haben aber Verwandte in der Ortschaft. Ich hätte so eine Aktion jedoch auch gemacht, wenn ich keinen Bezug zu Devecser gehabt hätte.“ Dorfmeister kontaktierte eine in Szombathely lebende Bekannte und eruierte, welche Utensilien am dringendsten benötigt werden. Dann nahm sie mit der Stadtgemeinde Kontakt auf. Vergangene Woche wurden rund 200 große Säcke mit Sachspenden - darunter Jacken, Gummistiefel, Handtücher, Decken, Bettzeug und Schuhe, nach Ungarn transportiert.

Fünf Mattersburger  traten die Reise an
Auf die Reise machten sich die Initiatorin Dorfmeister, Bauhofleiter Günter Dorner sowie die Gemeindemitarbeiter Gerhard Lehner, Josef Pinter und Markus Matzinger. „Ursprünglich war geplant, dass wir den Lkw mit den Säcken zehn Kilometer vor Devecser übergeben. Das hat nicht geklappt, und uns ist nichts anderes übrig geblieben, als direkt in den Ort zu fahren“, berichtet Dorner. Vorab informierte man sich noch einmal, welche Vorkehrungen zu treffen seien. „Es wurde uns mitgeteilt, dass Schutzmasken ausreichend sind. In Devecsen habe ich dann ein Kratzen in meinem Hals verspürt.“

Mit Personen, die fast kein Hab und Gut mehr besitzen, sind die Mattersburger nicht in Kontakt gekommen. Die Bilder hinterließen dennoch bleibende Eindrücke, wie Dorner schildert: „Es war eine ein Meter hohe, rund 500 Meter breite Welle, die durch die Ortschaft gedonnert ist. An den Häusern kann man den roten Schlamm noch deutlich erkennen.“ Was Dorner nachdenklich stimmt: „Wenn nichts passiert wäre, wüsste man nicht, dass das eine tickende Zeitbombe ist. Angeblich gibt es noch fünf, sechs weitere solche Becken dort.“ Dass die übergebenen Kleidungsstücke auch an den Mann kommen, davon ist Dorner überzeugt: „Wir hatten mit Personen Kontakt, die die Stücke aufteilen und genau darauf achten, dass sie auch die Richtigen erreichen.“