Erstellt am 15. Mai 2013, 00:00

Mord: „War nicht dort!“. Vertagt /  Beim Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer Pensionistin sagte der ehemalige Arbeitgeber des Angeklagten aus. Gutachter Prof. Haller: „Tat war kein Affektdelikt.“

Der Angeklagte ist laut Gutachter geistig gesund, intelligent und war zur Tatzeit schuldfähig. Foto: Hafner  |  NOEN, Hafner
Von Elisabeth Kirchmeir

PÖTTSCHING / Vor sieben Jahren, am 30. Juli 2006, soll der 43-jährige türkische Staatsbürger in Pöttsching eine 73-jährige Pensionistin ermordet haben. Neue DNA-Untersuchungsergebnisse brachten die Ermittler wieder auf die Spur des verschuldeten Notstandshilfebeziehers, der schon 2006 zu den Verdächtigen gezählt hatte.

Wie berichtet, bekannte sich der Angeklagte nicht schuldig. Am zweiten Prozesstag (Dienstag der Vorwoche) beteuerte er: „Ich bin sicher, dass ich nicht dort war und das nicht getan habe. Es muss einen Weg geben zu erklären, warum meine DNA-Spuren dort gefunden wurden.“

Befragt wurde jener Gärtner, der den Angeklagten ein Jahr vor dem Mord am Grundstück der Pensionistin beschäftigt hatte. Der Gärtner gab an, er sei gemeinsam mit dem Angeklagten von der Pensionistin zum Essen eingeladen worden. Der Angeklagte hatte bestritten, das Haus des Mordopfers jemals betreten zu haben.

Zu Fragen der Zurechnungs- und Schuldfähigkeit des Angeklagten nahm der Psychiater und Neurologe Prof. Dr. Reinhard Haller Stellung. „Weder ein Lügendetektor noch ein Wahrheitsserum oder irgendein anderes Mittel können beweisen, ob er die Wahrheit sagt“, schickte der renommierte Gerichtssachverständige voraus.

Prof. Haller attestierte dem Angeklagten „Intelligenz am untersten Rand der Norm, aber weit davon entfernt, dass man von einer Behinderung sprechen müsste“. Es gebe bei dem 43-Jährigen keinen Hinweis auf eine Geisteskrankheit. Auch eine Bewusstseinsstörung etwa durch Vollrausch oder blinde Wut könne zum Tatzeitpunkt ausgeschlossen werden. „Diese Tat hat nichts mit einem Affektdelikt zu tun“, so Prof. Haller.

Der Prozess wird am 27. Mai fortgesetzt. Kriminalpsychologe Mag. Thomas Müller wird dann sein Gutachten vortragen.