Erstellt am 17. September 2014, 12:08

von Elisabeth Kirchmeir

Kundin stahl Mode. 146 Kleidungsstücke im Wert von 5.964 Euro entwendete eine gut situierte Stammkundin aus einer Boutique.

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„Das versteht kein Mensch!“, wunderte sich Richterin Mag. Birgit Falb. Die 55-jährige Angeklagte habe keine finanziellen Sorgen gehabt, sie habe die gestohlenen Kleidungsstücke überhaupt nicht gebraucht - viele davon fand die Polizei mit Etiketten bestückt im Kleidungsschrank der Diebin.

Sie sei, versuchte diese zu erklären, an der Liebe zu ihrem zweiten Mann zerbrochen. Als er sie vor zehn Jahren verließ, sei sie „ins Bodenlose“ gefallen. „Da ich es nicht geschafft habe, ihn zurückzugewinnen, habe ich mich selbst bestraft“, meinte die Angeklagte.

"Hatte keine Angst, entdeckt zu werden"

„Ich tippe auf ein Zwangsverhalten“, überlegte die Richterin. Die Staatsanwaltschaft hatte zur Klärung der Motivlage ein Gutachten eingeholt, das ergab, dass die Angeklagte jedenfalls nicht unter Kleptomanie leidet.

Die Frau hatte von Februar 2011 bis Februar 2014 ausgerechnet in jener Boutique im Bezirk Mattersburg, in der sie selbst Stammkundin war, immer wieder Kleidungsstücke gestohlen - insgesamt sollen es 164 Stück im Gesamtwert von 5.964 Euro gewesen sein.

„Ich habe die Kleidungsstücke einfach in die Tasche gesteckt, hatte keine Angst, entdeckt zu werden“, sagte die 55-Jährige. Sie sei aber froh gewesen, als „es vorbei war“.

Erster Verdacht fiel auf die Mitarbeiterinnen

„Wir hatten festgestellt, dass viele Artikel fehlten“, berichtete der Inhaber der Boutique. In der Filiale habe es eine „Riesen-Aufregung“ gegeben, zumal die Diebin zunächst innerhalb der Belegschaft gesucht wurde. „Die Stimmung war sehr angespannt“, so der Boutique-Besitzer. Schließlich fiel der Verdacht doch auf die Stammkundin, die zunächst nur des Diebstahls zweier T-Shirts verdächtigt wurde, erst kurze Zeit später offenbarte sich das gesamte Ausmaß der Straftaten.

Die Angeklagte hat den gesamten Schaden gutgemacht und darüber hinaus die gestohlenen Kleidungsstücke zurückgegeben. Diese wurden der Polizei ausgefolgt. „Was machen wir jetzt damit?“, fragte die Richterin. Da die Waren nun bezahlt wurden, würden sie eigentlich der Angeklagten gehören. Diese wollte die Kleidungsstücke aber nicht mehr. Daher wurde am Ende des Prozesses entschieden, dass die vier großen Säcke voll mit schicker Boutiquenmode als Spende an die Caritas übergeben werden.

Für die Diebin gab es ein mildes Urteil: Drei Monate bedingt wegen schweren Diebstahls. „Es war ein Zwangsverhalten ohne Not“, meinte die Richterin. Das Urteil ist rechtskräftig.