Erstellt am 15. Juni 2011, 00:00

Nach Gerichtsstreit wird Windrad nun abgebaut. SCHILDBÜRGERSTREICH? / Weltweit wird der Ausstieg aus der Atomkraft diskutiert. In Pöttelsdorf muss nun ein Windrad weg.

Baustelle? Irrtum - dieses Windrad an der Schnellstraße 31 wird nicht errichtet, sondern soeben abgebaut. Nach einem jahrelangen Gerichtsstreit bekam ein Landwirt Recht. Ein möglicher Eisabwurf von den Rotorenblättern könnte im Umkreis von 120 Metern Schaden anrichten. Diese These ist - laut Experten - aber nur theoretischer Natur. Viele Leute können über diese Entscheidung auch nur den Kopf schütteln. PLATTINI  |  NOEN
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VON MARTIN PLATTENSTEINER

PÖTTELSDORF / Windkraft ist eine der wichtigsten alternativen Möglichkeiten, um Energie zu gewinnen. Im Windpark am Pöttelsdorfer (sowie auch am Sigleßer) Hotter stehen - noch - neun Windräder.

Noch? Richtig, eines davon wird seit dieser Woche abgebaut. Dies ist das unrühmliche Ende eines jahrelangen Gerichtsstreites.

Jahrelanger Gerichtsstreit  um Windrad-Abbau
Vor fünf Jahren hatte ein Landwirt Beschwerde eingelegt, da sein angrenzender Acker (wohlgemerkt: auf diesem steht gar kein Windrad!) bei einem möglichen Eisabwurf von den Rotorblättern in Mitleidenschaft gezogen werden könne.

Den Mund verbrennen möchte sich in der Ortschaft niemand. Zu Aussagen war keiner der Beteiligten bereit. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch gemunkelt, dass es sich hier um eine Trotzreaktion eines Grundstückbesitzers handelt, der mit der Windenergie einst einen ordentlichen finanziellen Reibach machen wollte.

Der Prozess zog sich in die Länge und landete vor dem Obersten Verwaltungsgerichtshof. Letzterer entschied im Jahr 2009, dass das betroffene Windrad abgebaut werden muss. Das Kuriosum an der Sache ist, dass ein Eisabwurf lediglich theoretischer Natur sein kann. Bei entsprechenden Minustemperaturen schalten Sensoren an den Masten die Windräder nämlich automatisch ab.

„Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ist für mich nicht nachvollziehbar“, meint auch Johann Jancker, Geschäftsführer von ECO-Wind, der zuständigen Betreiberfirma. „Da wurden die Paragrafen etwas seltsam ausgelegt.“ Die Kosten für den Abbau muss die ECO-Wind zur Gänze selber tragen. „Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis wir einen Abnehmer für das Windrad gefunden haben“, erklärt Jancker. „Es wird in Zukunft aber nicht in Österreich stehen.“

Auch ÖVP-Ortschef Rainer Schuber bedauert die Ist-Situation: „Es kann nicht sein, dass ein Windrad abgebaut wird“, so der Bürgermeister. „Hier haben viele Faktoren zusammen gespielt, warum es überhaupt soweit kommen konnte.“ Einsehen kann er die Gerichtsentscheidung auch nicht. „Weltweit wird diskutiert, dass Atomkraftwerke geschlossen werden sollen, und wir bauen ein Windrad, welches der alternativen Energiegewinnung dient, eben ab.“