Erstellt am 22. September 2014, 15:27

von Richard Vogler

„Wir waren bezahlte Statisten“. Die Geschichte rund um den „Nazi-Keller“ in Marz bekam Montagmittag eine drastische Wende. Die in Ulrich Seidls Film „Im Keller“ zu sehenden Marzer Musikanten waren vom Filmemacher bezahlte Statisten.

 |  NOEN, zVg
Die Situation der Kellerrunde, die man unter Hitler-Devotionalien singend filmte, stellt sich nun anders dar.
„Nach einem ‚Hochzeitsspielen‘ sollten einige Musikanten als Statisten mitwirken. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht, was auf uns zukommt. Vier Komparsen wurden an diesem Tag  ausgewählt, unterzeichneten einen Werkvertrag, wofür sie auch bezahlt wurden.

x  |  NOEN, zVg
Auch alle anderen Szenen wurden von Herrn Seidl arrangiert und inszeniert, auch die Requisiten und die Einrichtungsgegenstände wurden von ihm ausgewählt“,  betont einer der Mitwirkenden gegenüber der BVZ.

Der Werkvertrag liegt der BVZ exklusiv vor (klicken Sie auf das Dokument, um es in voller Auflösung zu betrachten).

Gemeinderäte distanzieren sich von NS-Gedankengut

Unter den Mitwirkenden befanden sich auch zwei ÖVP-Gemeinderäte, die mittlerweile aus allen Funktionen der Partei zurückgetreten sind.  Warum man erst jetzt mit der Tatsache, dass man als Statisten mitwirkte, an die Öffentlichkeit geht?

„Die ganze Sache ist medial explodiert, auf Druck der Bundes-ÖVP sind wir zurückgetreten. Wir haben erst diesen Montag das Schriftstück, mit dem wir dies belegen, auftreiben können“, so die Beteiligten,  die abschließend festhalten: „Wir grenzen uns entschieden von jeglichem NS-Gedankengut ab, wir haben oder hatten mit solchen Gräueltaten nie etwas am Hut.“

Seidl beteuert Authentizität

Der Filmemacher Ulrich Seidl hat die Authentizität der Szenen seines neuen Films "Im Keller" beteuert, die Männer singend zwischen Nazi-Devotionalien in einem Keller im Burgenland zeigen. Er wies am Montag die Darstellung der Mitwirkenden zurück, die Einrichtung sei von ihm ausgewählt worden. "Ich verstehe menschlich, dass sie versuchen, ihre Haut zu retten", sagte der Regisseur.

"Sie haben aber, genauso wie der Großteil der darüber schreibenden Journalisten, den Film noch gar nicht gesehen." sagte der Regisseur. Dass sie als Statisten nicht gewusst hätten, was auf sie zukommt, ist aus Sicht des Regisseurs unrichtig. Die Mitwirkenden hätten tatsächlich eine Aufwandsentschädigung bekommen, sagte Seidl, "wie das bei Dreharbeiten allerorts normal und üblich ist, auch bei Dokumentarfilmen".

Polizei hat von Raum gewusst

Es handle sich aber bei dem Keller um einen von einer der handelnden Figuren eingerichteten Ort, der von ihm, seinen Freunden und anderen Dorfbewohnern "hunderte Male" besucht worden sei. Auch die Polizei habe von dem Raum gewusst.

Für den Regisseur spiegelt der Raum die Einstellung der in seinem Film handelnden Person wieder. Bei dem Protagonisten handle es sich nach Einschätzung des Filmemachers "um keinen Nazi, sondern einen Nostalgiker, der die Hitlerzeit verharmlost". Er sei "der Hitlerei verhaftet". Und so wie in dem burgenländischen Dorf gehe es vielerorts in Österreich zu.

Mehr zum Thema: