Erstellt am 15. April 2016, 13:40

von Judith Jandrinitsch

Neuauflage für Dialektbuch: „Heat`s ma guat zua“. Johann Kriegler hat das „Kleine Lexikon der Wiesener Mundart“ durch viele sprachliche Gustostückerl ergänzt.

Wortgewandt. Johann Kriegler mit dem Umschlag der Neuauflage des Dialektbuches. Foto: JJ  |  NOEN, Judith Jandrinitsch
40 Jahre lang hat Johann Kriegler als Deutschlehrer in vielen Klassenzimmern unterrichtet – nicht nur in Wiesen. Es war ihm immer ein Anliegen gewesen, die deutsche Hochsprache korrekt zu vermitteln – bis er erkannte, dass es nicht nur wichtig ist, die Schreibschrift zu beherrschen, sondern auch den Dialekt der eigenen Heimatgemeinde.

Kinder öffneten Deutschlehrer die Augen

„Es ist mir wichtig, den Dialekt zu dokumentieren. Sonst gehen viele Wörter verloren, weil sie die junge Generation einfach nicht kennt“, betont Kriegler seine Absicht, vielmehr den Mundart-Wortschatz festhalten zu wollen, als die Wortherkunft zu erforschen.

Das Interesse an Dialektausdrücken ist groß, das zeigt sich schon alleine daran, dass die erste Ausgabe des Lexikons bereits seit zwei Jahren vergriffen ist. Der studierte Historiker und Deutschlehrer wurde dadurch bestärkt, ein Dialektbuch zu schreiben, als er bemerkte, dass Kinder mit einfachen Aussagen wie z.B. „Gib‘ ma den Sturz her“ überhaupt nichts mehr anfangen können. Einfach weil sie nicht wissen, dass der Sturz der Deckel eines Topfes ist.

Also bat er die Bevölkerung, auch die Schulkinder, ihm Wörter zuzutragen. „Ich bin keinem Wort ausgewichen“, schmunzelt Kriegler, weil es im Dialekt ja auch Wörter gibt, die viel derber klingen als in der Hochsprache. Jetzt sieht er sein Projekt als vollendet an.

Besonderes Augenmerk auf die „Heanzen“

„Ich bin nicht mehr der Jüngste, nächstes Jahr werde ich 85 Jahre alt“, erklärt Kriegler. Doch eines beschäftigt ihn nach wie vor: die Bedeutung und Herkunft des Wortes „Heanzen“.

„Die Heanzen sind ein Diskussionsgegenstand vom Seewinkel bis ins Südburgenland“, erklärt Kriegler. Gemeinhin wird angenommen, dass damit die deutschsprachige Bevölkerung des Burgenlandes gemeint ist, und dass der Ausdruck einfach von „Hean‘s“ kommt, also der Anrede „Hören Sie“.

Doch im Gasthaus Heanzenhof in Bernstein bekam er den Tipp, es könnte sich auch um „Heana z‘kafa“, also „Hühner zum Kaufen“ handeln. Diskussionsstoff gibt es also noch genug.

Zum Buch

Das Buch ist Ende März im Eigenverlag der Marktgemeinde Wiesen erschienen und ist im Gemeindeamt Wiesen sowie im regulären Buchhandel erhältlich.

Das Werk umfasst 552 Seiten und kostet 25 Euro. Das Titelbild wurde nach Vorlage alter Fotos mit Tusche und Feder von Anton Widlofer jr. gezeichnet.
 

Kleines Dialekt-Quiz

Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Drei Antwortmöglichkeiten stehen zur Auswahl, die Auflösung finden Sie unten.

Biaré:
a) geheime Kammer
b) Brei, breiige Speise
c) schlimmer, ungezogener Bub

gwuidlt
a) unübersichtliches Chaos
b) das Küchengerät Quirrl
c) sich emsig bewegen

Lewitó
a) jmd. die Leviten lesen
b) Lebtag
c) Leibrente

Pantschn
a) etwas mischen
c) Pantoffeln
d) Pansen, Magen der Wiederkäuer
 


Antworten:

b) Brei: frz. purée, c) „wurlen (=emsig bewegen), b) das ganze Leben lang, d) Pansen