Neudörfl

Erstellt am 28. August 2016, 06:09

von Judith Jandrinitsch

Heurigenkultur im Wandel: „Der Gast verlangt es“. Früher waren die Heurigenbesucher mit Wein und Schmalzbrot zufrieden. Heute wollen viele ein Schnitzel.

Der Chef kocht: Peter Wittmann unterstützt Rita und Piroska in der Küche vom Heurigenrestaurant.  |  Judith Jandrinitsch, JJ

Seit 70 Jahren ist das Heurigenlokal Wittmann aus Neudörfl nicht wegzudenken. 2009 haben die Lokalbetreiber aber aus dem klassischen Heurigen ein Heurigenrestaurant gemacht. „Man muss sich den Wünschen der Kunden anpassen. Der Kunde bestimmt, was serviert wird“, erklärt Chef Peter Wittmann.

„Jeder, der sich heutzutage in der Gastronomie selbstständig macht, ist entweder mutig oder ein Selbstmörder“

Peter Wittmann

Denn was früher in einem Heurigen undenkbar war zu servieren, ist heute längst im Heurigenrestaurant Standard: Kaffee, Bier und Schnitzel. Er hat das Restaurant von seinen Eltern übernommen.

„Jeder, der sich heutzutage in der Gastronomie selbstständig macht, ist entweder mutig oder ein Selbstmörder. Es gibt so viele bürokratische Hürden zu meistern, um ein Lokal überhaupt aufsperren zu können“, erzählt Wittmann, der nach der Weinbauschule in Eisenstadt eigentlich andere Pläne hatte. Heute ist er nicht nur für den Weinbau verantwortlich, sondern kocht sogar selbst.

Warum sich die vielen Heurigen in Neudörfl so lange halten konnten, ist für ihn leicht erklärt. „Wir in Neudörfl profitieren von unserem guten Ruf, das Grinzing von Wiener Neustadt zu sein. Außerdem hat es jeder Heurigenbetrieb geschafft, seine eigene Nische zu finden“.

Schritt zum Restaurant? „Haben gar nicht den Raum dafür“

Hermine Steiger ist zu Recht stolz auf die selbst produzierten Würstl.  |  Judith Jandrinitsch

Im Heurigenbetrieb Wittmann setzt man auf Regionalität und Wild, das die Jagdgesellschaft liefert. Der einzige Heurige im klassischen Sinn ist der Heurige Steiger.

„Wir bringen unsere Schweine zum EU-zertifizierten Schlachthof Fröch in Zemendorf. Dann holen wir die Hälften wieder ab und verarbeiten das Fleisch zu Blunzn, Bratwürsteln, Hauswurst und Schmalz weiter“, erzählt Hermine Steiger.

Auch ein warmer Schweinsbraten darf im Lokal serviert werden, weil der Heurige über die Konzession des erweiterten Heurigenbuffets verfügt. Schnitzel hingegen gibt es keine.

„Wir haben gar nicht die räumlichen Möglichkeiten uns so zu vergrößern, dass wir ein Restaurant werden könnten“, erklärt Hermine. Außerdem sei es Einstellungssache, ob man diesen Schritt setze oder nicht.

„Wir haben viele Stammkunden, die unser Lokal und unser Angebot so wie es ist sehr schätzen. Die kommen auch zu unserem Ab-Hof-Verkauf, auch wenn der Heurige geschlossen ist“, berichtet Hermine Steiger. Darum ist klar: Der Heurige Steiger bleibt so, wie er ist.