Neudörfl

Erstellt am 07. Oktober 2016, 09:21

von Judith Jandrinitsch

Langer Tag der Flucht: Nähen für die Zukunft. Das Haus Sarah beteiligte sich zum ersten Mal im Haus selbst am Aktionstag. Das Programm war vielfältig.

Selbst entworfen und genäht. Bahir an der Nähmaschine, Hausleiter Florian Gstettner, Ingrid Loibenböck und Bahram in von Bahir genähten Kleidern. Im Hintergrund hängen ebenfalls Kreationen von Bahir.  |  BVZ

Wie stellt man eine Fluchtgeschichte dar? In dem man mit einer Straßenbahn durch Wien fährt und bei jeder Station eine andere Fluchtszene darstellt. „Im Vorjahr haben unsere Burschen an dieser Aktion teilgenommen. Heuer haben wir uns dazu entschieden, im Haus Sarah etwas zu dem Thema zu machen“, erzählt Hausleiter Florian Gstettner. Auf allzu aufwühlende und an Trauma rührende Details hat das Team dabei bewusst verzichtet. „Die Erfahrungen wirken ja nach. Bei uns brennt immer das Licht, auch wenn die Burschen 16, 17 Jahre alt sind“, so Gstettner.

Ängste abbauen lautet daher auch das Motto von Helga Lomosits, die regelmäßig ins Haus kommt und mit den Bewohnern Deutsch lernt. „Es fürchtet sich ja nicht nur die Mehrheitsbevölkerung vor allem, was fremd ist. Es fürchten sich ja auch unsere Burschen vor dem, was sie hier erwartet. Und was passiert, wenn sich zwei fürchten?“, fragt die Deutschlehrerin und lässt den Satz unvollendet. Die Burschen möchten zeigen, was sie können. So wie Bahir, der ein Meister an der Nähmaschine ist. Das zeigt er auch am Langen Tag der Flucht. Er näht den Burschen im Haus ihre Kleidung enger und kreiert auch eigene Modelle. Dass Burschen in Afghanistan nähen und in Textilfabriken arbeiten, ist nichts Ungewöhnliches. Afghanischen Frauen ist das Verlassen des Hauses zwecks Erwerbsarbeit immer noch fast unmöglich. Und die Liebe und das Gespür für die Nähmaschine spürt man bei Bahir einfach. Ob er das auch für die Zukunft verwerten kann? „Ohne Pflichtschulabschluss kommen die Burschen nicht weiter. Daher ist es das Um- und Auf, dass sie den Pflichtschulabschluss schaffen“, erklärt Gstettner. Auch wenn das Talent so offensichtlich ist wie bei Bahir.