Erstellt am 22. April 2015, 10:09

von Richard Vogler

KUZ: Kritik von Edi Sieber. Altbürgermeister Sieber beanstandet Vorgehensweise von Parteikollegen. Dieser kontert, dass "alle Beteiligten bei allen Schritten miteingebunden waren".

Langwierige Diskussion. Laut Bieler soll es auf jeden Fall einen fixen Wirten im künftigen Kulturzentrum geben.  |  NOEN, Vogler

Mattersburgs SPÖ-Altbürgermeister Edi Sieber ist zwar Mitglied der Plattform „Rettet das Kulturzentrum“, medial blieb er jedoch stets im Hintergrund. Bis vergangener Woche – mit einem offenen Brief an Kulturlandesrat Helmut Bieler (ebenfalls SPÖ) sorgt er für Aufsehen (siehe unten).

Sehr zum Ärger von Landesrat Helmut Bieler. Bieler verweist darauf, dass „sämtliche Beteiligte und die Sprecher der Plattform in der Erstellung des grundlegenden Positionspapieres des ’KUZ Mattersburg Neu‘ wie auch in allen weiteren Schritten und Belangen eingebunden waren und diese nachweislich mitgetragen haben. Des Weiteren ist anzuführen, dass der vom Land Burgenland versprochene offene Diskussionsprozess ohne Einschränkung umgesetzt wurde, die involvierten Institutionen mit dem Ergebnis zufrieden sind und das Ergebnis sehr wohl einstimmig beschlossen wurde.

"Mit Investitionsvolumen kann man Nachhaltiges schaffen"

Für Bieler steht ebenso „außer Streit, dass im Zuge des anstehenden Architektenwettbewerbs jene Variante ermittelt werden soll, die insbesondere die Vorgaben des mehrseitigen Positionspapieres in Summe am besten abbildet.“ Jene Passage in Siebers Brief, wonach es einen Catering-Betrieb geben soll, weist Bieler vom Tisch. „Dies ist einfach nicht richtig. Im Positionspapier ist festgehalten, dass ein fixer Gastronom Teil der Ausschreibung sein soll.“ In seinem offenen Brief spricht Sieber von „Leuten, die sich mit den Vorschreibungen der BH befasst hatten, befanden, dass in wenigen Monaten mit geringen Mitteln das Kulturzentrum saniert werden könne.“

Sieber spielt darin auf die Ursprünge der Planungen für das „KUZ Neu“ – noch vor dem aktuellen Prozess mit der Plattform – an. Kurz nach dem Bescheid von 2011 wurde Architekt Werner Prünner von den Kulturzentren beauftragt, einen Sanierungsplan zu erstellen, der auch einen Einreichplan wie eine behördliche Verhandlung zur Folge hatte. Kostenpunkt: Geschätzte 2,5 Millionen. „Eine reine Behebung der Auflagepunkte des BH- Bescheides würde viel zu kurz führen und wäre aus wirtschaftlichen, technischen und funktionellen Gründen nicht sinnvoll“, so Bieler und auch Prünner bestätigt dies: „Damit wären quasi nur die Mängel beseitigt gewesen. Mit dem nun bekannt gegebenen Investitionsvolumen von rund 8 Millionen kann man etwas Nachhaltiges schaffen.“

Saalgröße: "Sehr wohl Bedarf für Maximalanforderungen"

Auf die von Edi Sieber angesprochene Saalgröße entgegnet Bieler, dass „die Kritik an der Saalgröße von 600 Personen eine Kritik am Wunsch der beteiligten Institutionen und der Bevölkerung sei. Die Basiszahl 600 bezieht sich auf die Raumkonfiguration Theater, Kabarett, Konzert und ähnliche kulturelle Veranstaltungen. Hier ist sehr wohl Bedarf für diese Maximalforderungen. Zu verweisen ist, dass der große Saal für Bälle und ähnliche Veranstaltungen ein Fassungsvolumen von 250 bis 400 Personen ausweisen wird. Dies war immer Wunsch der Stadtgemeinde und der Vereine.“

Ursprünglich war angedacht, das Mattersburger Kulturzentrum abzureißen und ein komplett neues Gebäude zu errichten. Nach Widerstand von Seiten der Bevölkerung (die Unabhängige Plattform „Rettet das KUZ“ sammelte rund 2.000 Unterschriften für den Erhalt des Gebäudes) wurden diese Pläne wieder verworfen. Intention dahinter ist die kulturelle und architektonische Bedeutung (der markante Betonbau) sowie die historische (der Standort in Mattersburg ist das älteste Kulturzentrum des Burgenlandes).

In weiterer Folge wurde ein Positionspapier mit Eckpunkten für das „KUZ Neu“ verfasst. Basierend auf dieser Grundlage wurde von einem Architekten eine Studie veranlasst, diese dient als Grundlage für die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs.


Der offene Brief von Altbürgermeister Edi Sieber an Landesrat Bieler im Wortlaut:

x  |  NOEN, privat

Lieber Herr Landesrat Bieler!

Darf ich ein paar Gedanken im Zusammenhang mit dem „Neubau des Kulturzentrums Mattersburg“ (so wird das Projekt ja jetzt bezeichnet) vorbringen?

Es ist sehr viel diskutiert worden, wie man vorgehen soll. Wir Mattersburger haben den Vorschlag gemacht, an dem Kulturzentrum möglichst wenig zu ändern, denn jeder, der das Kulturzentrum in den letzten Jahren betreten hat, war vom guten Erhaltungszustand überzeugt. Es verwunderte daher sehr, dass es plötzlich nicht mehr betreten werden dürfe, ja dass es abgerissen werden müsse.

Leute, die sich mit den Vorschreibungen der BH befasst hatten, fanden, dass in wenigen Monaten mit geringen Mitteln das Kulturzentrum saniert werden könne. Und plötzlich sollte es abgerissen werden. Wir verstanden das nicht wirklich! Wir verstehen auch nicht, dass plötzlich bis zu 8 Millionen Euro ausgegeben werden müssen, um diese geringfügigen Veränderungen durchzuführen.

Es ist dann von Deinem Büro die Notwendigkeit eines Saales für 600 Personen urgiert worden. Ich weiß nicht, wie oft Du schon bei Veranstaltungen im KUZ warst – normalerweise reicht der bestehende Saal sehr wohl aus, aber selbst eine Vergrößerung auf 600 Personen ließe sich mit geringen Mitteln durch Verlängerung über die Artbox erreichen. In Deinen letzten Aussendungen schreibst Du, dass ein Catering-Betrieb die Versorgung mit Speisen und Getränken übernehmen wird.

Da sind wir nicht Deiner Meinung - und Du hast uns das auch vor einem Jahr zugesagt, dass ein Restaurantbetrieb im Kulturzentrum bleiben wird. Wir Mattersburger sind zufrieden mit unserem Kulturzentrum, es muss nicht „neu gebaut werden“. Vielleicht könnte man einige von den Millionen für zusätzliche Programme – unentgeltliche Benützung des Saales für Jugendveranstaltungen, Möglichkeiten für Kinder, selbst etwas zu entwickeln, Veranstaltungen für ältere Mitbürger wie es früher war u.a. verwenden.

Der Bau ist ein Denkmal sozialistischer Kulturpolitik – schon aus diesem Grund sollte er bestehen bleiben, wie er ist .Es wäre ein schöner Zug, wenn Du Dich überwinden könntest zu sagen: „Wir erfüllen den Wunsch der Mattersburger Bürger und verzichten auf einen Neubau!“ Denk einmal auch an uns Bürger!

Edi Sieber, ehem. Bürgermeister