Erstellt am 06. Mai 2013, 11:20

Pensionistin 2006 getötet - Prozess begonnen. Eine Bluttat, die bald sieben Jahre zurückliegt, steht ab heute, Montag, im Mittelpunkt eines Mordprozesses in Eisenstadt.

Der vor knapp sieben Jahren verübte Mord an einer 73-jährigen Frau im burgenländischen Pöttsching beschäftigt seit Montag einen Geschworenensenat in Eisenstadt: Ein 43-jähriger Mann ist angeklagt, die Pensionistin im Sommer 2006 in ihrem Haus getötet zu haben, indem er auf sie eingestochen und ihr die Kehle durchgeschnitten haben soll. Die Verletzungen hatten binnen Minuten zum Tod geführt. Die Anklage stützt sich auf die Auswertung von DNA-Spuren, die am Opfer sichergestellt wurden. Nach Zeugenbefragungen und der Anhörung dreier Sachverständiger wurde der Prozess unterbrochen und soll am Dienstag fortgesetzt werden.

Der 43-Jährige hatte im Sommer 2005 einige Tage zusammen mit einem befreundeten Gärtner am Grundstück der Frau in Pöttsching gearbeitet. Die 73-Jährige sei wohlhabend, aber einsam gewesen, im Keller des Hauses befand sich auch ein Tresor.

2006, als es ihn finanziell schlecht gegangen sei, sei der Angeklagte am 30. Juli nach Pöttsching gefahren und habe sich auf das Grundstück der Frau begeben, schilderte Staatsanwältin Petra Schweifer. Der Angeklagte habe die 73-Jährige von der Terrasse ins Haus gedrängt und sie dort getötet.

"Es war eine kombinierte Attacke mit einem Messer", beschrieb der medizinische Sachverständige Johann Missliwetz die dem Opfer zugefügten Verletzungen. Die Pensionistin war von fünf Stichen getroffen worden. Einer davon ging in den Brustkorb und wäre bereits tödlich gewesen - hätte der Täter dem Opfer nicht auch noch einen Schnitt in den Hals zugefügt. Dabei war der Frau die Kehle durchschnitten und Speise- sowie Luftröhre durchtrennt wurden. "Innerhalb von einer Minute bis eineinhalb Minuten kann diese Verletzung zum Tod durch Blutverlust führen", so Missliwetz.

Ein exakter Hergang der Tat lasse sich nicht schlüssig darlegen. Der Täter "kann weder ein Zwerg gewesen sein, noch extrem groß", erläuterte die medizinische Gutachterin Andrea Spira. Hingegen würde es Sinn machen, wenn Täter und Opfer - die Frau maß 1,66 Meter - annähernd gleich groß wären, so die Sachverständige.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. "Ich war nie drinnen in diesem Haus", er habe sich nur im Garten und im Keller aufgehalten, antwortete der Angeklagte auf die Fragen der Vorsitzenden Karin Knöchl. Er habe mit der Frau auch nie gesprochen. Die Pensionistin habe ihm und dem Gärtner 2005 bei der Arbeit lediglich einmal das Essen auf die Terrasse gebracht. Auch die am Opfer sichergestellte DNA-Spur "kann nicht von mir sein", beteuerte der Mann.

Dass er Verwandte um ein falsches Alibi gebeten habe, sei "ein großer Fehler" gewesen, räumte er ein. Am Tag, als der Mord geschah, sei er zunächst zu Hause in Neudörfl gewesen. Später sei er einkaufen gefahren und habe sich dann noch in einem Lokal in Wiener Neustadt ein Match angesehen. Es gebe nichts, was beweise, dass ihr Mandant der Täter sei, erklärte Verteidigerin Banu Kurtulan. Bei der DNA-Probe sei nur das Y-Chromosom extrahiert worden, womit es in der Verwandtschaft des Angeklagten mehrere Personen gebe, die "genau dieselben Spuren" hinterlassen haben könnten wie ihr Mandant.

Zudem vertrete der Kriminalpsychologe Thomas Müller, der im Prozess am 27. Mai gehört werden soll, die Auffassung, dass es sich nicht um ein Vermögensdelikt, sondern um eine Beziehungstat handle, so Kurtulan. Der 43-Jährige habe Geldschwierigkeiten gehabt: "Wird man deshalb zum Mörder? Sicherlich nicht", meinte die Anwältin.

Aus Sicht der Staatsanwältin wird der Angeklagte durch DNA-Spuren an den Fingernägeln der rechten Hand sowie am Hals und im Mundbereich des Opfers schwer belastet. Die Spuren wurden erst 2012 mittels verfeinerter Untersuchungsmethoden ausgewertet.

DNA-Expertin Christa Nussbaumer erläuterte die in dem Fall angewandte Methode der Analyse: Dabei wurde ein am Y-Chromosom orientiertes Profil erstellt, wie es sich nur bei Männern finde. "Y-spezifische Profile ermöglichen keine eindeutige Zuordnung", so die Sachverständige. Insgesamt seien 48 Vergleichsproben von anderen Personen zur Verfügung gestanden. Bis auf jene des Angeklagten hätte jedoch keine Probe zu dem sichergestellten DNA-Profil gepasst. Auf die Frage der Verteidigerin räumte die Gutachterin ein, Y-spezifische Profile wie bei dem 43-Jährigen seien bei anderen Menschen nicht auszuschließen.

Bei der Zeugenbefragung entschlugen sich mehrere Familienmitglieder des Angeklagten der Aussage. Drei Zeugen waren nicht erschienen. Sie sollen ebenso am Dienstag zu Wort kommen wie der Gerichtspsychiater Reinhard Haller.