Erstellt am 27. Mai 2015, 10:41

von Richard Vogler

Schandl: "Wirte-Aussterben vorprogrammiert". Der Pöttelsdorfer "Stegschandl"-Wirt Thomas Schandl prangert die Missstände rund um die Gastronomie an.

Klare Ansagen. Thomas Schandl kritisiert die Vorschriften und Auflagen im Burgenland.  |  NOEN, Richard Vogler

In den letzten Jahren sperrten im Bezirk zahlreiche Gasthäuser zu (siehe Infobox). Geht es nach Stegschandl-Wirt Thomas Schandl, so ist das endgültige Sterben der „klassischen Gastronomie“ nur eine Frage der Zeit – falls sich an den Auflagen und Vorschriften nicht bald etwas ändert.

„Die Vorschriften und Auflagen im Burgenland sind mit jenen in anderenLandesteilen Österreichs nicht zu vergleichen. Genau deshalb sperren so viele Wirte und Gastronomen im Burgenland zu. Wenn es zum Beispiel um Betriebsübernahmen geht wo diese überzogenen Auflagen vorgeschrieben werden. Da gibt es Auflagen, die laut Gesetz „nach Stand der Technik“ ausgeführt werden müssen. Diese sind zum Großteil für einen durchschnittlichen Gastronomiebetrieb extrem überzogen und in Wahrheit nicht leistbar. Ändert sich nichts, ist das Aussterben der bodenständigen Gastronomie im Burgenland nur mehr eine Frage von maximal einer Generation.“

Probleme bei der Suche nach Personal

Schandl weist auf ein weiteres Problem hin: Er ist seit Monaten auf der Suche nach „inländischem, arbeitswilligem Personal. Es gab nur eine Bewerbung, die diese Voraussetzung erfüllt.“ Die Verpflichtung eine Registrierkasse einzuführen, sorgte in letzter Zeit für Aufregung.

„Wer im Burgenland einen Gastronomiebetrieb als Familienbetrieb führt, kann diese Verpflichtung nur als Hohn aufnehmen. Hier werden die Wirte wirklich als Verbrecher dargestellt! Ich bin nicht gegen eine Registrierkasse, da wir selbst schon seit Jahren damit arbeiten, weil das in unserer Betriebsstruktur wirtschaftlich ist, was aber sicher nicht für alle Betriebe gilt“, so Schandl, um weiter auszuführen: „Ich bin aber gegen eine Verurteilung einer Branche, die sich in Wahrheit auf gut Deutsch gesagt den Arsch aufreißt, jedes Wochenende und jeden Abend für andere da ist, um dann als Verbrecher hingestellt zu werden.“

Anonyme Anzeige sorgt für Ärger

Bei Schandl ging vor Kurzem eine anonyme Anzeige ein. „Wenn schon jemand meint, einen anderen anzeigen zu müssen, dann soll er dazu stehen und seinen Namen unter die Anzeige setzen – verpflichtend – und nicht mit ’ein braver Steuerzahler‘ unterschreiben, wie das bei uns vor Kurzem der Fall war.“

In diesem Zusammenhang verweist Schandl auf „derart unakzeptable Methoden, die im Moment in Österreich Einzug halten. Die Bürger werden mit Anlaufstellen und Homepages aufgefordert, ihre Mitbürger und Nachbarn, Gewerbetreibende und Landwirte, aber auch Arbeitnehmer zu bespitzeln und diese dann ’anonym‘ anzuzeigen! Wenn das nicht an eine Vergangenheit erinnert, die unsere Geschichte im Negativsten geprägt hat – davon will ich mich ausdrücklich distanzieren, denn im Prinzip wird jeder gegen jeden aufgewiegelt und im Endeffekt traut dann keiner mehr dem anderen“, so Schandl.

Schandl fordert Bürokratieabbau

Abschließend gibt es auch Kritik in Richtung des Landeschefs: „Und wenn unser Herr Landeshauptmann, nachdem er die Steuerreform mitbeschlossen hat, vor der Landtagswahl draufkommt, dass er die Gastronomie unterstützen möchte, dann möge er das bitte nachhaltig mittels Auflagenabbau und Bürokratieabbau tun, und nicht mit Förderungen, die nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.“

Landeshauptmann Hans Niessl erklärt, dass „die SPÖ Burgenland die erste Länderorganisation in Österreich war, die eine spürbare Steuerreform gefordert hat. Ich habe jedoch auch von Anfang an gesagt, dass ich mit der Gegenfinanzierung nicht einverstanden bin“, um darauf hinzuweisen, dass „ich die Dorfwirtinitiative ins Leben gerufen habe, um genau auf diesen Missstand hinzuweisen. Hier geht es in erster Linie um gezielte Fördermöglichkeiten und gleichzeitig darum, Bürokratie abzubauen. Da bin ich genau Ihrer Meinung. Also bedanke ich mich bei Ihnen für die Bestätigung meiner Initiative. Der Dorfwirt ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Gesellschaft und das soll auch so bleiben.“


Infos

Ein Auszug aus dem „Sterben“ der klassischen Wirtshäuser im Bezirk während der letzten fünf Jahre:

  • Gasthaus Wiesinger (Hirm): Das Traditionswirtshaus von „Wickerl“ Wiesinger sperrte 2011 zu, da der Wirt und seine Gattin in den Ruhestand traten. Aus dem Gasthaus wurden Wohnungen und das Dorfzentrum.

  • „Dorfstubn“ (Pöttelsdorf): Schloss im Jahre 2011. Das Gebäude wurde abgerissen, die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft baut dort zurzeit Wohnungen.

  • Gasthaus Schweiger (Wiesen): Der Betrieb wurde 2011 eingestellt.

  • Gasthaus Sailer (Rohrbach): Im Jahre 2011 geschlossen.

  • Bahnhofsrestaurant (Mattersburg): „Motz“ Gerdenitsch schloss 2012.

  • Gasthaus Daskalakis-Sauerzapf (Forchtenstein): Seit 2012 kein regulärer Betrieb mehr, nur mehr für private Feiern auf Anfrage geöffnet.

  • „Piller-Stub’n“ (Draßburg): 2012 übernahm ein neuer Pächter, der schlussendlich 2013 den Betrieb einstellte.

  • Gasthaus „Schreiner Lore“ (Forchtenstein): „Aus“ im Jahre 2013. Danach fanden sporadisch Festivitäten statt, mittlerweile gibt es gar keinen Betrieb mehr.

  • Martinischenke (Mattersburg): Stefan Zach ging mit Ende 2013 in Pension.

  • Gasthaus Salamon (Stöttera): Hans Salamon trat mit Ende 2014 in den Ruhestand und sperrte somit zu. Gattin Renate bietet noch einen Catering-Betrieb an.

  • „Karlwirt“ (Wiesen): Schloss im vergangenen Jahr seine Pforten.

  • Gasthaus Hauer (Loipersbach): Ist zurzeit noch geöffnet. Gastronom Thomas Hauer kündigte aber an, mit Ende des Jahres schließen zu wollen.


Anm.: Schließungen von Heurigen wie „Die Alte Schule“ (Walbersdorf), Kaffeehäusern wie das „Sportcafe“ (Mattersburg) oder Heurigenrestaurants wie das der Familie Knotzer (Neudörfl) sind hier nicht berücksichtigt. Gasthäuser, die vor 2011 zusperrten, sind ebenso nicht angeführt.