Erstellt am 12. Februar 2014, 11:00

von Helga Ostermayer

Proteste gegen Direktorin. Wiesen / Leiterin Renate Auer darf wieder das Ruder an der Volksschule Wiesen übernehmen. Die Eltern drohen, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen.

Elternvertreter. Anton Bogner: »Es gibt zahlreiche Anzeigen beim Landesschulrat und bei der Bezirkshauptmannschaft.«  |  NOEN
Von Helga Ostermayer

Volksschuldirektorin Renate Auer war vor zwei Jahren wegen eines Verfahrens von der Schule genommen worden. Sie focht dieses an und gewann. Nun darf sie wieder als Direktorin an die Schule zurück.

Gegen die Schuldirektorin laufen zwei Verfahren – ein Entlassungsverfahren, bei dem nun die Schuldirektorin Recht bekam und ein Disziplinarverfahren, dessen Ausgang noch ungewiss ist.

Resch: „Entscheidung tut mir richtig weh“

„Das Problem ist die Volksschuldirektorin an sich“, sagt Elternvertreter Anton Bogner. Laut Bogner gebe es zahlreiche Anzeigen beim Landesschulrat und bei der Bezirkshauptmannschaft, in denen Vorwürfe gegen die Direktorin vorgebracht würden. Eltern seien aus der Schule regelrecht hinausgeschmissen worden, Kinder seien in Einzelgesprächen gezielt gemobbt worden und es habe überhaupt keine Gesprächskultur mit dem Elternverein gegeben“, legt Bogner Renate Auer zu Last.

Vor zwei Jahren hatte der Landesschulrat die Notbremse in dem Streit gezogen und die Direktorin suspendiert. Ein Verfahren war eingeleitet worden, um die Vorwürfe zu prüfen. Seither leitete die Volksschulpädagogin Heidi Baswald die Schule interimistisch. Mit ihr waren die Eltern sehr zufrieden.

Landesschulratspräsident Gerhard Resch: „Direktorin Auer wird keine Klasse führen, sie wird nur die Direktion leiten. Dieses Urteil ist eine Ansichtssache des Gerichtes und wir leben in einem Rechtsstaat. Ich bedauere diese Entscheidung, das tut mir richtig weh. Ich bin genauso unglücklich wie die Eltern, dass Frau Auer wieder an die Schule darf. Es wird aber noch einen weiteren Gerichtsentscheid in diesem Fall geben, den müssen wir noch abwarten.“

90 Demonstranten standen vor der Schule

Am Freitag in der Früh versammelten sich rund 90 Personen - besorgte Eltern und Großeltern, den Vorstand des Elternvereins, Bürgermeister Matthias Weghofer sowie Vertreter aller im Gemeinderat befindlichen Parteien mit Transparenten vor der Schule, um gegen die Wiedereinsetzung von Renate Auer als Schuldirektorin friedlich zu demonstrieren. Am Vortag fand bereits eine Elternversammlung mit 80 Elternteilen statt, bei der die Vorgehensweise besprochen wurde.

Für das kommende Schuljahr sind an der Wiesener Volksschule schon 24 Kinder angemeldet. Es wird befürchtet, dass, wenn Renate Auer wieder Schuldirektorin wird, viele Anmeldungen wieder zurückgezogen werden.

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„Sollte die Direktorin tatsächlich zurückkehren, werden sich die Eltern wehren“, kündigte Elternvertreter Bogner am Freitag an. Man führe bereits Gespräche mit Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden und lasse prüfen, ob es rechtlich möglich sei, mit der ganzen Schule abzuwandern.

Laut Auskunft aus dem Landesschulrat ist ein sprengelfremder Schulbesuch seit Beginn des Schuljahres 2014/2015 möglich. Ein entsprechendes Ansuchen muss bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde (unter Einbeziehung des Bezirksschulrates) eingebracht werden.

Petition ging an die wichtigen Stellen 

Der Elternverein der Volksschule forderte außerdem den Landeshauptmann, die Schulbehörde und die Bezirksverwaltung in einer Petition auf, die Schulsprengelpflicht für die Wiesener Schule unverzüglich aufzuheben. Weiters wird für die nächste Woche eine Gemeinderatssitzung einberufen, in der weitere Schritte besprochen werden.

Maria Weghofer, Elternvertreterin der 3. Klasse sagt: „Wir Eltern haben am Dienstag erfahren, dass Renate Auer wieder an die Volksschule Wiesen zurückkommen wird und machen uns jetzt dagegen stark. Wir waren mit der Arbeit von Frau Baswald sehr zufrieden, es herrschte Ruhe im Ort und das Vereinsleben blühte wieder auf.“

Rückkehr als „mittlere Katastrophe für Wiesen“ befürchtet

Ein Vater befürchtet: „Wenn Frau Auer wieder zurückkommt, ist das ein Rückschlag und eine mittlere Katastrophe für Wiesen. Die Kinder und die Eltern werden wieder leiden. Im schlimmsten Fall können wir die Schule zusperren, denn es bleiben uns die Kinder weg.“

ÖVP-Bildungssprecher Christian Sagartz erwartet sich von Landesschulrats-Präsident Gerhard Resch rasches und entschlossenes Handeln. Es dürfe keine Entscheidungen auf dem Rücken der Kinder geben.

SP-Bezirkschef Klubobmann Christian Illedits weist die Kritik am Landesschulrat zurück: „An der Volksschule müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Sorgen von Eltern und Schülern Rechnung zu tragen. Wir brauchen ein Klima des Vertrauens an unseren Schulen.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Helga Ostermayer aus der dieswöchigen Mattersburger BVZ: