Erstellt am 13. Oktober 2010, 00:00

Rücktrittswelle in der Wiesener Volkspartei. Nach Differenzen mit ÖVP-Ortschef Weghofer sind seit Ende 2008 sechs Gemeinderäte zurückgetreten.

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VON HELGA OSTERMAYER

WIESEN / Die Wiesener ÖVP hat mit Personalproblemen zu kämpfen, denn es gibt einen Mitgliederschwund, der nicht alltäglich ist: Seit Dezember 2008 sind sechs Mandatare aus dem Gemeinderat ausgetreten, fünf davon verließen auch die Fraktion.

Den Beginn der Rücktrittswelle leitete Gemeindevorstand Ernst Habeler ein, er blieb der Partei jedoch erhalten. Seine Funktion wurde mit Martin Müller nachbesetzt. Die beiden Gemeinderäte Manfred Pogatsch und Karin Karner gingen im heurigen Frühjahr, sie verließen auch die Fraktion. Vergangene Woche reichten drei weitere ÖVP-Gemeinderatsmitglieder mittels Schreiben ihre Rücktritte ein: Josef Koch, Franz Nussbaumer und Franz Klawatsch, die auch der Fraktion den Rücken kehrten.

„Unser gutes Team ist  jetzt leider zerbrochen“
Josef Koch saß seit 17 Jahren im Gemeinderat, sieben Jahre versah er das Amt des Gemeindevorstands. „Nach der letzten Gemeinderatssitzung sind wir noch zusammen gesessen und haben dann entschieden, aus dem Gemeinderat auszuscheiden. Ich wollte mit meinen Mitstreitern etwas in der Gemeinde bewegen. Das gute Team, das wir hatten, ist jetzt leider zerbrochen.“ Der Grund, warum die drei Gemeinderäte gegangen sind, liegt, laut Koch, auf der Hand: „Dem Bürgermeister laufen die Leute aus der eigenen Fraktion davon, weil keine Gesprächsbasis mehr vorhanden und das Vertrauensverhältnis zerstört ist“, so Koch. Seit längerem sei schon die Rede davon, dass für die öffentlichen Gebäude der Gemeinde eine Hackschnitzelheizung gebaut werden soll, bis jetzt sei, laut Koch, diesbezüglich nichts geschehen. „Das hat uns schon zu lange gedauert, denn bis jetzt ist dafür noch nicht einmal ein Konzept da und das Projekt hängt in der Luft“, so der ehemalige Gemeindevorstand.

Auch Firmenansiedlungen seien, laut Koch, in der Erdbeergemeinde sehr schwierig. Weiters habe es Bürgermeister Weghofer sehr gestört, wenn die Gemeinderäte mit anderen Leuten gesprochen hätten, denn das legte der Bürgermeister gegen sich aus.

„Wir haben der Partei viele  Stimmen gebracht“
„Es tut uns sehr leid, dass es so weit kommen musste, dass man nicht mehr wie normale Menschen miteinander reden kann“, bedauert Josef Koch. Er fährt fort: „Wir haben uns sehr bemüht, gute Arbeit zu leisten, es ist uns auch gelungen, bei der letzten Wahl viele Stimmen zu bringen“, ist der Ex-Vorstand überzeugt. Aber: „Der Bürgermeister verträgt keine Kritik. Ich habe in der letzten Zeit wegen dieser Sache wenig geschlafen“, grämt sich Koch. Franz Nussbaumer und Franz Klawatsch waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen oder wollten nichts dazu sagen. Für die drei jüngst ausgeschiedenen Gemeinderäte sind noch keine Nachfolger vorgesehen.

„Die fünf Mandate werden  bald nachbesetzt“
ÖVP-Bürgermeister Matthias Weghofer sieht die Sache gelassen: „In jeder Gemeinde gibt es immer wieder Wechsel bei den Mitgliedern des Gemeinderats, weil im Laufe der Periode die Mandatare austreten“, meint er. „Die Gemeinderäte haben gute Arbeit geleistet, wenn sie aber jetzt anderweitig beschäftigt sind, so kann ich nichts machen.“ Die Sitze von Pogatsch und Karner wurden bislang nicht nachbesetzt. Mit den Rücktritten von Koch, Klawatsch und Nussbaumer gibt es fünf Mandate, die nachzubesetzen sind. Was auch geschehen wird, wie der Ortschef berichtet: „Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung werden für alle offenen Mandate Nachfolger feststehen.“ ÖVP-Bezirksparteiobmann Christian Sagartz wollte zu dieser Sache keine Stellungnahme abgeben.