Erstellt am 03. August 2011, 00:00

Schranken soll her!. KOLLISION / Nach erneutem Unfall wird Ruf nach einer vernünftigen Sicherheitsvorkehrung laut. ÖBB erkennt keine Mängel.

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VON HELGA OSTERMAYER UND KATHARINA TSCHÜRTZ

WIESEN / Vergangene Woche kollidierte bei einer Eisenbahnkreuzung zwischen Wiesen und Bad Sauerbrunn ein Triebwagen mit dem Heck eines Lkws. Eine 15-jährige Schülerin, die im Zug saß und der Lkw-Lenker wurden verletzt.

Der Lkw querte von Bad Sauerbrunn kommend die Kreuzung und wollte in den Güterweg Rechte Bahnzeile, der parallel zu den Gleisen verläuft, einfahren. Aufgrund einer entgegenkommenden Radfahrerin hielt der Lkw-Lenker sein Fahrzeug an. Das Heck des Lkws befand sich dabei noch auf der Kreuzung. Nur kurze Zeit später näherte sich ein Zug, mit einer Geschwindigkeit von etwa 90 Stundenkilometern. Der Triebwagenlenker gab, nachdem er den Lkw erblickte, ein Warnsignal ab. Trotz eingeleitetem Bremsvorgang kollidierte der Zug mit dem Heck des Lkws und kam erst 100 Meter nach der Kreuzung zum Stillstand. Durch den Zusammenprall entstand am Lkw Totalschaden. Sowohl eine 15-jährige Zugpassagierin als auch der Lkw-Lenker klagten nach der Kollision über Schmerzen im Genick und wurden im Krankenhaus versorgt.

Es kam dort schon öfters  zu schweren Unfällen

Dieser erneute Unfall lässt wieder den Ruf nach einem Bahnschranken an dieser Kreuzung laut werden. Der Bürgermeister von Wiesen, Matthias Weghofer berichtet: Wir haben, nachdem es dort schon öfters schwere Unfälle gegeben hat, schon alles versucht, um einen Bahnschranken zu bekommen. Er fährt fort: Sogar im zuständigen Ministerium haben wir vorgesprochen und auch mit der ÖBB führten wir bereits Gespräche. Herausgekommen ist, dass die Kreuzung etwas weiter hinaus verlegt wurde. Aber ein Schranken, der am vernünftigsten wäre, ist bis jetzt noch immer nicht in Sicht.

Auch der Bürgermeister von Bad Sauerbrunn, Gerhard Hutter, ärgert sich: Meiner Meinung nach ist es erschreckend, was auf den Eisenbahnkreuzungen passiert. Bei dieser Kreuzung sind zwar Lane-Lights in den Boden eingelassen, aber Richtung Mattersburg sieht man überhaupt nicht aus und muss schon, um überhaupt was zu sehen, auf die Schienen auffahren. Ein Schranken wäre hier sinnvoll, aber das scheint die Zuständigen nicht zu interessieren.

Entschärfung durch  Über- oder Unterführungen

Kommentar von Christoph Seif, Pressesprecher der ÖBB: 99,5 Prozent der Vorfälle auf Eisenbahnkreuzungen sind auf die Unachtsamkeit oder das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. So auch beim jüngsten Vorfall.

Ausnahmslos alle Eisenbahnkreuzungen der ÖBB seien, laut dem Pressesprecher, gesichert. Die Art der Sicherung werde von der zuständigen Eisenbahnbehörde mittels Bescheid festgelegt. Kriterien wären hier die Frequenz sowie die Geschwindigkeit auf der Straße und Schiene sowie die vorhandene Sicht.

Die ÖBB arbeite eng mit Exekutive und Experten zusammen, um die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer an Eisenbahnkreuzungen zu erhöhen. Schranken würden zwar, laut Seif, zumeist eine Kollision verhindern, wären aber keine Gewähr um Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Ziel der ÖBB sei es, die Zahl der Eisenbahnkreuzungen zu reduzieren und durch möglichst viele Unter- oder Überführungen zu ersetzen.