Erstellt am 16. März 2016, 05:34

von Josef Kleinrath und Bettina Eder

Tuberkulose-Fall im Bezirk!. Einem Burgenländer wurde die Infektionskrankheit diagnostiziert. Er wird stationär betreut, sein Umfeld untersucht.

Pulmologe Peter Schenk gibt Entwarnung: »Nicht jeder, der infiziert wurde, ist auch Überträger der Krankheit!" Foto: zVg  |  NOEN, zVg/MSM guenther boeck
Nach den Aufregermeldungen aus dem Parlament, wonach ein Mitarbeiter an Tuberkulose erkrankt sei, gibt es auch Unruhe in den vergangenen Tagen in der Rosalia Region. Bei einem Mann sei ebenfalls offene Tuberkulose im Wiener Neustädter Landesklinikum diagnostiziert worden.

Büro Darabos: „Ist der normale Weg“

„Wir können bestätigen, dass es einen Tuberkulose-Fall im Bezirk Mattersburg gibt. Er wird allerdings nicht in einem burgenländischen Spital behandelt“, heißt es aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Norbert Darabos.

Der Mann aus dem Bezirk ist mittlerweile auf die Fachabteilung im Landesklinikum Hochegg
(Niederösterreich) überstellt worden. Nähere Details über den Patienten sowie die Art der Infektion konnten aus Datenschutzgründen nicht bekannt gegeben werden.

Laut Büro Darabos sei der normale Weg, mit der Arbeitsstätte bzw. der Familie Kontakt aufzunehmen und so das Umfeld des Patienten zu untersuchen bzw. zu beobachten. Die Tuberkulose-Zahlen seien im Burgenland generell rückläufig, versichert man ebenfalls dort. 2015 hätte es nur elf Fälle gegeben, „keiner davon mit Todesfolge.“

Facharzt: „Tuberkulose ist rückläufig“

x  |  NOEN, zVg/MSM guenther boeck
Primar Peter Schenk, Leiter der Pulmologie am Landesklinikum Hochegg, erklärt ebenfalls dazu: „Die Tuberkulose kommt weltweit vor (neun Millionen Erkrankte) und ist in hochentwickelten Ländern rückläufig.“

Tuberkulose sei eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird und in erster Linie die Lunge betrifft.

„Infizierte Menschen geben die Bakterien nur an andere weiter, wenn die Tuberkuloseherde in der Lunge einen direkten Anschluss an die Bronchien haben – „offene Tbc“. Nicht jeder, der infiziert wurde, ist auch Überträger der Krankheit“, erklärt Schenk.

Eine Ansteckungsgefahr bestünde nur bei relevantem Kontakt mit einem Patienten mit offener Tbc: mehrere Stunden Kontakt in einem engen Raum (über acht Stunden). Dabei bestünde eine Ansteckungsgefahr von ca. zehn Prozent, die Erkrankungsgefahr sei niedrig: nur einer von hundert mit engem Kontakt erkranke tatsächlich.

Schenk: „Von der Behörde erfolgt eine Umgebungsuntersuchung von Menschen mit relevantem Kontakt. Die Tuberkulose ist heutzutage gut behandelbar und heilbar, Voraussetzung ist eine konsequente medikamentöse Therapie. Diese erfolgt die erste Zeit, rund zwei bis drei Wochen, stationär, solange Erreger ausgeschieden werden.“

Hintergrund: Tuberkulose

Die seit Jahrzehnten in Österreich anhaltend betriebene Tuberkulose-Überwachung samt wirksamer Therapie hat den alten Schrecken der Tuberkuloseerkrankung drastisch zurückgedrängt. Trotz mancher Schlagzeilenmeldungen ist die Zahl der Fälle seit Jahren rückläufig. Das trifft auf österreichische Staatsbürger genauso zu wie auf Bürger aus anderen Ländern.

x  |  NOEN, (APA)


"Im Jahr 2014 wurden 582 Fälle von Tuberkulose (440 bestätigte, 67 wahrscheinliche und 74 mögliche Fälle) registriert", hieß es im Tuberkulose-Jahresbericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die in Wien-Alsergrund die Nationale Referenzzentrale für die Erkrankung betreibt. 2015 wurden laut den vorläufigen Zahlen - der endgültige Report liegt noch nicht vor - laut dem Gesundheitsministerium 579 TBC-Fälle registriert.

Dies bedeutet, dass auch die Durchreise von rund einer Million Flüchtlinge bzw. rund 90.000 Menschen mit Asylanträgen an der Situation in Österreich nichts Wesentliches geändert hat. 1997 waren es in Österreich beispielsweise noch 1.480, 2007 immerhin noch 895 Neuerkrankungen gewesen.

Die daraus resultierende Inzidenz (Häufigkeit für Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr) betrug 2014 damit 6,8 je 100.000 Einwohner. Männer erkrankten 1,8 Mal häufiger als Frauen (9,1/100.000 vs. 4,7/100.000). Das Bundesland Wien war mit 11,7 Fällen pro 100.000 Einwohner am stärksten betroffen, das Burgenland mit 2,2 je 100.000 Einwohner am geringsten.

Der seit 1997 beobachtete rückläufige Trend bei der Häufigkeit bei Personen mit österreichischer Staatsangehörigkeit setzte sich auch im Jahr 2014 fort. Das gilt auch für Menschen nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft seit dem Jahr 2011 (Inzidenz 2011: 36,5 je 100.000 Personen; 2012: 33,7; 2013: 33,1; 2014: 31,2 per 100.000).

Infolge der in vielen Weltregionen weiterhin verheerenden sozialen Situation, durch offene Kriege, Bürgerkriege und Flüchtlings- und Migrationsbewegungen von Millionen der Ärmsten der Armen erkranken immer noch weltweit pro Jahr rund 9,6 Millionen Menschen an TBC. Die Todesziffer beträgt rund 1,5 Millionen.

1,2 Millionen Personen erkrankten 2014 im Zusammenhang mit HIV/Aids an der Infektion. 400.000 dieser Betroffenen starben. Weltweit ging man für 2014 von 480.000 Fällen multiresistenter Tuberkulose (190.000 Todesfälle) aus. Internationale Bemühungen haben aber deutliche Erfolge beim Zurückdrängen der Erkrankung geführt. Das schützt auch die westlichen Industrieländer.

Österreich wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts massiv von der Tuberkulose heimgesucht. Zwischen 1881 und 1914 starben pro Jahr auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaates Österreich rund 20.000 Menschen an der Tuberkulose. Nach dem Ersten Weltkrieg waren es pro Jahr noch rund 10.000 Opfer, noch 1954 fast 12.000.

25 Prozent der Todesfälle waren vor 1914 auf die TBC zurück zu führen. Wie in der Geschichte der Menschheit immer wieder vorgekommen, wurde die Krankheit häufig einer Region zugeschrieben - immer einer anderen als der eigenen. So hieß sie an der Wende zum 19. zum 20. Jahrhundert häufig "Morbus Viennensis" (Wiener Krankheit).