Erstellt am 07. Oktober 2015, 11:51

von Elisabeth Kirchmeir

Verfolgung im Pyjama: Dieb gefasst. Einer couragierten Familie ist es zu verdanken, dass in Loipersbach ein Dieb gestellt werden konnte. Dieser wurde zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe verurteil – neun davon bedingt.

 |  NOEN, Gregor Hafner
Vom 4. auf 5. August 2015 hatte ein 18-jähriger Ungar nachts sieben Stunden lang in der Ortschaft nach Diebesgut gesucht. Vorige Woche stand er vor Gericht.

Dass dem Angeklagten der Prozess gemacht werden konnte, ist einer couragierten Loipersbacher Familie und ihrem Hund zu verdanken.

„Um fünf Uhr morgens bellte unser Hund auf ganz ungewöhnliche Weise“, berichtete der Familienvater. „Ich wurde wach und roch durch das geöffnete Fenster Zigarettenrauch“, setzte seine Gattin fort. Sie schaute hinaus und bemerkte, dass im Auto ihres 19-jährigen Sohnes ein Unbekannter saß und rauchte.

Frau bemerkte, dass sich Dieb im Auto befand

Mit den Worten „Da bricht jemand in das Auto unseres Sohnes ein“, habe sie ihren Ehemann alarmiert. Dieser schlüpfte in seine Schuhe und rannte, nur mit der Pyjamahose bekleitet, hinter dem flüchtenden Dieb her.
Die Gattin verständigte die Polizei und weckte den Sohn. Dieser schloss sich barfuß der Verfolgungsjagd an und zog sich dabei schmerzhafte Brandblasen an den Fußsohlen zu.

„In der Rudolf Hutter-Gasse erwischte ich den Dieb“, berichtete der Vater. Er habe den Mann am Schlafittchen gepackt und zu sich nach Hause geführt. 20 Minuten musste er ihn am Nacken festhalten, bis die Polizei eintraf und dem Mann Handschellen anlegte.

Festgestellt wurde, dass der Ungar in seiner Tasche diverses Diebesgut im Gesamtwert von 1800 Euro gesammelt hatte, darunter ein Handy, Uhren, Führerscheine, Zulassungsscheine und Ausweise, 70 Euro Bargeld und weitere Gegenstände, die er aus unverschlossenen PKW‘s und von Privatgrundstücken gestohlen hatte.

Richterin lobte Zivilcourage der Familie

Vor Gericht bekannte sich der vierfach vorbestrafte Mann schuldig. Er habe die Diebstähle aus finanzieller Not begangen.

Richterin Birgit Falb lobte die Zivilcourage jener Familie, die den Dieb geschnappt hatte, und verurteilte den Angeklagten zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe, davon neun Monate bedingt.

„Wir schlafen seit dem Vorfall unruhig“, berichtete die Loipersbacherin, die den Dieb vor ihrem Haus bemerkt hatte. Ihre wachsame Hündin bekommt nun Verstärkung: Die Familie nimmt einen zweiten Hund bei sich auf, der mit Unterstützung einer Tierschutzorganisation in Spanien vor dem sicheren Tod gerettet werden konnte.