Erstellt am 10. September 2014, 09:30

von Elisabeth Kirchmeir

Freispruch für Opa. Tragisch: Das mutmaßliche Opfer, die Enkelin des 69-Jährigen, ist bei einem Unfall verstorben.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka
Anfang Juli 2013 soll der 69-jährige Pensionist seine 16-jährige Enkelin vergewaltigt haben – so lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Der Mann hatte selbst im Oktober 2013 Anzeige erstattet, weil er den Druck in der Familie nicht mehr ausgehalten habe und er – so sein Verteidiger Klaus Philipp – klarstellen wollte, dass er unschuldig sei.

„Hätte dafür ein Artist sein müssen“

Der Prozess hatte Ende Mai begonnen und war dann auf Anfang September vertagt worden. Kurz vor dem zweiten Prozesstag geschah ein furchtbares Unglück: Das mutmaßliche , wohin die Familie des Mädchens kurz zuvor ihren Wohnort verlegt hatte.

Sein Mandant sei aufgrund seiner körperlichen Konstitution gar nicht in der Lage, eine Vergewaltigung, wie sie geschildert worden war, zu begehen, erklärte abschließend der Verteidiger. „Er hätte für diese Tätigkeit mindestens drei, wenn nicht vier Hände gebraucht, oder hätte Artist sein müssen“, meinte Mag. Philipp.

Erheblicher Verdacht, aber auch Zweifel 

Der Schöffensenat unter Richter Wolfgang Rauter sprach den Mann schließlich im Zweifel von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen frei. „Es gab eine erhebliche Verdachtslage und es gibt keinen guten Grund für eine Falschbelastung“, meinte der Richter.

Dennoch habe es für eine Verurteilung nicht gereicht und zwar wegen eines wesentlichen Details: Gegenüber Freunden hatte das Mädchen davon berichtet, dass ihr der Mund verklebt und die Arme gefesselt worden seien, bei Gericht hatte sie diese Aussagen jedoch bestritten. Damit hat das Mädchen zumindest in diesem einen Punkt die Unwahrheit gesagt, weshalb erhebliche Zweifel an ihrer Darstellung blieben.

Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.