Wiesen

Erstellt am 21. September 2016, 08:50

von Judith Jandrinitsch

Wetterkapriolen: Horrorjahr für Obst. Erst der Frost, dann der Hagel – die Obstbauern hatten heuer nichts zu lachen und warten auf Entschädigung.

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„Ein Schaltjahr bringt nie was Gutes – das haben die Leute immer schon gesagt“, meint Josef Koch, Wiesener Obstbauer und Vertreter im Burgenländischen Obstbauverband. „In Wiesen ist heuer alles betroffen – Erdbeeren, ganz stark die Marillen, aber auch die Äpfel. Durch das starke Unwetter inklusive Hagel vom vierten September wurden die neu ausgesetzten Erdbeer-Kulturen verschlammt und der Hagel hat auch die letzten Äpfel, die den Frost im Frühjahr überlebt haben, zerstört. Bei uns sind etwa 70 – 80 Prozent der Ente kaputt“, sagt Josef Koch.

Der Frost bewirkt, dass jetzt viele der noch am Baum verbliebenen Früchte faulen. Das Tückische daran: „Das sieht man auf den ersten Blick gar nicht. Erst nach ca. acht Tagen sieht man die Hagelschäden, darum müssen wir jetzt noch warten, bevor wir die Äpfel pflücken können“, sagt Josef Babonitsch vom Obstbau Babonitsch. Auch ein brauner Ring rund um den Apfel zeige die Hagelschäden. „So einen Apfel kauft ja niemand, auch wenn der Geschmack gut ist“, bringt Babonitsch das Dilemma der Obstbauern auf den Punkt. Was noch bemerkenswert sei: „So spät im Jahr haben wir überhaupt noch nie Hagel gehabt.“

Hoffnung auf positive Zukunft schwindet

Äußerst düster sieht Obstbauer Gustav Koch die gegenwärtige Situation der Landwirtschaft. „Es wird in Zukunft keine heimischen Bauern mehr geben, wenn die Regierung nicht vernünftig hilft. Es ist alles so minimal, was man als Bauer an finanzieller Entschädigung bekommt. Den Konsumenten ist es ja egal, woher die Ware kommt – sollen doch alle das ausländische Zeugs aus dem Supermarkt kaufen.“

Gustav Koch fordert eine „vernünftige Ernteausfallversicherung nach amerikanischem Vorbild. Da ist alles drinnen, mit dem kann der Bauer wirklich planen.“ Das Landwirtschaftsministerium hat die Antragsfrist innerhalb derer die Obstbauern ihre Schäden melden können, bis 30. September verlängert. Das betrifft Obstsorten, Hopfen, Erdbeeren und Obstjunganlagen – beim Wein bleibt die bisherige Abgabefrist vom 15. November 2016 aufrecht.