Erstellt am 14. Oktober 2015, 08:54

von Melanie Windbüchler

Würmer zum Essen. Die Neudörflerin Alexandra Depisch züchtet, gemeinsam mit Patrick Fischer, Mehlwürmer als Nahrungsquelle.

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Die studierte Agrarwissenschaftlerin Alexandra Depisch gründete gemeinsam mit Patrick Fischer in ihrer Studienzeit ein Startup-Projekt namens „Insettos“. Mit diesem wollen sie einen alternativen Beitrag zur Ernährung leisten – Der Clou: Mehlwürmer als Nahrungsquelle. „Aus einer Studie der UNO ging hervor, dass im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Diese müssen gesund, nachhaltig und preiswert ernährt werden können.

Eine Zucht im größeren Stil ist angedacht

In dem Bericht waren auch Fleischalternativen angeführt – darunter Insekten“, berichtet die Bachelorandin, die sich momentan akademisch weiterbildet über die Ideenfindung ihres Projekts. „In einer Lehrveranstaltung namens „Die Garage“, bei der die Universität für Bodenkultur Wien und die Wirtschaftsuniversität Wien zusammen arbeiten, gründete ich das Projekt mit den WU-Studenten Patrick, Andreas und Eric. Nach erfolgreichem Abschluss der Einheiten beschlossen Patrick und ich, diese Idee auch in der Freizeit weiter umzusetzen“, erzählt die Neudörflerin.

Warum sie sich für Mehlwürmer entschieden haben, und nicht für Heuschrecken oder andere Insekten, hat einen einfachen Grund: „Diese Tiere sind äußerst ressourcenschonend und kostensparend zu züchten. Außerdem sind die Insekten heimisch in Österreich und daher an das Klima angepasst. Zurzeit befinden sich die Tiere in dem Holzhäuschen im Garten meiner Eltern. Sobald es sich umsetzen lässt, wollen wir die Zucht im größeren Stil machen“, so Depisch.

Die Vorteile von Mehlwürmern gegenüber Fleisch sind für sie klar: „Die Insekten sind mineral-, protein- und vitaminreich zudem fettarm und brauchen weniger Platz und Wasser als Schweine oder Rinder. Die Tiere leben in Plastikboxen mit Haferflocken und Karotten. Die Flocken dienen ihnen als Nahrung und Substrat. Die Karotten sind ihre Wasserquelle.“

Erste essbare Produkte waren Mehlwurmriegel

Im Moment befindet sich das Projekt noch in der Testphase. Erste essbare Produkte gab es aber bereits: „Das erste Erzeugnis waren Mehlwurmriegeln mit hohem Proteingehalt. Dafür haben wir im Internet und in Kochbüchern nach Müsliriegel-Rezepte gesucht danach selbst experimentiert. Bis wir das Produkt perfektioniert hatten, dauerte es nur zwei Wochen“, berichtet die Neudörflerin.

Aber es gibt noch Hürden zu bewältigen: „Die rechtliche Lage muss noch geklärt werden, da es für Insekten in Österreich noch keine Zertifizierungen gibt. Man kann sie bisher auch nur im Futterhaus kaufen. Auch der Ekel der Menschen muss bedacht werden. Deshalb sollte das Endprodukt so gestaltet werden, dass die Tiere nicht mehr zu erkennen sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass es möglich ist, den Ekelfaktor etwas zu nehmen.“