Erstellt am 07. August 2013, 00:00

13 der 25 Landärzte gehen bald in Pension. Ärztemangel / Für junge Ärzte ist die Arbeit als Landarzt oft wenig anziehend. Die 41-jährige Ärztin Carmen Putz erklärte der BVZ, warum.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / Aufgrund des steigenden Alters der Ärzte im Bezirk, werden in den nächsten zehn Jahren von 25 Landärzten 52 Prozent davon, also circa jeder Zweite, in Pension gehen. 24 Prozent der Landärzte sind älter als 60 Jahre und werden bereits in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen. Dies wird zu Engpässen in der medizinischen Versorgung am Land führen, da der ärztliche Nachwuchs fehlt.

Der Bezirksärztevertreter Herbert Schwarz, Frauenarzt in Neusiedl am See, sieht das größte Problem in der Nachbesetzung der ärztlichen Praxen. „Viele der jungen Ärzte wollen sich das einfach nicht mehr antun. Die eigene Familie und die Freizeit gewinnen immer mehr an Bedeutung für die jungen Leute“, erklärt Schwarz.

„Angehende Ärzte tun sich das nicht mehr an“ 

Der Beruf des Landarztes ist ein interessanter und abwechslungsreicher Job, aber auch sehr zeitintensiv und fordernd. Zu den normalen Ordinationszeiten kommen die Bereitschafts- und Wochenenddienste sowie die Verwaltungsarbeit hinzu.

„Viele sind nicht bereit 70 Stunden pro Woche zu arbeiten. Vor allem viele Frauen gehen diesen Beruf nicht nach, da es sich für sie oft nicht mit dem Familienleben vereinbaren lässt.“, so der Frauenarzt. Aber auch rechtliche Hürden für Hausapotheken sollten beseitigt werden, da Landärzte oft der erste Ansprechpartner sind, um raschen Zugang zu Medikamenten zu erlangen.

Ältester Arzt im Bezirk: 75-jähriger St. Andräer 

Diese sind ein wichtiger Beitrag zu einer wohnortnahen medizinischen und medikamentösen Betreuung: „Eine ältere Frau, die direkt bei mir in der Ordination Medikamente erhält, erspart sich somit einen zusätzlichen Weg in die Apotheke“, so Schwarz. Die Politik solle den Stellenwert eines Hausarztes endlich erkennen und handeln.

Der älteste praktische Arzt im Bezirk Neusiedl am See ist der 75-jährige Josef Csitkovics aus Sankt Andrä am Zicksee, welcher ebenfalls Probleme in der Nachfolge durch junge angehende Ärzte am Land sieht: „Man bekommt immer mehr Vorschriften und muss immer mehr genehmigen lassen, was die Befürwortung der jungen Leute für den Arztberuf am Land nicht fördert.“

Frauen durch ungeregelte Arbeitszeiten abgeschreckt?

Auch Csitkovics ist der Meinung, dass angehende Ärzte nicht bereit sind, beispielsweise nach einem Wochenenddienst mit 48 Stunden, noch zusätzlich die normalen Ordinationszeiten zu führen. Carmen Putz, 41-jährige Ärztin in Illmitz, erklärt gegenüber der BVZ: „Ich glaube viele trauen sich einfach nicht zu am Land zu arbeiten, da wir doch von Säuglingen, älteren Leuten, bis hin zu Verkehrsunfällen alles behandeln. Man hat sehr viel Verantwortung.“

Die dreifache Mutter ist Ärztin aus Leidenschaft, auch wenn sich das Berufsleben manchmal schwer mit der Familie vereinbaren lässt: „Für Frauen ist der Beruf am Land sicherlich oft abschreckend, sie arbeiten lieber bei geregelten Arbeitszeiten, aber mir macht mein Job Spaß.“

Landarzt-Problematik: Stimmen Sie mit!