Erstellt am 19. Januar 2016, 15:32

von Tina Jedlicka

150.000 Euro mit Neffentrick ergattert. "Hallo! Rate einmal, wer da spricht", mit diesem Satz sollen eine Reihe von Betrugshandlungen in Baden, Wien und Weiden am See begonnen haben.

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Die Opfer nannten Namen von ihnen bekannten Personen und tappten damit in die Falle eines Netzwerkes, das ihnen insgesamt 150.000 Euro herauslockte.

Eine junge in Deutschland lebende Polin soll das Geld von den durchaus betagten Leuten entgegen genommen haben. Sie musste sich am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt einem Prozess bei Richter Kurt Weisgram wegen schwerem gewerbsmäßigen Betruges stellen. Abgesehen davon soll sie bei einem älteren Herrn mit einer zweiten noch unbekannten Täterin vor der Wohnung gestanden sein als dieser heim kam und vorgegeben haben dass sie dringend auf die Toilette musste. "Um des Friedens Willen hab ich sie herein gebeten. Das war ein großer Fehler. Die eine hat mich abgelenkt, die zweite hat den Schmuck meiner Enkeltochter und meiner verstorbenen Frau gestohlen", erinnerte sich ein Zeuge an die Angeklagte und erkannte sie auch eindeutig wieder.

Eine ältere Badenerin soll der Frau 100.000 Euro auf zwei Mal übergeben haben. Während sie bei der Polizei die Angeklagte wieder erkannte, war sie sich vor Gericht sicher, dass es sich nicht um die Angeklagte gehandelt habe.

Nur in einem Fall geständig

Die Angeklagte zeigte sich nur in einem Fall geständig: "Das andere war ich  nicht. Ich habe im Chat einen Freund kennengelernt, der gemeint hat ich soll nach Österreich kommen und Geld entgegen nehmen. Ich würde dann auch was bekommen." Richter Weisgram zeigte sich skeptisch: "Sie können sich ja hier verantworten wie sie wollen, aber wenn Sie kein Geld hatten und dann auch nicht wussten für wen genau sie irgendeine Summe entgegen nehmen sollen, klingt das ziemlich realitätsfremd." Die Angeklagte blieb dabei. Sie wisse keinen Nachnamen, sie habe keine Telefonnummer und Treffpunkt sei auch keiner vereinbart gewesen.

Die Frau wurde (noch nicht rechtskräftig) zu 24 Monaten, davon 19 Monate bedingt wegen eines Teils der Vorwürfe verurteilt. wegen der restlichen Vorwürfe wurde sie freigesprochen.