Erstellt am 31. August 2011, 11:55

18 Menschen in Schlepper-Kastenwagen gepfercht. Eine vierstündige Schlepperfahrt unter unmenschlichen Bedingungen hat die Polizei am Dienstag im Burgenland gestoppt: 18 Personen, darunter auch ein Baby und eine Schwangere, mussten sich in einem Kastenwagen auf einer Fläche von 3,5 mal 1,8 Meter zusammenpferchen.

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"Die Geschleppten hatten weder Wasser noch Nahrung. Auch ihre Notdurft durften sie nicht verrichten", so ein Beamter des Landeskriminalamts Burgenland.

"Das acht Monate alte Baby, ein Mädchen, und die schwangere Frau sind wohlauf. Ihnen und den 16 weiteren Personen geht es gut", versicherte der Polizist. Man habe die Flüchtlinge, irakische und türkische Kurden, nach der stundenlangen Fahrt umgehend verpflegt. "Wie lange der ungarische Lenker tatsächlich mit ihnen unterwegs war, wissen wir nicht. Mit einem normalen Pkw müsste man mit etwa drei bis vier Stunden Fahrt rechnen", erklärte er.

Die Flüchtlinge habe man im Kastenwagen, einem älteren Fiat Ducato ohne Fenster, zusammengekauert und im Sitzen schlafend bei einer Routinekontrolle auf der Ostautobahn (A4) bei Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) in Fahrtrichtung Wien im Laderaum entdeckt. "Das sind immer schlimme Zustände. Die Menschen bezahlen viel Geld und dann bekommen sie nicht einmal Wasser", meinte der Kriminalist.

Im diesem Fall wurden im Durchschnitt 2.000 bis 4.000 Euro an eine Schlepperbande bezahlt. Zielländer waren Österreich, Deutschland und die Schweiz. Nach dem sich die 18 Personen in Subotica in Serbien getroffen hatten, wurden sie zunächst zu Fuß über eine grüne Grenze nach Ungarn gebracht. Dort mussten sie sich in den Kastenwagen drängen.

Die Flüchtlinge wurden nun in die Grenzbezirksstelle Neusiedl am See gebracht. Dort sollen sie sich laut Auskunft der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See auch am frühen Mittwochnachmittag noch aufgehalten haben, hieß es zur APA. Nähere Auskünfte konnte man zu diesem Fall nicht erteilen, die Amtshandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

"Der Schlepper aus Ungarn befindet sich derzeit noch bei uns im Landeskriminalamt und wird dann in die Justizanstalt Eisenstadt gebracht. Über ihn wird Untersuchungshaft verhängt", so der Beamte. Hinweise zu Hintermännern bzw. Mitgliedern der Schlepperbande gab es zunächst noch nicht. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Es war der vierte große Schlepperfall in kurzer Zeit. In Wien wurden am 23. August 70 Menschen aus Afghanistan, Pakistan und Bangladesch von der Polizei angehalten. Schlepper hatten die Flüchtlinge bei Temperaturen von mehr als 35 Grad im Schatten wie Ölsardinen in zwei Kastenwägen gestopft. Die Wiener Exekutive entdeckte außerdem in dieser Woche, in der Nacht auf Montag, in einem griechischen Reisebus 30 Flüchtlinge aus Afghanistan, darunter auch Kinder. 22 waren in Hohlräumen unter der Bodenplatte versteckt. Am selben Tag griffen Polizisten im Nordburgenland 30 Migranten aus Somalia auf. Skrupellose Schlepper hatten die Gruppe mit den Worten "jetzt seid ihr in Wien" kurz nach der Grenzüberquerung ausgesetzt.